20090910a Sparkassen FI SOA funktioniert anders

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Ohne Neuausrichtung der IT-Organisation geht es nicht

SOA funktioniert (anders)

IT und Business wachsen zusammen, daran führt kein Weg vorbei. Die Fachbereiche haben eine klare Vorstellung davon, was sie von ihrer IT-Abteilung erwarten. Sie wollen eine flexible IT, welche die Fachlichkeit in den Mittelpunkt stellt und die Business-Ziele unterstützt. Dieser Paradigmenwechsel ist in der IT nicht neu. Doch um die technologische Umsetzung wird bislang heftig gerungen. Die serviceorientierte Architektur (SOA) gerät aufgrund ihrer Komplexität zunehmend ins Gerede. Dabei ist und bleibt sie ohne Alternative, wenn der Paradigmenwechsel auch in der Praxis vollzogen werden soll. Und sie ist realisierbar. Allerdings braucht echte Serviceorientierung neue Vorgehensweisen, einen anderen Managementansatz und ein neues Selbstverständnis der IT. Kommunikation ist dabei sehr wichtig. Neue Technologien aus der Welt des Web 2.0 helfen dabei, den Kommunikationsfluss zu gewährleisten. Und auch die Gräben zwischen IT und Business lassen sich überwinden: Mithilfe moderner Portaltechnologie lassen sich komplexe Geschäftsprozesse flexibel administrieren. Das Business wird schneller, schlanker und flexibler. Dass es funktioniert, haben die Sparkassen und ihr IT-Dienstleister bewiesen.

 

S

eit Jahren wird über SOA kontrovers diskutiert. Ultimativer Heilsbringer oder alter Wein in neuen Schläuchen? Ist es überhaupt eine Technologie oder viel mehr eine Managementphilosophie? Einfach oder kompliziert? Umsetzbar oder nicht? Tatsächlich gibt es bislang noch wenige Beispiele für eine gelungene Umsetzung im Enterprise-Umfeld. Doch es gibt sie. Und sie belegen: Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Fakt ist: An SOA kommt eine Business-zentrierte IT nicht vorbei.

Denn Serviceorientierung ist sicher zunächst einmal keine reine Technologie. Sie ist eine grundsätzliche Ausrichtung der IT-Strategie und somit ein Managementthema. Als solche ist sie auch nicht neu – eine konsequente Orientierung am Business haben innovationsfreudige IT-Manager auch schon propagiert, bevor der Hype um SOA entstand. Und natürlich brauchten sie dafür neue Techniken – aber auch eine andere Art der Zusammenarbeit. Die Umsetzung hängt von den richtigen Grundsatzentscheidungen ab. Erst wenn die IT ihre Hausaufgaben gemacht hat, wird das Leben mit SOA leichter. Das Business kann seine Anforderungen einfacher, schneller und flexibler umsetzen. Die IT wird agiler und reduziert den Entwicklungsaufwand deutlich. Doch einen Teil der eingesparten Zeit muss sie an anderer Stelle investieren. Ohne eine sorgfältige Dokumentation, Standardisierung und Automatisierung endet die SOA als Flop – egal ob sie als Technologie oder Managementphilosophie verstanden wird.

Eine Frage der Organisation

Charakteristisch für die Debatte um SOA ist die Frage, ob sie sich überhaupt umsetzen lässt oder nicht. Es ist bemerkenswert, wie hartnäckig Kritiker daran festhalten, die grundsätzliche Machbarkeit infrage zu stellen – auch angesichts einer wachsenden Zahl gelungener SOA-Projekte. Dabei haben manche Einwände einen realen Kern: SOA lässt sich ohne eine grundsätzliche Neuausrichtung der IT-Organisation nicht umsetzen.

