20090910u Das Ende der Krise?

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Von der Krise beeindruckt

IT-Unterstützung, die hilft

Licht am Ende des Krisentunnels? Ja doch, beurteilten die meisten Analysten und Wirtschaftsführer ad hoc. Die Zuwächse, die registriert werden, entpuppen sich aber schnell als Marginalien, wenn sie mit den Zahlenständen im letzten Jahr verglichen werden. Dazu kommt, dass die schmalen Zuwächse meist das Ergebnis künstlicher Impulse sind.

 

S

o haben einige Großunternehmen ihre laufenden Bilanzen durch Firmenverkäufe aufgepeppt. Große Finanzdienstleister konnten sich von giftigen Wertpapieren und damit von erheblichen Verlusten in ihren jetzt geschönten Bilanzen trennen. Die Abwrackprämie hat einigen Automobilherstellern einen künstlichen Aufschwung beschert. Dazu kamen die ersten Effekte der Konjunkturspritzen aus den Depots der beiden Konsumrettungsfonds, ausgelegt auf zusammen 110 Milliarden Euro.

»Mit einer wirtschaftlichen Entwicklung, die aus sich heraus mehr Substanz generiert, hat der Status quo bislang wenig zu tun«, schränkt Rudolf X. Ruter, Partner bei Ernst & Young und hier zuständig für den Geschäftsbereich Nachhaltigkeit in Deutschland, ein. Er ist sich sicher: »Wirklich voran kommen wird die Wirtschaft erst dann, wenn die Verantwortungsträger mehr Verantwortung (Corporate Responsibility) für ihr Unternehmen und darüber hinaus übernehmen werden.« Nur so entstünde ein verlässliches Wachstum, das in mehr betriebliche Solidität und Ertragskraft münde. Er meint damit eine auf Nachhaltigkeit ausgelegte Unternehmensführung, die sich durch gesellschaftliches Engagement sowie durch ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung auszeichnet. »Denn eines«, so Ruter, »sollten die Verantwortlichen von großen wie mittelständischen Unternehmen keinesfalls tun: börsengetrieben durch kurzfristiges Taktieren und fixiert auf schnelle Renditen dieselben Fehler wie in der jüngsten Vergangenheit machen.«

So als wollte der vorläufige Insolvenzverwalter der Acandor Gruppe, Klaus Hubert Görg, den Ernst & Young-Nachhaltigkeitsspezialisten Ruter bestätigen, zeichnete der Mitte August ein katastrophales Bild des Ex-Handelsriesen. Fast nichts wäre mehr im Besitz der Acandor. Der gesamte Konzern sei durch viel zu hohe Kosten heruntergewirtschaftet worden. Die Entscheider hätten mit Blick auf eine kurzfristige Liquidität die Substanz und den Ertrag ruiniert. Diese allgemeine Gefahr, kurzfristig mit allen negativen Folgen zu taktieren, statt nachhaltig zu handeln, ist nicht vom Tisch. Gerade in der Krise neigen Unternehmen dazu, das schlingernde Boot mit allen Mitteln so schnell wie möglich wieder flott zu machen – oder aber schließlich doch manövrierunfähig auf Sand zu setzen. Der durch Steuergelder teuer aufgemöbelte Opel, bald unter den Fittichen von Magna und der russischen Sberbank, könnte ein solches Manöver drohen.

