20091112b Micro Focus Software- und Infrastruktur-Modernisierung

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Die sieben Chancen der Software & Infrastruktur-Modernisierung

Der evolutionäre Ansatz

In existierenden Enterprise-Applikationen steckt die bewährte Business-Logik der Unternehmen. Um essenzielle Geschäftsprozesse abzudecken, sind daher ein hoher Individualisierungsgrad oder zusätzliche Modifizierungen erforderlich. Aus der Standardsoftwarelösung wird dann mit Einführungs- und späteren Releasewechsel- und Upgrade-Aufwendungen oftmals ein nachhaltig kostspieliges Gesamtszenario. Unternehmen, die ihre Applikationen daher weder als Standardlösung implementieren noch neu entwickeln, müssen allerdings ihre bestehenden Systeme modernisieren. Hierfür kommen sieben mögliche Ansätze in Frage.

 

F

ür die bedeutenden Geschäftsprozesse betreiben Unternehmen oftmals Anwendungen, die sie vor vielen Jahren, in manchen Fällen sogar vor Jahrzehnten, entwickelt haben. Bei diesen Systemen handelt es sich in der Regel um in COBOL oder PL1 erstellte Host-Systeme, die zwar immer wieder angepasst und weiterentwickelt wurden, deren struktureller Kern jedoch erhalten blieb. Der Grund für dieses »Traditionsbewusstsein« liegt eindeutig auf der Hand.

Diese Applikationen zeichnen sich durch ein hohes Maß an Performance, Stabilität und Sicherheit aus, also genau das, was Unternehmen, beispielsweise in Banken und Versicherungen, für Anwendungen mit besonders hohem Transaktionsvolumen und vielen Anwendern benötigen.

Dabei stoßen diese Systeme mittlerweile an ganz neue Grenzen. Sie können die aktuellen Anforderungen nicht mehr abdecken – Anforderungen, die sich heute nicht mehr allein im Dreieck Performance, Stabilität und Sicherheit bewegen.

Neue Geschäftsmodelle und -prozesse stellen Anforderungen, die durch die Unternehmens-IT bereitgestellt werden müssen. Die großen, monolithischen Systeme, die auf proprietären Plattformen laufen, passen nicht mehr in eine Zeit, die ganz auf Flexibilität – Agilität – Schnelligkeit und Preis-Performance ausgerichtet ist.

In dieser Situation haben Unternehmen folgende Alternativen:

·          Neuentwicklung der Software mit aktuellen Technologien

·          Ablöse durch Kauf und Implementierung einer Standardsoftware

·          Modernisierung und Integration der Businessprozessanforderung mit bestehenden Applikationen

Jede Alternative bietet Vor- und Nachteile; wer beispielsweise seine Software neu entwickelt, erhält eine Lösung, die technologisch auf dem neuesten Stand ist, aber womöglich nicht mehr die Stabilität und Performance der vorherigen Lösung aufweist.

Wer zu einer Standardsoftware wechselt, erhält ein funktionierendes System, muss aber seine Prozesse darauf einstellen und riskiert damit seine Differenzierungsmöglichkeiten gegenüber dem Wettbewerb.

Sowohl Neuentwicklungen als auch die Einführung von Standardlösungen erfordern einen hohen Investitionsaufwand und einen relativ langen Planungs– und Implementierungshorizont, wobei das Risiko besteht, am Ende mit leeren Händen da zu stehen. Auf beiden Wegen sind in der Vergangenheit etliche große Projekte bereits gescheitert.

Ohne Qualitätsverlust

Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung hat die Koordinaten für die Beurteilung dieser Alternativen eindeutig verschoben.

Die IT muss sich auf reduzierte Budgets einstellen, soll aber mit den beschränken Mitteln zukünftig mehr erreichen – zum Beispiel einen größeren Beitrag zur Wertschöpfung liefern oder neue Geschäftsmodelle (Web Services, SOA) abbilden. Letzten Endes geht es darum, die IT ohne Qualitätsverlust effizienter und kostengünstiger zu gestalten.

In dieser Situation ist die Modernisierung der Enterprise-Applikationen die Alternative.

