Investieren in den Aufschwung

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Investieren in den Aufschwung

Schwaches Marktwachstum voraus

Das Investitionsverhalten in die IT hat sich im Angesicht der Krise verändert: Investiert wird nur, wenn erhebliche Einsparungen winken. Welche Bereiche lohnen sich unter diesem Aspekt besonders?

 

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rste marginale Signale in der Wirtschaft könnten ein Ende der Talfahrt signalisieren. Die meisten Unternehmen trauen diesen Signalen aber nicht. Mit Recht. So sind die bescheidenen Marktaufhellungen im Vergleich zum Einbruch der Wirtschaft im letzten Quartal 2008 und ersten Quartal 2009 lediglich Marginalien. So konnte in Deutschland der Zuwachs beim Export und Import im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal nicht einmal ein Sechstel dieses Einbruchs wettmachen. Die Marktweisen sehen angesichts solcher Entwicklungen voraus, dass es viele Jahre dauern wird, bis in Deutschland wieder das Niveau von vor der Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht werden wird. Ihre Prognose kommt nicht von ungefähr: Das dicke Ende aus den Rettungsfonds für Banken und Konsumenten, die Staatsschulden von morgen, kommen erst noch. Die dafür verwendeten Gelder, deutlich über 600 Milliarden Euro, die Bürgschaften des Staates für toxische Wertpapiere nicht eingerechnet, sind noch in Neben- oder Schattenhaushalten verbucht. Treten diese gigantischen Schulden im regulären Staatshaushalt zu Tage, werden sie das von der Bundesregierung angesagte Wirtschaftswachstum mit hoher Wahrscheinlichkeit dämpfen, sofern es überhaupt zum Tragen kommen wird. So steht bis auf weiteres in Frage, inwieweit und bis wann die Banken die in Anspruch genommenen Milliarden werden zurückzahlen können.

Zwei Szenarien

Damit ist ein Seiltanz zwischen versuchtem Marktwachstum und Steuererhöhungen/Abbau von sozialen Leistungen, um zumindest die Zinsen für die sich auftürmenden Staatsschulden zahlen zu können, abzusehen. Zwei Szenarien sind möglich: Der Markt ist durch geringes Wachstum gekennzeichnet, das unternehmerische Investitionen und Aktivitäten auf ein Mindestmaß begrenzt. Fehlen die Anreize, wird auch das finanzielle Engagement gering ausfallen. Das Szenario 2, das wahrscheinlichere: Ein Auf und Ab im Markt mit starken Ausschlägen nach unten und oben, mit, wie im Szenario 1, im Schnitt einem geringen Wachstum. Diese Marktentwicklung würde für die Unternehmen aller Branchen die zusätzliche Gefahr in sich bergen, dass zwischenzeitlich zu hohe Investitionen und zu viel finanzielles Engagement zu kaum kalkulierbaren Risiken führen. Egal, welches Szenario eintreten wird: Gute, das heißt wirtschaftlich stabile Zeiten für absehbare lukrative Geschäfte wie vor der Krise werden den Unternehmen, unabhängig von ihrer Branche, in den nächsten Jahren keinesfalls ins Haus stehen.

Fokussierte Investitionen

So als würden die Unternehmer genau dies erwarten, halten sie sich weiterhin, trotz vereinzelter wirtschaftlicher Lichtblicke, mit Investitionen und Ausgaben zurück. Nicht nur das: Sie fokussieren IT-Investitionen und -Ausgaben, die für sie unter dem Strich und so schnell wie möglich zu nachweislichen Einsparungen führen, um ihre Liquidität und ihr Eigenkapital nicht noch mehr zu belasten. »Die Virtualisierung der IT ist eine solche Investition«, sagt Michael Ziegler, Teamleiter Virtualisierung und Sicherheit bei Materna. »Insbesondere die Virtualisierung von Serverkapazitäten und Desktops eröffnet den Unternehmen aller Branchen erhebliche Kosteneinsparungen.« Die maßgeblichen Gründe dafür: »Serverkapazitäten werden über eine starre Zuordnung von dedizierter Hardware zu einzelnen Diensten im großen Maßstab vergeudet.« Diese Vergeudung, so Ziegler, falle besonders groß aus, weil die Kapazitäten aller Server ohne Virtualisierung an den Lastspitzen-Zeiten der jeweiligen Applikation ausgerichtet werden müssen. Die Folgen eines drastisch überdimensionierten Server-Parks: »Der Einsatz zu vieler Server einschließlich ihrer Peripherie für Power & Cooling führen zu zu hohen Betriebs-, Energie-, Wartungs- und Weiterentwicklungskosten»«, so der Teamleiter.

