20091112zb Innovation durch gute Führung

 Home | News | Hefte | Mediadaten | Online-Artikel | Kommentare | Trends | Wir-ueber-uns | Tipps | Impressum

 

Home
News
Trends
Hefte
Online-Artikel
Kommentare
Service-Angebote
Feedback
Abonnement
Wir-ueber-uns
Tipps
Impressum
Veranstaltungen


manage-it-Blog


NEU: manage it als
E-Paper  7-8 2010




 

 


 




 


Mit einer Mitgliedschaft beim Golfclub "Green Valley Golf International" auf den Bahamas können Sie in Deutschland, Schweiz, Österreich, Italien, Spanien oder Frankreich golfen.

 

Mitgliedsbeitrag für 12 Monate ab Ausstellungsdatum inklusive aller Kosten: 150 Euro

 

Weitere Informationen bei www.golfmitgliedschaft.eu



 

Interview mit Prof. Dr. Lutz Becker

Warum Innovation nur durch gute Führung entsteht

 

Im Gespräch mit Lutz Becker, Professor für Unternehmensführung und internationales Management an der Karlshochschule Karlsruhe, sowie Managementberater und IT-Unternehmer und Herausgeber der Buchreihe »Die Neue Führungskunst«.

 

 

 

Manche Unternehmen sind innovativer als andere. Warum?

23629140Lutz Becker: Ich muss bei der Frage schon ein wenig schmunzeln. Geht es darum innovativ zu sein, oder das am Ende des Tages die Kasse klingelt? Ich kenne viele Unternehmen mit tollen Ideen, denen es aber nicht gelingt, ihre Ideen am Markt umzusetzen. Manchmal versteht der dumme Kunde einfach nicht, was der Hersteller Gutes von ihm will. Aber im Ernst: Viele Unternehmen starten mit einer genialen Gründungsidee, die dann schnell in Stein gemeißelt wird. Wenn dann der Markt an den Kunden vorbeizieht, kommt es zu einem bitteren Erwachen. Den Unternehmen gelingt es nicht, sich von der innovativen Gründungsidee zu lösen um in einen geplanten und planbaren Innovationsmodus zu kommen. Unser Mitautor Professor Thomas Müller-Kirschbaum, Mitglied des Henkel Direktoriums, sagt so schön: »Persil bleibt Persil, aber nur weil es sich ständig verändert«. Und gerade das Traditionsunternehmen Henkel ist für mich der beste Beweis, dass man Innovationen und Innovationsfähigkeit planen kann, sonst gäbe es das Unternehmen schon gar nicht mehr.

 

Wie lässt sich die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens steigern?

Lutz Becker:  Ich warne vor »Best Practice« Ansätzen, die meine Beraterzunft so gerne verkauft, um anschließend eine Sanierungsberatung hinterher zu schieben. Patentrezepte sind nur etwas für Firmen, die ständig dem Markt hinterher rennen. Was ein Unternehmen haben muss, ist eine Führung, die Innovation fördert und konzeptionell umsetzt. Und dann gibt es verschiedene gute Methoden, die helfen, den Innovationsprozess zu planen und zu systematisieren, ich nenne etwas Genrich Saulowitsch Altschuller’s Triz – die Theorie des erfinderischen Problemlösens, die sich insbesondere für technische Innovationsprozesse anbietet, Robert Cooper’s Stage Gate Prozess, der vor allem für Produktentwicklungen geeignet ist, oder unser PTAP Modell, das seine Stärken insbesondere bei organisatorischen Innovation entfaltet. Aber von keiner dieser Methoden darf man Wunder erwarten. Vor allem dann nicht, wenn die Führungskultur kontrainnovativ ist.

 

Welchen Stellenwert spielt »gute Führung« für die Innovationskraft eines Unternehmens?

Lutz Becker:  Stinkt der Fisch nicht am Kopf zuerst? Eine innovationskräftige Organisation setzt Führungskräfte voraus, die wirklich in Strategien und großen Würfen denken, die Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit leben, die aber auch ihre Mitarbeiter zu Kreativität motivieren können. Erbsenzähler, Kurzfristoptimierer sind da auf Dauer fehl am Platze. Was nicht heißt, dass man nicht sorgfältig auf Kosten und die sogenannten Quick Wins achten sollte. Ein Problem sind die heftigen Moduswechsel vieler Unternehmen: Im einen Jahr ist Expansion angesagt und die Mitarbeiter werden förmlich zu Innovation angewiesen, im nächsten Jahr heißt das Motto dann wieder: »Kosten senken«. Wer glaubt, dass sich unter diesen Bedingungen eine nachhaltige Innovations- oder Kostenkultur etablieren kann, hat sich geschnitten, so etwas kommt nicht von heute auf morgen.

 

Sind Innovation und Qualität also ein Widerspruch?

