20100304i Marktanalyse und die Auswirkungen für die IT

 Home | News | Hefte | Mediadaten | Online-Artikel | Kommentare | Trends | Wir-ueber-uns | Tipps | Impressum | CeBIT 2012

 

Home
News
Trends
Hefte
Online-Artikel
Kommentare
Service-Angebote
Feedback
Abonnement
Wir-ueber-uns
Tipps
Impressum
Veranstaltungen


»manage it« als

E-Paper  11-12 2011
E-Paper  9-10 2011
E-Paper  5-6 2011
E-Paper  3-4 2011
E-Paper  1-2 2011
E-Paper  11-12 2010
E-Paper  9-10 2010

E-Paper  7-8 2010
E-Paper  5-6 2010
 



 




 

 


 




 


 


 

 

Licht am Ende des Tunnels?

Die Marktkrise wird uns noch lange begleiten

Die nach wie vor angespannte wirtschaftliche Lage hat auch auf die Informationstechnologie Einfluss genommen. Welche Lösungen und Ansätze haben die Hard- und Softwareanbieter und IT-Dienstleister im Angebot um den Unternehmen einen leichteren Weg aus der Krise zu weisen.

 

Die USA steckt weiterhin in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Kurzfristige leichte Aufhellungen beispielsweise im Immobilienmarkt werden durch eine steigende Arbeitslosenquote konterkariert. Andere wirtschaftliche Kenndaten bewegen sich auf und ab wie auf einer Achterbahn. Erdrückende Staatsdefizite nicht nur in den USA, sondern auch in allen südeuropäischen Ländern, schicken ihre Vorboten voraus: Wertverluste des Euro und an den Börsen. Japan muss eine exportgefährdende Wertsteigerung des Yen hinnehmen. China stemmt sich gegen eine Aufwertung des Yuan. Die Volksrepublik will mit steigenden Einfuhren ihr eigenes Handelsdefizit reduzieren. Diese Währungspolitik der Volksrepublik hat globale Folgen: Handelsungleichgewichte in der Weltwirtschaft bleiben. Die Finanzmärkte rund um den Globus werden bis auf Weiteres instabil sein.

Die meisten Großbanken machen wieder satte Gewinne, allerdings mit massenweise billigem Geld und weiterhin ungeregelten Investmentgeschäften. Die haben zuvor schnurstracks in die Finanzmarkt-, kurz danach in die Wirtschaftskrise geführt. Auch hierzulande macht sich wieder Unsicherheit breit. Defizitäre Haushalte über Jahre und wirtschaftliche Indikatoren, die plötzlich wieder nach unten zeigen, tragen zu dieser Verunsicherung bei. So waren die Analysten für den Dezember im produzierenden Gewerbe von einem marginalen Plus von 0,5 % ausgegangen. Tatsächlich wurde in diesem Monat die ohnehin niedrige Produktion um 2,6 % gedrosselt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte im vierten Quartal 2009, nachdem es in den drei Quartalen zuvor jeweils gestiegen war.

Demzufolge schwächer werden voraussichtlich in den nächsten Monaten die Impulse für die Gesamtwirtschaft ausfallen. Außerdem lassen die gigantischen Staatsdefizite, die sich nicht nur in Deutschland Jahr für Jahr auftürmen werden, nichts Gutes erwarten. Die Folge wird ein instabiler Markt sein. Er wird in den nächsten Jahren die Weltwirtschaft und Volkswirtschaften prägen. Auf diese Rahmenbedingungen werden sich auch die IT-Anbieter – Hersteller wie Dienstleister – nachhaltig einstellen müssen. IDC (International Data Corporation) fasst die Marktperspektiven für die ITler in Zahlen. Nur um 3 % sollen die IT-Ausgaben in Deutschland bis einschließlich 2012 über diesen Gesamtzeitraum wachsen. Im IT-Weltmarkt sehen die IDC-Experten in den nächsten Jahren jährliche Umsatzpotenziale von 35 Milliarden US-Dollar verloren gehen.