Als ähnlich kostensparend für die Unternehmen qualifiziert er die Virtualisierung der Desktops. »Der Schachzug, die Software der PCs zentral auf den Servern in virtuellen Räumen ablaufen zu lassen, löst eine Kette an geldwerten Vorteilen aus: weniger Betriebs-, Änderungs- und Wartungsaufwand, mehr Lizenztransparenz, weniger Softwarewildwuchs, höhere Ablaufstabilität und ein Zugewinn an IT-Sicherheit.« Nach Ziegler kommt es nicht von ungefähr, dass der IT-Teilmarkt »Virtualisierung« trotz Wirtschaftskrise weiterhin floriert. »Die Tatsache, dass die Virtualisierung der IT in den meisten Unternehmen noch am Anfang steht, wird hier die Entscheider zusätzlich motivieren, den Schatz, enorme Einsparungen gegenüber dem Status quo, zu heben«, sieht Ziegler voraus. Einmal virtualisiert, passe sich die IT besser dem von heftigen Schwankungen gekennzeichneten Geschäftsverlauf an und verschließe sich nicht neuen Entwicklungen wie Cloud Computing.

Die Krise bringt es mit sich, dass sich die Anwender auf die Basics zurückbesinnen werden. Umfängliche, architektonische IT-Maßnahmen mit dem Ziel »Geschäftsprozessoptimierung«, hingegen, werden in den Unternehmen weiterhin auf die lange Bank geschoben werden. Zumal die Entscheider für die nähere Zukunft weder das Geschäft noch die dazu passende organisatorische Aufstellung abschätzen können. Doch beides wird als Soll für die Herausbildung optimierter Geschäftsprozesse und daran ausgerichteter, optimierter IT-Betriebsprozesse gebraucht.

Optimierungsobjekt Rechenzentrum

»Bis wirtschaftlich stabilere Zeiten absehbar sind, werden Unternehmen ihre bestehenden IT-Infrastrukturen, wenn überhaupt, optimieren«, untermauert Peter Knapp, Geschäftsführer von Interxion Deutschland. »Das gilt auch für die unternehmensinternen Rechenzentren.« Renovierungsdruck sieht er von vielen Seiten auf die Unternehmen zukommen: »»ie zunehmende Digitalisierung steigert den Bedarf an Rechenzentrumsfläche und Internetbandbreite. Bestehende Flächen sind oftmals nicht auf die Anforderungen aktueller Hardwaregenerationen ausgelegt. In den meisten Fällen kann die Internetanbindung nicht einfach erweitert werden.« Denn einige Netzbetreiber nutzten immer noch ihre Monopolstellung aus. Mehr Compliance- und EU-Richtlinien werden nach Knapp ihr Übriges dazu tun, den Daten und der Verarbeitung ein sicheres und stabiles Zuhause geben zu müssen. Notwendige physische Veränderungen, die innerhalb des internen Unternehmens-RZ getroffen werden, schlagen aber voll auf der Kostenseite durch. »Auf einen Schlag sind die Entscheider mit allen Facetten des physischen RZ-Gebildes – Gebäudesicherheit, Zutrittskontrolle, Stromversorgung, Klimatisierung, Netzanbindung, Störungsmanagement bis hin zum Brandschutz – konfrontiert«, beschreibt er. Schon die bisherigen laufenden Kosten für das eigene RZ seien in den meisten Fällen viel zu hoch.

