Talend Open Source und Datenintegration

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Klassische Datenintegration bekommt Open-Source-Konkurrenz

Freibeuter der (Daten)meere

Open Source gewinnt im Bereich Business-Software immer mehr an Bedeutung – so auch bei der professionellen Datenintegration.

 

G

ibt es einen Zusammenhang zwischen dem Achtungserfolg der Piratenpartei bei der Bundestagswahl und dem immer offensichtlicheren Durchbruch von Open-Source-Lösungen im Markt für Unternehmenssoftware?

Gemeinsam ist beiden Gruppen sicherlich der Hang zu unkonventionellen Denkansätzen und eine gewisse Respektlosigkeit vor etablierten Institutionen. Man könnte sagen, Open Source reißt derzeit im Business-Sektor kräftig die Fenster auf und lässt frischen Wind herein. Aber die Tage, als Open Source das Image von Freibeutertum hatte, sind lange vorbei. Mittlerweile ist quelloffene Software eine akzeptierte Alternative zu teurer herkömmlicher Software geworden – nicht nur bei privaten Anwendern, sondern vor allem im Business-Sektor.

Egal ob es sich dabei um Serverbetriebssysteme (Open Solaris), Datenbanken (My SQL), CRM-Anwendungen (Sugar CRM), komplette Business-Intelligence-Suiten (Jasper Soft) oder Software zur professionellen Datenintegration wie Talend Open Studio handelt – in immer mehr Bereichen machen Anbieter von Open-Source-Software den etablierten Branchengrößen das Leben schwer. Punkten kann Open Source vor allem mit günstigen Preisen, schnellen Entwicklungszyklen, umfangreicher Funktionalität und Konnektivität sowie der großen Community, die nicht nur ständig an der Software weiterarbeitet, sondern auch schnell, unbürokratisch und kostenlos über das Internet Hilfestellung leistet.

Datenintegration wird erschwinglich.

Praktisch jedes Unternehmen ab einer gewissen Größe in der IT muss heutzutage von Zeit zu Zeit oder regelmäßig Daten integrieren. Das heißt, Daten aus einer Quelle entnehmen, nach definierten Regeln umwandeln, katalogisieren, die Qualität prüfen, gegebenenfalls verbessern und schließlich in ein Zielsystem, etwa ein Data Warehouse oder direkt in eine andere Applikation laden. Dabei beschränkt sich der geschilderte Prozess nicht auf eine geschlossene IT-Infrastruktur: Informationen fließen in weltweit verzweigten Netzwerken zwischen unterschiedlichen Systemen, die sich firmenintern, bei einem externen Dienstleister, in einer Cloud-Computing-Umgebung oder bei Lieferanten und Kunden befinden können, aber auch als »Software-as-a-Service« wie beispielsweise Salesforce.com auf Abonnementbasis bezogen werden.

In der Vergangenheit mussten Unternehmen entweder für jeden Datenaustausch eine eigene Schnittstelle von Hand programmieren oder die teuren Speziallösungen einkaufen. Diese verfügen zwar über gute Funktionalität und können teilweise einen hervorragenden Track-Record aufweisen, doch sie sind zu teuer. Die Anbieter, allen voran Informatica, IBM und Oracle, verlangen für diese Lösungen teilweise prohibitive Preise und machten den Zugang für kleinere Unternehmen quasi unmöglich. Der wachsende Frust bei den Anwendern war letztlich der Dünger für das Entstehen einer Open-Source-Lösung für Datenintegration.

Erst 2006 gegründet, kann der aktuelle Marktführer Talend bereits auf über 300.000 Anwender seiner Open Source Datenintegrationslösung verweisen. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) haben durch die Software erstmals die Möglichkeit, eine professionelle Lösung zu akzeptablen Preisen zu nutzen. Dass auch Großkonzerne mittlerweile ein Auge auf die Open-Source-Lösung geworfen haben, liegt zum einen an der zunehmenden Wettbewerbsfähigkeit der Software, zum anderen aber auch ganz klar an der frischen Preis- und Lizenzpolitik.

Trend zur Open-Source-Komplettlösung.