Und die Banken, die das Desaster ausgelöst haben? Ruter empfiehlt den Verantwortungsträgern hier, die zwischenzeitlich ihre Rendite über die Börse aufzubessern versuchen, schnellstmöglich wieder in ihr eigentliches Fahrwasser zurückzukehren. »Es ist legitim, im ersten Schritt die Liquidität in den Griff zu bekommen«, sagt er. »Danach muss aber schnell der zweite Schritt folgen, der auf mehr Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung und Geschäftsausrichtung ausgelegt ist«, fordert er. Bundesbankchef Axel Weber warnt die Banken, sie seien noch nicht über den Berg. Der Hauptgrund seiner Warnung: der Ausfall von Abertausenden an Krediten, der noch tiefe Furchen in ihren Bilanzen hinterlassen könnte. Ruter macht sich gemeinsam mit namhaften Vertretern aus der Wirtschaft innerhalb des Arbeitskreises »Nachhaltige Unternehmensführung« (AKNU – www.aknu.org), Teil der Schmalenbach-Gesellschaft, für eine nachhaltige Unternehmensführung stark. Mit seinem Buch »Beiräte in mittelständischen Familienunternehmen« informiert er die Firmen, die die Basis der deutschen Wirtschaft ausmachen, wieso gerade jetzt für mehr Kontinuität ein professionell arbeitender Beirat für sie überlebenswichtig ist und welche Kompetenzen und Kontrollen ihm eingeräumt werden sollten.

Aber noch tickt die Wirtschaft wie vorher: schnell, rastlos und unkoordiniert. Vor allem viele große Aktiengesellschaften lassen sich wie vor der Krise ihre Handlungsweisen von den spekulativen Börsen diktieren. Parallel versuchen sie, mit hohen Einlagen, die Teils aus dem 400-Milliarden-Euro-Bankenrettungsfonds stammen, die Kurse mit nach oben zu treiben. Neue, bereinigende Regelungen, die mehr Ordnung ins wirtschaftliche Gefüge und Handeln bringen könnten – Fehlanzeige! Der Finanzdienstleistungsbereich, der die Wirtschaftskrise ausgelöst hat, ist davon nicht ausgenommen. Die Fehlentwicklungen im Finanzsektor sind allenthalben präsent. Leitzinssenkungen werden nicht an die privaten und geschäftlichen Kreditkunden weitergegeben, mit wirtschaftshemmenden Effekten. Ohne exzellente Bonität werden Darlehen nur mit hohen Zins- und Risikoaufschlägen gewährt. Die Überziehungszinsen liegen im Schnitt 5 % höher als in 1999, obwohl heute der Leitzins 2 % unterhalb des Niveaus von damals liegt. Banken dürfen sich weiterhin ungestraft mit Steuergeldern und dem Geld ihrer Kunden in hochspekulative Anlagen engagieren. Die Transparenz der Geldgeschäfte für die Kunden hat nicht zu, sondern aufgrund der wachsenden Komplexität von Finanzprodukten und immer umfangreichere Vertragswerke abgenommen. So vermarktet Fidelity progressiv und offensichtlich unbelehrbar, Dachfonds seien widerstandsfähig und in größerer Auswahl verfügbar als zuvor. Für diese Selbsterkenntnis führt das Investmenthaus, wie sollte es anders sein, seine eigene Studie ins Feld. Hohe Abfindungs- und Prämienzahlungen sind, selbst bei öffentlichen steuerfinanzierten Landesbanken wie der HSH Nordbank, weiterhin an der Tagesordnung.

Ein nachhaltiges Geschäft ist so nicht zu erreichen. Denn solche nur auf Gier ausgerichtete Verfahrensweisen treffen bei den potenziellen Kunden auf Unverständnis und Ablehnung, statt auf Glaubwürdigkeit, Wohlwollen und Akzeptanz. Ohne Lernfähigkeit der Akteure wird uns die Wirtschaftskrise voraussichtlich noch lange beschäftigen. Es sei denn die Nachhaltigkeits-Saat, wie die ausgestreut von der AKNU, fällt unter den Unternehmensverantwortlichen – Geschäftsleitungen, Bereichsleitungen, Eigentümern, Aufsichtsräten, Beiräten – auf fruchtbaren Boden und geht auf. Bis dahin wird das Geschäft unter mehr oder weniger widrigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um es mit der Sprache der Börse auszudrücken, hoch volatil ablaufen. Die meisten Unternehmen werden bis auf Weiteres keine stabilen Wirtschaftspläne entwickeln können, weil ihnen dazu verlässliche Zielgrößen wie Umsatz oder Ertrag fehlen. Die Folge: Sie werden sich, bis sich der Markt aus eigener Kraft heraus stabilisiert hat und kontinuierliches Wachstum aufweist, mit ihren Ausgaben zurückhalten und auf die Kostenbremse treten.