Jenseits von fruchtlosen Grundsatzdebatten – Stirbt der Mainframe? Was kommt nach Java? – bleibt der unter Budget-Druck stehenden Unternehmens-IT nicht viel anderes übrig, als einen pragmatischen, evolutionären Ansatz zu verfolgen. Das bedeutet, den Kern der Enterprise-Applikationen mit der erprobten Geschäftslogik zu erhalten und neue Anforderungen/Prozesse mittels aktueller Technologien zu integrieren.

Dieser Weg hat sich in der Praxis vielfach bewährt; Microsoft, IBM, HP/EDS und Micro Focus haben in den letzten Jahren zahlreiche Modernisierungsprojekte in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen erfolgreich durchgeführt.

Für eine Modernisierung von Enterprise-Applikationen bieten sich sieben Ansatzpunkte an:

1.    Analyse & Design


Auf Grund jahrelanger Pflege tragen viele Applikationen erheblichen Ballast mit sich herum, beispielsweise Module, Schnittstellen oder Routinen, die doppelt vorhanden sind, die gar nicht mehr aufgerufen werden oder die einfach niemand zu löschen wagt. Dieser Ballast erschwert und verteuert die Pflege und Weiterentwicklung der Systeme enorm. Wenn mit modernen Analyse-Tools zum Beispiel in Projekten 22 Millionen Codezeilen auf 9 Millionen reduziert werden können, so bedeutet dies auch eine deutliche Reduzierung des Aufwands und somit der Wartungskosten.

Darüber hinaus bietet die genaue Kenntnis der Strukturen und Funktionszusammenhänge der Applikationen eine Voraussetzung für weitere Modernisierungsmaßnahmen.

2.    Neue Hardwareplattformen


x86-basierte Systeme bieten heute unter Linux und Windows ein hohes Maß an Performance und Stabilität – bei deutlich geringeren Investitionen und Betriebskosten als Host-Systeme. Deren Anwendungen lassen sich heute in vollem Umfang, ohne Einschränkung ihrer Funktionalität, auf andere Plattformen portieren. Weil dabei der Applikations-Code nicht geändert wird, sind die Umstellungskosten gering, so dass Einsparungen von bis zu 80 Prozent bei Hard- und Softwarekosten durchaus realistisch sind. Ähnliches gilt für die Zlinux-Host-Umgebung.

Da die bewährte Businesslogik auf der neuen Plattform weiterhin zur Verfügung steht, sind auch die Risiken der Umstellung gering – nach der Portierung läuft alles wie zuvor. Sogar komplexe Mainframe-CICS-Applikationen können auf diese Weise ihre technische Basis wechseln, ohne dass sich an ihrer Leistungsfähigkeit etwas ändert. Unternehmen können die Verlagerung auch auf bestimmte Teilbereiche einschränken, zum Beispiel auf Batch-Verfahren.

3.    Neue Devices


Der Desktop-PC ist heute nicht mehr das alleinige Endgerät. Durch die zunehmende Mobilität der Mitarbeiter, die Integration von Außendienstorganisationen, auswärtigen Niederlassungen und so weiter, müssen neue Endgeräte unterstützt werden. Notebook, Netbook, PDA, Handy, Blackberry et cetera, können von den klassischen Enterprise-Applikationen nicht angesteuert werden. Modernisierung heißt hier, ohne großen Aufwand Schnittstellen zu schaffen, damit auch solche Geräte direkt auf die abgebildeten Geschäftsprozesse zugreifen können.

Mobile Mitarbeiter werden so ohne Medienbrüche in die Kernanwendungen integriert, was die Flexibilität und Leistungsfähigkeit steigert.

4.    Neue Front-Ends


Mit den herkömmlichen Masken will heute kein Benutzer mehr arbeiten – dieses User-Interface ist nicht nur unmodern, sondern auch wenig effizient. Die alten Front-End-Systeme lassen sich heute sehr einfach, beispielsweise mit den Werkzeugen von Micro Focus, in eine zeitgemäße graphische Oberfläche überführen. Unter dem neuen Look-and-Feel arbeitet die bewährte Business-Logik, also das eigentlich wertvolle an den Enterprise-Applikationen.