»Deshalb stellen gerade in der Wirtschaftskrise die Entscheider die mit ihrem Rechenzentrum verbundenen Investitions- und Betriebskosten auf den Prüfstand.« Für Knapp steht außer Frage: »Colocation gehört die Zukunft. Das Unternehmen mietet bei einem RZ-Dienstleister die erforderliche Stellfläche an. Der sorgt für eine ausfallsichere Stromversorgung und Klimatisierung, eine hinreichende physische Absicherung sämtlicher Geräte und Systeme und eröffnet den Kunden einen Marktzugang zu vielen Connectivity-Anbietern.« Das Unternehmen betreiben weiterhin mit eigenem Personal die eigene IT. Nach einer gemeinsamen Studie von IDC und Interxion planen die Hälfte der befragten deutschen Unternehmen den Weg einzuschlagen, ihre IT in der einen oder anderen Form außer Haus zu geben. »Das ist mehr als im europäischen Durchschnitt«, rekapituliert Knapp. Er führt für Colocation als Vorteile hohe Kosteneinsparungen, mehr Ausfallsicherheit und bessere Erweiterungsmöglichkeiten ins Feld. So stünden viele Unternehmen mit ihrem Rechenzentrum schon heute am Ende ihrer technischen Möglichkeiten.

Das Risiko überwachen, bewerten und minimieren

Kosteneinsparungen, eine kaum absehbare Geschäftsentwicklung sowie immer mehr Compliance- und EU-Richtlinien, die befolgt werden müssen: Dies könnte auch den Einsatz von Business Intelligence (BI) beflügeln. »Geschäftliche Risiken, die voll aufs Business durchschlagen, können sich die Unternehmen gerade in der Wirtschaftskrise nicht leisten«, unterstreicht Michael Dusch, Practice Director Business Intelligence & Performance Management bei Logica in Deutschland. »Demzufolge werden sie mit BI-Werkzeugen auf Risikoüberwachung, -bewertung und -minimierung setzen müssen.« Das wiederum setze in den Unternehmen die Entwicklung interner Risikomodelle sowie eines adäquaten Risikomanagements voraus. Dusch sieht für beides über alle Branchen hinweg einen erheblichen Nachholbedarf. »Noch zögern viele Entscheider, weil sie auf bessere geschäftliche Zeiten hoffen. Weiterhin widrige Marktrahmenbedingungen werden sie aber bald davon überzeugen, dass sie aus existenziellen Gründen ihre Risiken unbedingt in den Griff bekommen müssen«, sieht Dusch voraus.

Ohne detaillierte Vorarbeiten geht allerdings nichts. »Sämtliche Risiken, deren Folgen für das Geschäft zu einer Gefahr werden können, müssen präzisiert werden. Erst dann können dazu passend die Risikomodelle und das BI-gestützte Risikomanagement entwickelt werden«, konstatiert Dusch. Der Spezialist rät den Unternehmen aufgrund der vielfältigen Vorarbeiten, den BI-Einsatz keinesfalls zulange hinauszuschieben. Zumal das umfassende Risikomanagement nicht nur organisationsweit greifen, sondern auch die Geschäftspartner bis hin zu den IT-Outsourcern einbeziehen müsse. »Das heißt auch, für solche Konstellationen durchgängige Prozesse einzurichten, über die nachhaltig und nachweislich geschäftsgefährdende Risiken minimiert werden können«, gibt Dusch den Entscheidern zu bedenken. Er nennt als Beispiele für solche Prozesse eine regelmäßige Analyse des Risikoprofils, die Durchführung von Stresstests, eine permanente Aktualisierung des verfügbaren Risikodeckungspotenzials, eine laufende Kapitalplanung, ein internes Limitsystem, die Aufstellung und Verfolgung eingeschlagener Strategien bis hin zu einem internen, transparenten Berichtswesen. Mit dem Berichtswesen schließt sich der Kreis zu Compliance zur Minimierung rechtlicher Risiken und deren Folgen. »Und alle diese Prozesse«, so Dusch, »müssen so herausgeprägt und später gelebt werden, dass sie mit den künftigen geschäftlichen Ups and Downs Schritt halten können.«

Hadi Stiel

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Hadi Stiel ist freier Journalist in Bad Camberg.

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