20090910j Operational Services Green IT Energieeffizienz

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Energieeffizienz: Zwischen Profit und Umweltschutz

Green-IT trotz Rotstift

Klimakonzepte, Konsolidierung, Virtualisierung – grüne Technologien trotzen dem Rotstift, selbst in Zeiten schwacher Konjunktur. Ein genauer Blick aber offenbart: Hinter einem ökologischen Engagement stecken meist »nur« ökonomische Interessen.

 

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reen-IT bleibt – ungeachtet der wirtschaftlich angespannten Situation und knapper Budgets – ein hoch populäres Thema für deutsche EDV-Verantwortliche. Kein Wunder: Allein in Deutschland floss im vergangenen Jahr Strom im Wert von 1,1 Milliarden Euro durch die Leitungen der Rechenzentren. Nach Berechnungen des Borderstep Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit entspricht diese Menge der Versorgung durch vier mittelgroße Kohlekraftwerke. Häufig aber fehlt es Verantwortlichen hinsichtlich des Stromverbrauchs und der Wärmeentwicklung in Rechenzentren an verwertbaren Informationen, um eine Umsetzung von energieeffizienten Strategien voranzutreiben. So brachte kürzlich eine Studie des Marktforschungsinstituts Experton Group ein erschreckendes Ergebnis ans Licht: 85 von 100 befragten IT-Verantwortlichen kennen den Energieverbrauch ihrer EDV nicht. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine weitere Erkenntnis der Analysten, wonach nur wenige Unternehmen ein separates Budget für die Reduktion des CO2-Ausstoßes ihrer Rechenzentren zur Verfügung stellen. Allen Statistiken zum Trotz engagieren sich immer mehr Unternehmen für umweltfreundliche IT-Strategien – dies allerdings in erster Linie aus rein pragmatischen Gründen. Mit anderen Worten: Nicht die Umwelt, sondern handfeste ökonomische Interessen sind die Treiber für Virtualisierung, Konsolidierung und modernisierte Klimatechniken.

Kosteneffizienz und Umweltschutz in der Praxis

Dreh- und Angelpunkt eines Engagements zugunsten energieeffizienter IT-Umgebungen bildet in der Regel eine systematische Inventur des vorhandenen Equipments, des aktuellen Stromverbrauchs und der Wärmeentwicklung im Rechenzentrum. Wichtig hierbei: Berechnungen sollten auf Werten des gesamten Unternehmens basieren und nicht ausschließlich die IT berücksichtigen. Oft steckt in anderen Unternehmensbereichen Potenzial für Einsparungen, das sich erst mit Hilfe des Rechenzentrums sichtbar machen lässt. Im Rahmen dieser Bestandsaufnahme sollte der CO2-Ausstoß der unterschiedlichen Unternehmensbereiche gemessen und konkrete Maßnahmen zur Reduktion definiert werden. Doch auch nach der Implementierung entsprechender Technologien gehört das permanente Monitoring der CO2-Werte zu den Standardpflichten des IT-Managements.

Erst nach dieser Bestandsaufnahme kann eine Entwicklung neuer Konzepte zur Konsolidierung und Virtualisierung der IT-Infrastruktur erfolgen. Dazu gehört es, die auf dem Markt erhältliche Hardware zu evaluieren. Etliche Hersteller stellen mittlerweile Prozessoren mit energieeffizientem Verbrauch zur Verfügung, gleiches gilt für Anbieter von Arbeitsspeicher. Darüber hinaus sollten Lüfter, Netzteile und vor allem Unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) auf ihren Energieverbrauch in die Berechnungen mit einbezogen werden.

Im Rahmen der Modernisierung kommt der richtigen Kühlung des Rechenzentrums eine doppelte – und, physikalisch betrachtet, fast widersprüchliche – Bedeutung zu: Einerseits sollten Klimageräte für eine möglichst effiziente Kühlung sorgen, andererseits aber dürfen sie möglichst wenig Energie verbrauchen. Gleichzeitig aber steigen die Anforderungen an die Klimatisierung durch hohe Leistungsdichten mit modernen Blade-Server-Technologien sowie durch räumlich eng positionierte Server-Racks. Zur Lösung dieser Probleme haben sich in den vergangenen Jahren Klimakonzepte per Wasserkühlung direkt am Rack oder sogar an den Prozessoren etabliert. Zu den weiteren Möglichkeiten energieeffizienter Rechenzentrumsstrategien gehört die Nutzung der Abwärme. Das Prinzip: IT-Verantwortliche evaluieren, ob sich die Abwärme der Systeme sinnvoll für andere Zwecke verwenden lässt – etwa für die Aufbereitung von Warmwasser, für die Beheizung von Büroräumen im Winter oder aber per Einspeisung in öffentliche Fernwärmenetze.

Virtualisierung ist nicht gleich Energieeffizienz

Hinsichtlich der Einführung von Virtualisierungstechnologien gilt es, neben Faktoren wie Wärmeentwicklung, vor allem auf die Auslastung der Hardware zu achten. Die Gretchenfrage lautet: Wie muss eine Maschine ausgelastet werden und welcher Energieverbrauch ergibt sich daraus? Anders ausgedrückt: Eine Auslastung von 70 Prozent benötigt mehr Energie, als eine Maschine, die mit 30 Prozent ihrer Möglichkeiten arbeitet. Die Konsolidierung von fünf Maschinen in einem System wiederum drückt den Stromverbrauch und die Wärmeentwicklung erheblich. Hier muss exakt kalkuliert werden.

Ähnliche Überlegungen gelten für die Verkabelung der IT-Struktur. Obwohl heute vornehmlich Lichtwellenleiter bei der Verkabelung neuer Rechenzentren zum Einsatz kommen, müssen auch diesbezüglich exakte Informationen über die existierende Verkabelungsstruktur zugrunde liegen. Denn oft stecken in den Unterböden historisch gewachsener Rechenzentren Verkabelungen, die sich aus Platzgründen nicht ohne weiteres austauschen lassen. Häufig wurden im Laufe der Jahre neue Kupferkabel in den Unterboden eingezogen, ohne dass veraltete Leitungen zuvor entfernt wurden. Gleichzeitig sorgen die vollen Kabelschächte für zusätzliche Probleme bei der Kühlung – vor allem bei Doppelbodenkonstruktionen, in denen dadurch die Luftzirkulation gehemmt wird. Hinzu kommt, dass eine Umstellung auf Lichtwellenleiter sauber geführte Trassen und dadurch verbundene Biegeradien voraussetzt. Dies erschwert in erster Linie bei schlecht dokumentierten IT-Verhältnissen die Umstellung auf moderne Verkabelungsstrukturen.

Energieeffizienz: Ein ewiges Kapitel

Fakt ist: Energieeffizientes Computing verlangt von IT-Entscheidern ein fortwährendes Engagement. Rechenzentrumsleiter sehen sich auch nach der Modernisierung permanent damit konfrontiert, die IT-Umgebung kontinuierlich an neue Gegebenheiten anzupassen – erst recht, wenn zusätzliche Systeme implementiert oder alte Rechner entfernt werden und sich damit die Wärmeentwicklung und der Energieverbrauch im Rechenzentrum verändern. Zu guter Letzt sollten alle Lebensphasen eines Produkts wie Produktion, Recycling und Entsorgung in das Gesamtkonzept einer energieeffizienten und somit profitablen und umweltfreundlichen Rechenzentrumsplanung einfließen.

Falk Wieland

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Falk Wieland, Rechenzentrumsleiter, Operational Services GmbH & Co. KG

 

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