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Business Event Management

Eine Frage der Reaktionsfähigkeit

Event Processing ermöglicht Unternehmen, zeitnah auf Chancen und Risiken im Businessumfeld einzugehen. Energieversorger, Finanzdienstleister, Logistikunternehmen oder TK-Anbieter erhalten damit eine leistungsstarke technologische Basis für eine hohe operative Reaktionsfähigkeit. Wer zehn Grundregeln beachtet, hat gute Aussichten auf Erfolg.

 

Automatisch ablaufende Geschäftsprozesse sind das Ideal. Die Realität sieht anders aus. Ein Beispiel dafür liefert die Auftragsfertigung im Anlagen-, Automobil- oder Maschinenbau. In internen und unternehmensübergreifenden Supply-Chain-Netzwerken treten immer wieder unerwartete Ereignisse und Ausnahmesituationen ein. Bei den Herstellern von Vorprodukten, System- und Technologielieferanten, aber auch bei Logistikdienstleistern kommt es zu Abweichungen in den geplanten Workflows. Erfahrungswerte aus verschiedenen Branchen gehen davon aus, dass in unternehmensübergreifenden Supply-Chain-Netzwerken zwischen 10 und 15 Prozent der Abläufe zu Problemen führen. Das gilt auch für Energieversorger und Telekommunikationsfirmen, die ebenfalls mit einer Vielzahl von Lieferanten und Dienstleistern zusammenarbeiten.

Um Probleme möglichst frühzeitig erkennen und beheben zu können, benötigen Unternehmen in einem ersten Schritt eine vollständige Sicht auf unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse: Das reicht bei der Auftragsfertigung von der Bestellung bis zur Auslieferung des fertigen Produkts. Notwendig dazu ist es, die Details aktuell ablaufender Geschäftsprozesse in Echtzeit zu beobachten und zu überwachen. Hier geht es beispielsweise um Indikatoren wie Durchlaufzeiten, Warenbestände, Lieferzeiten oder Reklamationsquoten. Kommt es zu Fehlern und unerwarteten Ereignissen, werden sofortige Eingriffe in die Geschäftsprozesse notwendig.

Analyse von Business Events: Handelssysteme als Vorbild

Vorbild dafür sind Handelssysteme bei Banken. Der Einsatz von Complex-Event-Processing-Technologien(CEP), wie sie Progress Apama bietet, ermöglicht hier Wertpapierhändlern in Echtzeit sehr große Datenströme zu analysieren, die Wirksamkeit ihrer Handelsstrategien zu beurteilen und bei Bedarf ihre Kauf- und Verkaufsstrategien sofort anzupassen. Dazu müssen zu Beginn bestimmte Ereignismuster definiert werden, nach denen in den Datenströmen gesucht wird.

Bei solchen Mustern handelt es sich um temporäre, logische oder inhaltliche Beziehungen zwischen einzelnen Ereignissen. Ein einfaches Beispiel: Beobachte den Kursverlauf der Aktie XY an der Börse Frankfurt. Wenn der Kurs 50 Euro erreicht und innerhalb von 30 Sekunden um mindestens 3 Prozent steigt, löse eine Verkaufsorder für 1.000 Aktien des Unternehmens aus. Diesem Vorgehen liegt das Modell einer ereignisorientierten Architektur (EDA = Event Driven Architecture) zugrunde. In Echtzeit werden Datenströme erfasst, analysiert, korreliert und bewertet. Die Datenströme setzen sich aus einer Vielzahl von Ereignissen (Events) zusammen, die aus unterschiedlichsten Quellen stammen können.

Die CEP-Technologie lässt sich in einer Vielzahl weiterer Gebiete und Branchen wie Energieversorger, Transportlogistik oder Telekommunikation einsetzen. Hier werden Geschäftsereignisse analysiert und daher ist in dem Zusammenhang der Begriff Business Event Processing (BEP) besser geeignet.

Wenn hier von Ereignissen die Rede ist, geht es immer darum, ob ein erwarteter Event eintritt oder ausbleibt und welche Folgen das hat. Im einfachsten Fall ist ein Business Event eine Statusänderung, bei der die Realität von den Erwartungen abweicht. Wie aber erfährt der für einen Geschäftsprozess Verantwortliche, dass das (unerwartete) Ereignis eintritt? Wie muss er darauf reagieren? Definiert wird die Erwartung in einem Modell, einem Muster oder auch einem Plan. Unterscheiden lassen sich drei Arten von Events: erstens erwartete Ereignisse, zweitens mögliches, abweichendes Verhalten (Lieferung kommt zu spät) und drittens unvorhersehbare Ereignisse.

