20091112zp PSI Lean Production als ganzheitliche Philosophie

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Interview mit Karl Tröger

Lean Production ist eine ganzheitliche Philosophie

In Zeiten eher magerer Gewinne in der produzierenden Industrie preisen seit längerem etliche Softwareanbieter schlanke Lösungen, bezeichnet mit Namen wie Lean Management oder Lean Production, als Heilmittel an. Karl Tröger, Leiter Produktmarketing der Psipenta Software Systems GmbH, erläutert, was dahintersteckt und welche Angebote das Berliner Unternehmen macht.

 

»manage it«: Herr Tröger, woher stammt der Begriff Lean Production und was verbirgt sich dahinter?

Karl Tröger: Das Konzept hat seinen Ursprung im Toyota Production System. Dabei geht es um die konsequente Vermeidung von Verschwendung im Wertschöpfungsprozess sowie den unterstützenden Prozessen. Lean Production ist keine für sich allein stehende Methode oder Werkzeugsammlung – es ist vielmehr eine ganzheitliche Philosophie der Führung und Steuerung eines Unternehmens. Der Grundgedanke ist, alles zu eliminieren, was nicht zur Wertschöpfung beiträgt. Oder anders: … wofür der Kunde nicht bezahlt. Also etwa Überbestände, Wartezeiten oder unnötiger Transport.

Gleichzeitig geht es um die schnelle und qualitätsgerechte Erfüllung der Kundenwünsche. Damit stehen die Reduzierung der Durchlaufzeiten und Nacharbeiten im Fokus. Ein weiteres wichtiges Thema ist die kontinuierliche Überwachung und Verbesserung der Prozesse. Und ebenso gehören eine effiziente Problemlösungskultur und Anpassungen an sich verändernde Gegebenheiten dazu. Folglich ist die Einführung von Lean Production ein nicht endender Transformationsprozess der Organisation, der Produktionsmethoden, der Planung und Steuerung und nicht zuletzt der beteiligten Personen.

 

Wie sieht das Lean-Production-Programm von PSI aus?

Zielfunktionen beziehungsweise Messgrößen sind Senkung der Bestände, Reduzierung der Tot- und Liegezeiten und damit der Durchlaufzeit sowie die Verringerung des gebundenen Kapitals in Form des Umlaufvermögens. Ein wesentliches Merkmal von Lean-Production-Systemen ist die Einführung des Pull-Prinzips in der Produktion. Dies betrifft neben der Organisation und den Ressourcen in der Produktion auch die Methoden der Planung und Steuerung. Die Umstellung von Push auf Pull ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen zu realisieren ist.

Im Gegensatz zu den meisten Lean-Experten liefern wir nicht nur Beratungs- oder wenn sie so wollen Schulungsleistung, sondern auch Hardware und eine passende Software – und das alles aus einem Hause. Mit dem ERP-Standard Psipenta adaptive steht ein Werkzeug zur Verfügung, dass die Regelkreise zur schrittweisen Umstellung von Push- auf Pull-Produktion enthält und automatisch auf Veränderungen und Störungen reagiert. Definierte Zielgrößen wie Kapitalbindung oder Lieferfähigkeit steuern die Disposition von Material und Kapazität. Engpässe werden aufgezeigt und die Planung entsprechend korrigiert.

Die Ergebnisse werden visualisiert und zeigen die Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen und weitere Arbeitsfelder auf. Mit der Einführung einher gehen Verkleinerung der Losgrößen, Senkung der Bestände, Reduzierung der Durchlaufzeit und eine Verringerung des Umlaufvermögens. Die Produktion wird geglättet, beruhigt und zunehmend zu einer Just-in-time-Fertigung umgestellt.

 

Welchen Aufwand muss ein Unternehmen für Lean Production betreiben?

Zuallererst ist ein organisatorischer Aufwand nötig. Ansonsten gibt es keine Besonderheiten. Es ist klar, dass die implementierten Regelkreise nur funktionieren, wenn der aktuelle Zustand der Produktion zeitnah in die Planung rückgekoppelt wird. Hier kommen BDE/MDE-Systeme oder mobile Datenerfassungssysteme zum Einsatz. Beim Thema Hardware muss man noch bedenken, dass vielfach auch die Produktionstechnik angepasst werden muss. Die Beseitigung von Engpässen bedingt oft eine Investition in Maschinen, Anlagen und Werkzeuge.