Für die IT heißt das: Sie ist dann gefragt, wenn Unternehmen darüber in kurzer Zeit deutliche Einsparungen einfahren können. Langzeitprojekte werden weiterhin »on hold« gesetzt bleiben, sofern sie nicht schon vor der Krise weit vorangeschritten waren. Dort, wo die IT lohnt, werden die Unternehmen verstärkt die Lieferanten und Ausführer für ihre Zusagen in die Pflicht nehmen. Eine weitere, für die Unternehmen lohnende Zielrichtung des IT-Einsatzes: darüber interne Umstrukturierungen und Ausgliederungen von Firmenbereichen in Gang und umzusetzen. Sie sind die zwangsläufigen Begleiter jeder Wirtschaftskrise.

 

»Ein wichtiger Kosteneinsparer ist und bleibt die Virtualisierung der IT«, signalisiert Michael Ziegler, Teamleiter Virtualisierung und Sicherheit bei Materna. Vor allem der Virtualisierung von Clients räumt er deutliche Einsparungen gegenüber dem Status quo, Fat Clients, ein. »Das Desktop-as-a-Service-Prinzip, den gesamten Arbeitsplatz-PC, den Desktop, zentral auf einem Server zu führen und zu managen, vereinfacht drastisch das Handling«, so Ziegler. Komponenten wie Benutzer, Profile und Netzwerk-Ressourcen wie zum Beispiel File- und Print-Server könnten wirtschaftlich zentral mit verwaltet werden. Das Fraunhofer Institut räumt den virtuellen Clients bei den laufenden Kosten Einsparungen von 30 % und mehr ein. So steigt mit der Anzahl der Clients das Einsparungspotenzial. »Hinzu kommen weitere Einsparungseffekte«, weiß der Virtualisierungsspezialist. »Der Software-Wildwuchs auf den Arbeitsplätzen kann unter zentraler Administrationsregie nachhaltig gestutzt werden.« Das minimiere Verwaltungsaufwand, Lizenzkosten, Bedienungs- und Sicherheitsrisiken, und ihre potenziellen Kostenfolgen gleich mit. »Die bestehenden PCs, selbst wenn sie bereits abgeschrieben sind, können als DaaS-Clients problemlos weiter Dienst tun. Denn die maßgebliche Prozessor- und Speicherleistung erbringt der zentrale Server«, ergänzt Ziegler. Dadurch könne sich das Unternehmen aus PC-Anschaffungszwängen entkoppeln und auf der Hardwareseite zusätzliche Einsparungen erzielen. Allerdings, gibt Ziegler den Entscheidern zu bedenken, dürften die Systemmanagement- und IT-Sicherheitswerkzeuge nicht zu kurz kommen. »Sie müssen mit der Migration zu virtuellen Clients in der Lage sein, zwischenzeitlich heterogene Desktop-Infrastrukturen zu meistern.« Solche Werkzeuge seien aber nicht nur ein Kostenfaktor, sagt Ziegler. »Über sie können Management- und damit IT-Betriebsprozesse kostensparend automatisiert werden.«