Das Ziel von BEP: Automatisch und adäquat auf das Eintreten oder Ausbleiben bestimmter Ereigniskombinationen reagieren zu können. Solche ereignisgesteuerte Konstellationen finden sich in immer mehr Geschäftsprozessen. Gefragt sind dabei Lösungen für Business Event Management. Unternehmen, die im Evaluationsprozess und bei der späteren Einführung der neuen Applikation zehn Grundregeln beachten, haben gute Chancen die angestrebten Projektziele zu erreichen.

1. Die am besten geeigneten Einsatzgebiete für Event Processing festlegen. Eines vorweg: Event Processing ist kein Allheilmittel für Anforderungen jeder Art. Einsatzgebiet von Business Event Processing sind Geschäftsabläufe, in denen Daten aus einer Vielzahl von Einzelinformationen entstehen und diese ständigen Änderungen unterworfen sind. Was hier zählt, ist eine Reaktion auf unerwartete Ereignisse innerhalb kurzer Zeit – oft in Echtzeit. Ein typisches Beispiel sind auch SCADA)-Systeme (SCADA = Supervisory Control and Data Acquisition, mit denen in der Industrie Produktionsanlagen oder bei Energieversorgern Strom-, Gas- und Wasserleitungen überwacht und gesteuert werden. Dazu werden zeitpunktbezogen Daten von mehreren Sensoren miteinander kombiniert. Häufig muss dabei aus einer Menge von gleichzeitig zu erfassenden Messwerten auf ein zuvor definiertes Ereignismuster geschlossen werden.

2. Mit einem klar umgrenzten Projekt beginnen. Wichtig ist, mit einem überschaubaren Szenario zu starten. Hier lassen sich am schnellsten die Vorteile des Business Event Management verdeutlichen, und es kann der Nachweis geführt werden, dass die zugrunde liegende CEP-Technologie reibungslos in die vorhandene IT-Infrastruktur integriert werden kann. Ist dieser manchmal auch als Proof-of-Concept bezeichnete Meilenstein im Projekt erfolgreich bewältigt, sind auch weitere Abteilungen für Business Event Management aufgeschlossen.

3. Die Datenquellen für das Event-Management festlegen. Die Business-Event-Informationen müssen aus anderen Applikationen abgefragt werden. Dazu genügen oft bereits zwei oder drei Anwendungen, deren Daten zuvor nicht miteinander in Verbindung gebracht wurden. Ein Mobilfunkanbieter könnte in einer konvergenten Lösung alle Business Events in seinen Billing- und Network-Systemen überwachen. Durch diese ganzheitliche Sicht auf alle kundenzentrierten Prozesse lassen sich mögliche Probleme frühzeitig erkennen, bevor Kunden beispielsweise bei Vertragsänderungen oder einem Neuabschluss zu lange warten müssen, bis die Dienste genutzt werden können.

4. So viel Automatisierung wie möglich. Business Event Processing veranschaulicht Zusammenhänge und schafft Transparenz, die es zuvor nicht gab. Allein dies ist bereits ein gewichtiges Argument zur Einführung einer neuen Lösung. Als willkommener Nebeneffekt eröffnen sich Optionen, automatische Reaktionen auf bestimmte Business Events zu etablieren. Ein Logistikunternehmen etwa, das proaktiv das Verkehrsgeschehen verfolgt, kann die Fahrer bei Staus oder Unfällen auf der üblichen Strecke automatisch anweisen, auf alternative Routen auszuweichen.

5. Anforderungen der Fachanwender ermitteln. Die Akzeptanz der Anwender entscheidet über den Erfolg eines Projekts. Einer der zentralen Punkte beim Business Event Processing: Es müssen genau die Informationen bereitstehen, die zur Lösung eines spezifischen Problems benötigt werden. Dafür eignen sich Dashboards, die Diagramme, Grafiken und Texte nutzen, um für die notwendige Transparenz zu sorgen. Fachanwender haben dann die Möglichkeit, über das Business Event Processing steuernd in die Prozesse einzugreifen.

6. Event-Szenarien und die Ereignismuster definieren. Das wirklich relevante in den Ereignisströmen sind Muster, nach denen gesucht wird. Ein Kreditkartenunternehmen etwa könnte nach Abrechnungen Ausschau halten, die mit der gleichen Karte zum gleichen Zeitpunkt an zwei völlig unterschiedlichen Orten erfolgen. Dann kann nur Betrug im Spiel sein. Solche »Muster abweichenden Verhaltens« beziehungsweise unerwarteter Ereignisse lassen sich natürlich auch für eine Vielzahl andere Einsatzgebiete finden.