Eine agile Entwicklung, die anstelle monolithischer Anwendungssilos granulare, aufeinander abgestimmte Funktionsbausteine innerhalb einer komplexen Organisation erstellen, bereitstellen und pflegen will, braucht eine aktive Community, die sich ständig im Austausch befindet und für die Kommunikation und Zusammenarbeit an erster Stelle kommt. Ohne die lebendige Kommunikationskultur zwischen den Programmierern ist SOA tatsächlich eine Totgeburt. Eine solche Kultur entsteht nicht per Arbeitsanweisung, sie braucht Teamgeist, muss anstecken, von der Führungsebene vorgelebt und in der Organisation verankert werden.

Software-Engineering 2.0

Softwareentwickler stehen nicht in dem Ruf, große Kommunikatoren zu sein – und das ist sicher nicht ganz unbegründet, sieht man von Ausnahmen ab. Echte Serviceorientierung macht die Kommunikation zu einem systemimmanenten Bestandteil des Entwicklungsprozesses. Ein erfolgreicher Ansatz liegt in der gezielten Nutzung geeigneter Tools, die technikaffinen Menschen entgegenkommen und die Kommunikation beziehungsweise Dokumentation regelrecht automatisiert einbinden. Neben dem zentralen Repository als Herzstück der SOA, in dem sämtliche Komponenten sorgfältig und aktuell dokumentiert sind, bieten moderne Web-2.0-Tools wie Wikis, Forensysteme oder Instant Messaging ein breites, zeitgemäßes Instrumentarium, um den permanenten Austausch untereinander in der Entwicklungsorganisation fest zu verankern.

Auch im Entwicklungsprozess der Finanz Informatik spielen solche Instrumente eine entscheidende Rolle. Der IT-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe gehörte zu den ersten Unternehmen, die konsequent auf die SOA im Enterprise-Umfeld setzten. Über 1.000 bankfachliche Services stellt das Unternehmen mit seiner Gesamtbanklösung OSPlus (One System Plus) für die Sparkassen zur Verfügung. Dieser Benchmark ist im Retailbanking – dem klassischen Geschäft mit Privatkunden und mittelständischen Unternehmen – bislang unerreicht. Auch in anderen Branchen findet sich bislang wenig Vergleichbares.

Um diese Services aktuell zu halten und kontinuierlich aufeinander abzustimmen, bedient sich die Entwicklercommunity der Finanz Informatik zeitgemäßer Web-2.0-Tools. Rund 2.000 Entwickler in verteilten Einheiten setzen dabei Web-basierende Content-Plattformen ein. Dazu gehören beispielsweise 55 aktive Wikis zu Themen wie der Anwendungsbereitstellung, der Produktion und dem Sicherheitsmanagement. Monatlich werden dort rund 900.000 Zugriffe verzeichnet. Zur Unterstützung kollaborativer Prozesse nutzt der IT-Dienstleister ein Enterprise Activity & Issue Tracking-System. 40 Diskussionsboards speziell für die eigene Entwicklercommunity werden in einem Forensystem betrieben – mit 320 aktiven Nutzern und rund 70.000 Zugriffen im Monat. Zudem sind alle der 5.500 Mitarbeiter der Finanz Informatik über das Instant Messaging System Lotus Notes Sametime von IBM miteinander vernetzt.

Sparkassen IT: Am Business orientiert

Die Serviceorientierung hat bei der Finanz Informatik historische Wurzeln. Denn es ist die ureigene Aufgabe des IT-Dienstleisters, die vielfältigen Geschäftsmodelle der Sparkasse mit einer Standardsoftware umfassend zu unterstützen. Die regional agierenden Sparkassen haben unterschiedliche, oft sehr spezifische individuelle Anforderungen. Diese resultieren beispielsweise aus ihrer Größe, der Kundenstruktur, dem Bundesland oder etwa der Branchenzugehörigkeit der regional ansässigen Unternehmen. Eine Standardsoftware für Sparkassen muss in der Lage sein, diese Vielfalt abzubilden. Schon in den neunziger Jahren hat der IT-Dienstleister in der komponentenbasierenden Entwicklung eine Antwort auf diese komplexen Anforderungen gefunden und als Grundlage für die spätere SOA ein zentrales Repository eingeführt.