 

Psipenta propagiert inzwischen schon Lean Production 2.0. Was ist hier die Innovation oder der Fortschritt?

Bisher wurden überwiegend Serienfertiger in der Automobilindustrie mit Lean-Production-Methoden in Verbindung gebracht. Schaut man genauer hin, ist festzustellen, dass »Lean« oftmals an der Unternehmensgrenze aufhört. Zulieferer übernehmen die Pufferung und am Ende auch das Risiko. Hier können die Regelkreise in Psipenta adaptive signifikant zur Risikominimierung beitragen.

Es profitieren aber auch Auftrags- und Einzelfertiger von Lean-Production-Prinzipien. Die ganzheitliche Betrachtung der Ressourcen erlaubt eine rückstandsfreie Planung von Beginn an und setzt sie auch bei Störungen durch. Alle für den Produktionsablauf notwendigen Prozesse werden mit dem Ziel der Einhaltung der Liefertermine synchronisiert. Die Einbeziehung externer Partner in die Planung sichert die Einhaltung der Termine ab. Aufeinander abgestimmte Disposition und Produktion führt zu einer optimierten Auslastung und reduzierten Beständen bei wesentlich kürzeren Durchlaufzeiten. Störungen im Prozess werden automatisch ausgeregelt und die Auftragsnetze auf die Zieltermine ausgerichtet. Das Ziel ist die konstante Lieferfähigkeit bei minimaler Kapitalbindung.

Im Grunde geht es um die Einführung einer getakteten Fertigung unter den Bedingungen der Serienfertigung einerseits und der Auftrags- und Einzelfertigung andererseits. Oder anders gesagt: Die hohe Produktivität der Serienfertigung wird mit der Reaktionsgeschwindigkeit der Einzelfertigung verbunden. In der Realität arbeiten viele Unternehmen in einem »mixed-mode«, das heißt es können klassische Produktionsmethoden (Push) und Lean-Methoden (Pull) koexistieren.

 

Muss der Arbeitnehmer Nachteile durch die Einführung von Lean-Production-Methoden befürchten?

Nein. Im Gegenteil. Bestandteil der Lean-Philosophie ist die kontinuierliche Qualifizierung der Mitarbeiter. Es ist also von einer stärkeren Mitarbeiterorientierung auszugehen. Die Mitarbeiter bekommen die Gelegenheit, oder besser: haben die Pflicht, die Gegebenheiten an ihren Arbeitsplätzen zu verbessern. Lean Production ist nicht mit »Cost Cutting« zu verwechseln. Es geht um die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit mit den Mitarbeitern und somit um die Sicherung ihrer Arbeitsplätze.

 

Geht die Entwicklung weiter und wohin führt sie?

Lean Production ist kein Thema eines Einzelunternehmens. Bereits heute können wir von einer Netzwerkökonomie sprechen. Die Konzentration der Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen führt zu einer dramatisch ansteigenden Notwendigkeit der Kooperation. Wertschöpfungsketten gehen um den gesamten Globus. Einbrüche in der Nachfrage betreffen nicht mehr einzelne Regionen, sondern haben weltweite Auswirkungen. Der Anpassung der Unternehmen an diese dynamischen Umweltbedingungen kommt eine zunehmende Bedeutung zu. Hier setzen auch Lean-Production-Methoden an. »Lean« wird nicht mehr an der Werks- oder Unternehmensgrenze enden, sondern sich durch die gesamten Wertschöpfungsketten ziehen. Dazu sind neue Kommunikationsstandards und Steuerungsmethoden notwendig. Unternehmen, die nicht in der Lage sind, ihre Prozesse umzustellen, werden langfristig vom Markt verschwinden.

Das Interview führte Volker Vorburg

 

 

Karl Tröger referiert im Rahmen des IBS:fachforum Lean Manufacturing zum Thema »Lean Production 2.0«:

 

24.11.09 Zürich, 09:30 – 14:45, IBM Forum Switzerland, Vulkanstraße 106, 8048 Zürich

26.11.09 Düsseldorf, 09:30 – 14:45, IBM Forum, Karl-Arnold-Platz 1a, 40474 Düsseldorf

28.01.10 Wien, 09:30 – 14:45, IBM Forum Wien, Obere Donaustraße 95, 1020 Wien

Nähere Informationen finden Sie unter www.psipenta.de in der Rubrik News & Events.

 

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