Lutz Becker:  Wir haben es hier mit einem sehr grundsätzlichen Problem zu tun, nämlich das Dilemma zwischen Innovations- und Effizienzorientierung. Effizienzorientierung besagt zunächst einmal, das ich Streuungen und Abweichungen von der Norm zu vermeiden suche: Abweichungen werden als Fehler betrachtet und ausradiert. So angewendet ist auch Six Sigma ein Innovationskiller, denn Innovation bedeutet Exploration und Abweichung von der Norm. Schauen Sie sich zum Beispiel Agfa an. Das Unternehmen war einst ein Global Player im Filmmarkt, hat aber die Digitalisierung weitestgehend verschlafen. Das Unternehmen war in seinem angestammten Bereich absolute Spitze, hat aber nicht rechtzeitig erkannt, dass sich die Welt da draußen gedreht hat. Die haben zwar die falschen Dinge gemacht, die aber verdammt gut. Es ist natürlich Führungsaufgabe solche Dilemmata aufzulösen, wenn das nicht gelingt, darf man getrost von Führungsversagen sprechen. Ich persönlich befürchte übrigens, dass die Automobilindustrie vor einem ähnlichen Scheideweg steht, und dass sich die grundsätzliche Art und Weise, wie wir heute Autos bauen, schneller dem Ende zuneigt, als manchem lieb ist. Wer Innovationen will, darf nicht danach trachten, Fehler und Risiken per se zu vermeiden, stattdessen muss man gezielt Abweichung, Risiken und gar das Scheitern zulassen. Das aber kontrolliert, oder wie es in der Softwareindustrie heißt: Fail quick – fail cheap.

 

Ist Innovation noch zeitgemäß – oder in Krisenzeiten zu riskant?

Lutz Becker:  Wir hatten 2009, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Darwin-Jahr. Gerade in Krisenzeiten fördern die Selektion – da trennt sich der Spreu vom Weizen. In Krisenzeiten sind vielleicht, das kommt aber auf das Unternehmen und den Markt an, die Innovationsschwerpunkte andere. Da investiert man vielleicht nicht in Luxusinnovationen, sondern in Innovationen, die dem kleinen Mann helfen, die Krise zu überwinden. Innovation heißt nicht unbedingt, dass man das Geld mit vollen Händen heraus werfen muss. In manchen Bereichen, ich spreche jetzt nicht unbedingt von der Automobilindustrie, sind es gerade die organisatorischen Innovationen, die viel mehr bewirken. Starbucks musste auch nicht den Kaffee neu erfinden.

 

Gibt es Geheimrezepte?

Lutz Becker:  Ich glaube weder an Alchimie noch daran, dass Innovationen einfach vom Himmel fallen. Es gibt aber brauchbare Ansätze, die zusätzliche Optionen eröffnen können. Einer dieser Hebel ist mehr denn je die strategische Früherkennung. Ein gutes Beispiel ist da Bayer Material Science. Die stellen Polyurethane in »World Scale«-Anlagen her, sind also relativ weit weg vom Endverbraucher. Nichtsdestotrotz bringen sie Konsumenten und Automobilhersteller zusammen, um Konzepte für das Auto der Zukunft, das Auto der künftigen Kunden ihrer Kunden, zu entwickeln. In einem solchen Rahmen kann man mittels neuer und verbesserter Methoden, die etwa ursprünglich aus der Sprachwissenschaft kommen, wegweisende Erkenntnisse gewinnen. Es gibt ähnliche Methoden, die uns in die Lage versetzen gesellschaftliche Trendverschiebungen früh aufzuspüren. Ein anderer Hebel gibt uns die Möglichkeit, das beschriebene Dilemma zwischen Effizienz und Innovationsfähigkeit aufzulösen. Hier bietet eine konsequent projektmethodische Unternehmensführung noch viel Potenzial – das gilt vor allem bei Kommerzialisierung von Innovationen, beim Business Development.

Danke für das Gespräch.

 

 

23629141Zur Person: Prof. Dr. Lutz Becker lehrt Unternehmensführung und internationales Management an der Karlshochschule International University in Karlsruhe und leitet dort den Masterstudiengang »Leadership«. Er ist viele Jahre als Managementberater und IT-Unternehmer (www.inscala.com), tätig und hat sich als Autor zahlreicher Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen zu Technologie- und Managementfragen einen Namen gemacht.

 Lutz Becker ist Mitherausgeber des Buches »Führung, Innovation und Wandel«. Das Spannungsverhältnis von guter Führung, Innovation und Wandel ist Gegenstand dieses Buches. Seine Autoren beschreiben anhand aktueller Beispiele, wie Manager, Unternehmer und Führungskräfte die Herausforderungen des Wandels annehmen und ihn sinnvoll gestalten  können, ohne sich von der komplexen Fülle ständig verändernder Einzelheiten irritieren oder gar paralysieren zu lassen.

  mehr Informationen zum Buch

 

Führung, Innovation und Wandel

Wie Sie Chancen entdecken und erfolgreich umsetzen Hrsg.: Lutz Becker, Johannes Ehrhardt, Walter Gora Hardcover, 425 Seiten ISBN 978-3-939707-05-9 1. Auflage, Erscheinungsjahr: 2008 EUR 59,00 (inkl. MwSt. und Versandkosten)

Symposion Publishing

www.symposion.de

 

 
Copyright © 2003-2010  ap Verlag GmbH