Seit 2004 ist die SOA der Finanz Informatik stabil im Betrieb. Mittlerweile sind auch die Front-Ends konsequent auf komponentenbasierende Entwicklung und zeitgemäße Portaltechnologie umgestellt. Die Kunden der Finanz Informatik erhalten vorkonfektionierte Standard-Geschäftsprozesse, die sie dann im definierten Rahmen flexibel anpassen können. Das transparente Abrechnungsmodell der Finanz Informatik hinterlegt konkrete Preise für die Nutzung eines Service. Damit können Sparkassen die Kosten für jeden Geschäftsprozess im Vorfeld kalkulieren. Täglich verzeichnet das Portal bis zu 36 Millionen bankfachliche Requests.

Das Beispiel zeigt, dass eine konsequent am Business orientierte SOA kein Mythos ist. Sie funktioniert, aber anders. Tradierte Vorstellungen von Softwareentwicklung und Entwicklern haben im Zeitalter der Serviceorientierung keinen Bestand mehr. Kommunikation ist alles. Sie strukturiert in der Organisation zu verankern ist eine Führungsaufgabe.

Die Nähe zwischen IT und Business und die hohe Agilität im Entwicklungsprozess bedeuten für die Sparkassen auch einen Startvorteil, wenn sich die Finanzbranche nach dem Ende der Finanzmarktkrise neu organisieren wird. Veränderte gesetzliche Vorgaben, neue Anforderungen an Geschäftsprozesse und Weiterentwicklungen in den Geschäftsmodellen lassen sich auf Basis der businesszentrierten SOA schnell und effizient in den IT-Systemen abbilden.

Detlev Klage

Ein Beitrag von Detlev Klage, Geschäftsbereichsleiter Multikanal Vertrieb, Finanz Informatik

 

 

 

Detlev Klage zeichnet als Geschäftsbereichsleiter Multikanal Vertrieb der Finanz Informatik verantwortlich für die web-basierte Weiterentwicklung der Vertriebssysteme innerhalb der Gesamtbanklösung OSPlus (One System Plus). Als Leiter des Architekturboards ist er zudem maßgeblich an der Ausgestaltung der OSPlus-Architektur beteiligt.

Seit seinem Eintritt in eines der Vorgängerunternehmen der Finanz Informatik im Jahr 1995 hat der gelernte Industriekaufmann und Diplom-Informatiker Akzente bei der Entwicklung einer modernen Gesamtbankarchitektur für die deutschen Sparkassen gesetzt. Als Mann der ersten Stunde ist der Spezialist für Anwendungsintegration und Web-Technologie einer der Wegbereiter für die offene, an modernen Standards orientierte Schnittstellenarchitektur von OSPlus.

 

 

 


 

Unternehmensporträt Finanz Informatik

Die Finanz Informatik mit Sitz in Frankfurt am Main ist der IT-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe. Zu ihren Kunden gehören 432 Sparkassen, 9 Landesbanken, 10 Landesbausparkassen sowie weitere Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe und der Finanzdienstleistungsbranche. Die Finanz Informatik ging rückwirkend zum 1. Januar 2008 aus der Fusion der Sparkassen Informatik (Frankfurt am Main) und der FinanzIT (Hannover) hervor.

Das Angebot der Finanz Informatik umfasst das gesamte IT-Spektrum – von der Entwicklung und Bereitstellung von IT-Anwendungen, Netzwerken und technischer Infrastruktur über den Rechenzentrumsbetrieb bis hin zu Beratung, Schulung und Support. Mit der leistungsfähigen Gesamtbanklösung OSPlus stellt das Unternehmen heute eines der führenden IT-Systeme für den deutschen Bankenmarkt. Tochterunternehmen und Beteiligungen ergänzen das IT-Portfolio.

Die Finanz Informatik übernimmt den Service für 127,8 Millionen Konten; jährlich werden auf den Systemen über 60 Milliarden technischer Transaktionen durchgeführt. Das Unternehmen beschäftigt 5.201 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Umsatzerlöse betragen rund 1,6 Milliarden Euro.

 

 

 

 

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