5.    Serviceorientierte Architektur (SOA)


Durch die Integration der Enterprise-Applikationen in eine SO-Architektur können Unternehmen mehr Flexibilität erreichen. Unternehmen können auf der Ebene der Geschäftsprozesse ihre bestehenden monolithischen Individualentwicklungen in Prozessmodule kapseln und über standardisierte Schnittstellen lose verbinden. Sind bewährte Programmkomponenten vorhanden, so können sie als Services allen Applikationen zur Verfügung gestellt werden – beispielsweise auch Web-Anwendungen. Die Wiederverwendung solcher Services aus erprobten Host-Anwendungen minimiert die Risiken der Softwareentwicklung und reduziert ihre Kosten. Zudem lassen sich auch vorhandene Qualifikationen der Mitarbeiter weiter nutzen, so dass auch unter diesem Aspekt optimaler Investitionsschutz erreicht wird.

6.    Web-Applikationen


Für jedes Unternehmen sind Web-Applikationen heute unverzichtbar, zum Beispiel für Web-Shops oder E-Procurement. Diese Anwendungen sind nur effizient, wenn sie über eine direkte Verbindung zu den Daten und Algorithmen der Enterprise-Systeme verfügen, etwa um in einem Online-Portal einen aktuellen Versicherungstarif darzustellen. Da diese Systeme aber ganz anders strukturiert sind, setzt die Integration Anpassungen voraus. Mittlerweile stehen Techniken bereit, die die für diese Verbindungen nötigen Module oder Services automatisch erzeugen können, so dass auch große Integrationsprojekte in überschaubarer Zeit und mit begrenztem Aufwand realisierbar sind.

7.    Cloud Computing


Mit Cloud Computing können Unternehmen IT-Ressourcen sehr flexibel nutzen. Sie müssen so gut wie keine Investitionen tätigen und können trotzdem auf hoch skalierbare IT-Systeme zurückgreifen, für die sie nur das bezahlen, was sie tatsächlich in Anspruch nehmen.

Allerdings müssen die benötigten Applikationen über das Web zur Verfügung gestellt werden. Dies ist nicht trivial, weil die Cloud-Plattformen bestimmte Voraussetzungen zum Beispiel an die Datenhaltungssysteme oder die verwendeten Programmiersprachen stellen. Mit den »Micro Focus Cloud Services« können Unternehmen ihre großrechnerbasierten Individualentwicklungen ohne Änderungen am Quellcode auch auf Cloud-Plattformen betreiben und damit bis zu 90 Prozent der Betriebskosten einsparen.

In der Praxis lassen sich diese Modernisierungsstrategien natürlich auch kombinieren. »Analyse & Design« eignet sich als Einstiegsprojekt, weil andere Projekte auf die hier gewonnenen Erkenntnisse über die vorhandenen Applikationen und Assets aufbauen können. Einer Verlagerung auf neue Plattformen wird sich meist die Einrichtung neuer Front-Ends anschließen, und wer seine Applikationen als Services nutzt, kann diese zum Beispiel auch für Web-Applikationen oder neue Devices bereitstellen.

Rainer Downar

 

 

 

Modernisierungs-projekte

Aufwand

Vorteil

Zeithorizont

Kostenein-sparungen

1. Analyse & Design

Gering

Reduzierung des Aufwands für Software-Pflege

Mittelfristig

Hoch

2. Neue Hardware-Plattformen

Gering

Kostengünstigere Hardware und (System-) Software

Kurzfristig

Hoch

3. Neue Devices

Gering

Verbindung mobiler Mitarbeiter

Kurzfristig

Mittel

4. Neue Front-Ends

Gering

Effiziente Benutzerschnittstelle

Kurzfristig

Gering

5. SOA

Mittel

Bereitstellung von Funktionalitäten als Services; Integration der Services in andere Anwendungen

Mittelfristig

Mittel

6. Integration von Web-Applikationen

Mittel

Durchgängige Workflows, keine Medienbrüche

Mittelfristig

Hoch

7. Cloud Computing

Gering

Flexible Ressourcen, genau kalkulierbare Kosten

Kurzfristig

Hoch

 

 

 


 

Enterprise-Applikationen können nach einer Portierung auf einer neuen Plattform betrieben werden.

 

 

 


  

 

In einer serviceorientierten Architektur lässt sich Businesslogik aus Enterprise-Applikationen auch für neue Anforderungen nutzen.

 

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