Zahlreiche Erweiterungen, insbesondere im Bereich Datenqualität, haben aus Talend Open Studio mittlerweile eine umfassende Suite werden lassen, die den kommerziellen Angeboten funktionell in nichts nachsteht. Jüngst überraschte Talend mit der Übernahme aller Rechte an der MDM-Technologie (Master Data Management) des französischen Anbieters Amalto. Die vormals kommerzielle Lösung wird überarbeitet und soll dann als Open-Source-Lösung kostenlos zur Verfügung stehen.

Interessanterweise hat gerade diese Entwicklung die Akzeptanz von Open Source verstärkt. Denn im Gegensatz zu den konventionellen Anbietern, bei denen oft Jahre vergehen, bis neue Funktionalitäten integriert werden, und viele Anwenderwünsche niemals erfüllt werden, kann ein Open-Source-Anbieter viel schneller agieren und reagieren. Wenn ein Anwender beispielsweise einen neuen Konnektor für eine Speziallösung entwickelt, steht dieser nach einem Qualitätscheck durch Talend direkt auch allen anderen Anwendern zur Verfügung. So ist beispielsweise der SAP-Konnektor für Talend ein Produkt der Community.

Überzeugende Kosten-Nutzen-Relation.

Auch wenn Open Source nicht umsonst zu haben ist: Hauptgrund für einen Wechsel zu Open-Source-Software ist in den meisten Unternehmen die Kosten-Nutzen-Relation. Bei vergleichbarem Funktionsumfang lassen sich durch einen Umstieg oft erhebliche Summen einsparen. Am Beispiel Datenintegration wird der Unterschied sehr gut deutlich: Nach dem Motto »try before you buy« kann sich jeder Anwender, der die Software nur testen oder auch erste Projekte umsetzen will, Talend Open Studio kostenlos aus dem Internet herunterladen.

Wer höhere Ansprüche hat, etwa im Team entwickeln möchte, massive Datenaufkommen bearbeiten muss oder Echtzeit-Prozesse integrieren will, greift auf die kommerzielle Schwesterversion Talend Integration Suite zurück. Insbesondere wenn ein Projekt unternehmenskritisch wird, wollen Unternehmen zusätzliche Funktionalität, hochgradige Skalierbarkeit, professionellen Support und den notwendigen Haftungsausschluss durch einen Vertragspartner abgedeckt wissen.

Aber auch die kommerzielle Talend Integration Suite ist bei weitem günstiger zu haben als die klassischen Datenintegrationsplattformen. Zudem kommt bei Talend ein Lizenzmodell hinzu, das lediglich »Developer-Seats« berücksichtigt und keine Restriktionen bei der Zahl der eingebundenen Systeme oder dem Datenvolumen kennt. Die klassischen Anbieter hingegen lizenzieren nach Repositories, CPUs sowie der Anzahl der Quell- und Zielsysteme. Jede Lizenz ist begrenzt und jede Erweiterung kostet Geld. Wenn ein Unternehmen mehr Daten bewegen oder die Installation erweitern will, muss es neue Lizenzen erwerben – Talend nennt das die »Datensteuer«. Für die traditionellen Anbieter ist das eine Gelddruckmaschine, denn bekanntlich steigen die Datenvolumina ständig an.

Lizenzkosten legal umgehen.

Dieser Teufelskreis lässt sich durchbrechen. Hierzu ein einfaches Beispiel: Eine Informatica-Installation beinhaltet Oracle und Sybase als Datenquellen, ein Repository mit einer bestimmten Anzahl an CPUs und ein unternehmensweites Data Warehouse als Zielsystem. Wenn ein Unternehmen jetzt Daten aus SAP, Salesforce.com oder Web-Services in dieses Data Warehouse integrieren will, müsste es normalerweise entsprechende Konnektoren für die Applikationen erwerben. Mit Talend lassen sich die Daten unter Umgehung der bestehenden Datenintegrationsplattform direkt in das Data Warehouse laden. Dazu stehen bereits mehr als 400 Konnektoren zu den wichtigsten Systemen zur Verfügung, darunter auch SAP. Rechnet man mit ein, dass mehr Datenvolumen normalerweise auch mehr CPUs bedeutet, spart dieser kleine Umweg schnell eine sechsstellige Summe pro Jahr ein. Vergleicht man die beiden Ansätze – Open Source versus klassische Datenintegration – stellt sich die Frage nach den Piraten ganz anders: Welcher davon erinnert eigentlich stärker an Freibeutertum?

Thomas Schumacher

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Thomas Schumacher ist freier Autor aus Leverkusen

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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