7. Die richtigen Tools für Datenanalysten und Entwickler anschaffen. Für den Aufbau und den Betrieb einer Business-Event-Processing-Plattform, wie sie etwa Progress Apama bereitstellt, ist die IT-Abteilung verantwortlich. Während Softwarentwickler spezielle Tools für die Erstellung und Anpassung von Event-Processing-Applikationen benötigen, genügen den Anwendern in den Fachabteilungen Werkzeuge, mit denen sie vorhandene Lösungen modifizieren oder beispielsweise neue Szenarien testen können.

8. Entscheidung für eine Individuallösung oder eine anpassungsfähige Standardsoftware treffen. Einige Unternehmen, besonders solche mit einer großen IT-Abteilung und einer umfangreichen, komplexen IT-Landschaft, neigen dazu, den meisten Anforderungen aus den Fachabteilungen mit individuellen Applikationen zu begegnen. Wer alles von Grund auf neu machen will, braucht viel Zeit und Geld. Bei vielen Algorithmen und Funktionen muss das Rad neu erfunden werden, und es ist fraglich, wie anpassungsfähig solche Lösungen im Alltag sind. Eine offene, flexible Business-Event-Processing-Plattform mit vorkonfigurierten Templates für Ereignismuster und dem zugehörigen Source-Code eröffnet weit mehr Handlungsspielräume.

9. Die passende Softwarelösung auswählen. Bei der Produktauswahl schließlich kommt es auf Kriterien wie Präsenz des Anbieters im Markt, Referenzinstallationen, Lizenzoptionen, anpassungsfähige Architektur, Administration, Anzahl der Produktgenerationen etc. an. Dazu zählt auch die Eignung einer Lösung für verschiedene Branchen und eine überzeugende Roadmap für die Weiterentwicklung der Business-Event-Processing-Plattform sowie der zugehörigen Werkzeuge für Entwickler und Anwender in den Fachabteilungen.

10. Eine langfristige Strategie festlegen. Wer mit Business Event Processing anfangen will, braucht einen langfristigen Plan. Bei Business Event Processing geht es nicht darum, ein einmaliges Problem zu lösen. Notwendig ist vielmehr eine Vision, wie ein Unternehmen die Ausnahmesituationen, unerwarteten Ereignisse und Probleme in den Mission-Critical Geschäftsprozessen besser in den Griff bekommt.

Zusammenfassend sorgt Business Event Processing zunächst einmal für Transparenz in den Geschäftsprozessen. Es ermöglicht Unternehmen, das aktuelle Geschehen direkt und ohne Zeitverzögerung zu überwachen und zu steuern. Das Ziel ist einen reibungslosen Ablauf der Geschäftsprozesse sicherzustellen und zu verhindern, dass Situationen eintreten, die sich nachteilig auf die Geschäftsabläufe – und damit letztlich auf Umsätze – auswirken. Business Event Processing als Anwendungsgebiet der CEP-Technologie liefert die Basis, aus der großen Menge täglich anfallender Daten und Ereignissen, zeitnah handlungsrelevantes Wissen zu generieren.

Gary Calcott

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Gary Calcott ist Manager Technical Alliances, EMEA, bei Progress Software.

 


 

Die Geschwindigkeit in den Geschäftsprozessen trägt entscheidend zu einer höheren Effizienz bei.

(Quelle Progress)

 


 

Mit einer CEP-Applikation können Logistikunternehmen das aktuelle Geschehen direkt und ohne Verzögerung überwachen und steuern. Sie haben damit alle Möglichkeiten, um einen reibungslosen Ablauf ihrer Geschäftsprozesse sicherzustellen.

(Quelle Progress)

 

 


 

Auf einen Blick: Die wichtigsten Bausteine für den Aufbau und Betrieb einer CEP-Applikation im Logistikumfeld.

(Quelle Progress)

 


 

Auf einen Blick: Die wichtigsten Funktionen einer Lösung für Complex Event Processing.

(Quelle Progress)

 

 


Ausgehend vom algorithmischen Handel auf Kapitalmärkten hat sich Complex Event Processing heute vielfältige weitere Einsatzgebiete erschlossen.

(Quelle Progress)

 

 

 

 
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