Torsten Straß, CEO von Logica in Deutschland, bricht eine Lanze für IT-Outsouring gerade in der Wirtschaftskrise. »Solange der Kostendruck durch niedrige Umsätze und Erträge währt, werden die Unternehmen vermehrt die IT-Bereiche ausgliedern, die nicht ihr Kerngeschäfte stützen.« Diese Entwicklung beobachtet er quer durch alle Branchen. »Wenn beispielsweise Banken das Geschäft mit Investment-Anlagen an Partner ausgliedern, muss diese Auslagerung von Grund auf, von der IT bis hinauf zu den Geschäftsprozessen, funktionieren«, sagt Straß. Er qualifiziert angesichts solcher vermehrter Umstrukturierungen IT-Outsourcing als die richtige Strategie, an geschäftlicher Flexibilität zuzulegen. »Unter externer Regie können notwendige Veränderungen intern einfacher durchgesetzt sowie beweglicher und schneller umgesetzt werden«, ist er überzeugt. Zumal IT und Geschäftsprozesse mittlerweile ohnehin zusammengehörten. Es sind außerdem nach dem CEO die Kosteneinsparungen, die die Unternehmen aller Branchen dazu bewegen, auf IT-Outsourcing umzuschwenken. »Flexible, bedarfsorientierte Preismodelle, die sich der wirtschaftlichen Entwicklung anpassen, kommen gerade in der Krise mit einem nicht absehbaren Geschäftsverlauf bei den Entscheidern gut an«, registriert der CEO. Er macht einen weiteren Trend bedingt durch die Krise aus und verweist dazu auf eine gemeinsame Studie von Logica und der Outsourcing Unit der London School of Economics. »Danach sollten Outsourcing-Verträge der wirtschaftlichen Situation angepasst werden, indem sowohl die Risiken als auch die Gewinne gleichberechtigt zwischen den Vertragspartnern aufgeteilt werden.« Ein wichtiger Teil solcher Verträge nach der aktuellen Studie: Sie sollten so gestaltet werden, dass sich daraus eine gemeinschaftliche Führung der IT mit über die Zeit allen dafür notwendigen Innovationen entwickeln kann. Straß macht eine weitere Anforderung der Unternehmen aus: »Sie verlangen, krisengetrieben, ihrem IT-Dienstleister innovative und strategische Beratungsleistungen ab, um solche Schwächephasen diesmal und künftig besser zu durchstehen.«

Was für die Unternehmen in Krisenzeiten zählt, nämlich Kosteneinsparungen und hinreichend Liquidität, wird am Beispiel der Sparkasse Saarbrücken deutlich. Mit über 6 Milliarden Euro an Bilanzsumme und 1.325 Mitarbeitern zählt diese Sparkasse zu den größten Regionalbanken im Südwesten Deutschlands. Ein professionelles Management der 86 Geldautomaten – 52 sogenannte Recycler und 34 Auszahler – trägt in diesem Fall zu mehr Liquidität bei. Sie werden mittlerweile nicht mehr als notwendig mit Kapital bestückt. Das Ergebnis: Mit dem intelligenten Cash-Management PC/E 3.0 von Wincor Nixdorf wurde die Befüllung um konstant 30 % reduziert. Das gegenüber der jüngsten Vergangenheit zusätzliche flüssige Kapital, 5 Millionen Euro pro Jahr, kann die Stadtsparkasse Saarbrücken verzinst anlegen oder gezielt investieren. Armin Gerstner, hier Leiter der Abteilung EDV-Orga, spricht von einem »lukrativen Ertragsfeld für die Sparkasse«. Über die 86 Geldautomaten wickeln die Kunden jährlich knapp 4,3 Millionen Auszahlungen im Wert von 657 Millionen Euro ab.

Das intelligente Management der Geldautomaten birgt für die Sparkasse weiteres Einsparungspotenzial, was wiederum der Liquidität zugute kommt. Für das umfassende Cash-Management reichen zentral zwei Mitarbeiterinnen in der Hauptkasse aus. Lokal in den Filialen muss sich kein Personal mehr mit den Geldautomaten, Befüllungsständen und Routinetätigkeiten rund um diese Automaten beschäftigen. Das Personal kann sich voll und ganz auf die Kundenberatung und Geldgeschäfte konzentrieren. Die filialübergreifende Steuerung des Bargeldkreislaufs mittels PC/E macht es möglich. Über PC/E hat die Sparkasse Saarbrücken zudem diese Prozesse und den Geldbestellvorgang kostensparend straffen können. Als nächstes steht die Einbindung der konventionellen Kassen ins Cash-Management an, um auch hier die Geldbestände und Prozesse für mehr verfügbare Liquidität zu optimieren. Über diese Kassen wurden im letzten Jahr rund 1,6 Millionen Ein- oder Auszahlungen abgewickelt.

Hadi Stiel

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Hadi Stiel ist freier Journalist in Bad Camberg.

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