Angesichts solcher Perspektiven wird für IT-Anbieter jeglicher Couleur nur wenig Spielraum für prosperierende Geschäfte bleiben. Und: Wenn potenzielle Absatzmärkte schwächeln, halten sich auch die Unternehmen aller Branchen mit IT-Ausgaben zurück. Die Investitionen und Aufwendungen, die hier getroffen werden, müssen sich schnell amortisieren, danach deutliche Einsparungen einbringen. IDC empfiehlt den IT-Anbietern angesichts dieser Ausgangslage, auf die Schwellenländer und das Segment kleiner und mittlerer Unternehmen auszuweichen. Doch auch hier, so die IDC-Analysten, werde sich das Wachstum deutlich verlangsamen.

 

Was also tun, wenn potenzielle Absatzmärkte weiterhin schwächeln und veränderte Marktansprachen den IT-Anbietern bestenfalls kurzzeitig Luft verschaffen? »Dann hilft eines: die Erwartungshaltung der Unternehmen, IT Kosten einzusparen, aufzunehmen und ihr nachweislich gerecht zu werden«, sagt Torsten Straß, CEO von Logica in Deutschland. Er sieht für einige Technologien und Dienstleistungen nach wie vor Marktspielraum. Er nennt als branchenunabhängige Beispiele Application Management, Business Intelligence (BI) und IT-Outsourcing. Zu Letzterem zählt er auch Managed Test Services, das Outsourcen von Software Testing und Qualitätssicherung. Bei den branchenspezifischen Offerten hebt der CEO Beratungsleistungen und Software-Tools für die Energieversorger sowie für die Optimierung von Transport- und Logistikabläufen heraus.

Für IT-Outsourcing führt er die gemeinsame Studienreihe mit London School of Economics (LSE) an. »Gerade in schwierigen Zeiten fallen substanzielle Änderungen mit Blick auf die IT, das Geschäftsmodell und das Service-Portfolio an, um so den Geschäftserfolg langfristig zu sichern«, erklärt Straß. Die Outsourcing-Studienreihe, mittlerweile in der fünften Auflage, macht die wichtigsten Kriterien für ein erfolgreiches Outsourcing dingfest:

-                      enge und stabile Beziehungen für eine optimale Zusammenarbeit,

-                      Vertragsgestaltung, Management, Organisation und Unterstützungsprozesse ausgerichtet auf gemeinsamen Ziele,

-                      die partnerschaftliche Aufteilung von Risiken und Gewinnen,

-                      hinreichende Unterstützung durch das Unternehmensmanagement,

-                      Zusammenarbeit der Manager über verbindliche Richtlinien,

-                      beiderseitiges Vertrauen für stabile Bindungen und hochwertige Leistungen.

Speziell über Managed Test Services (MTS) könnten, so Straß, die Unternehmen nicht nur von einer Kostenreduzierung, sondern auch von einem Zugang zu externem Know-how ausgehen. Vorreiter bei MTS seien die großen Unternehmen. Aber auch für andere Größenklassen seien MTS von Bedeutung. PAC und Logica veranschlagen über eine gemeinsame Studie für MTS bis 2012 nahezu eine Verdoppelung des Vertragsvolumens.

 

Bei Red Hat erachtet man aufgrund der Anwenderanforderung, hohe IT-Qualität zu niedrigen IT-Kosten, die Zeit für Open Source Software (OSS) gekommen. »Zumal sich das Unternehmen mit OSS nicht nur die hohen Lizenzkosten spart, sondern auch aufgrund der Interoperabilität der Programme hohen Integrationskosten und unnötigen Integrationsrisiken im Projektverlauf aus dem Weg geht«, unterstreicht Jan Wildeboer, EMEA Evangelist bei Red Hat in Deutschland. Auch der anschließende IT-Betrieb, allen voran der Red Hat Enterprise Linux Server mit sämtlich darauf installierten Programmen, gehe aufgrund kosteninteressanter Support-Programme für die Anwender wirtschaftlicher als über proprietäre Software-Lösungszuschnitte über die Bühne. Wildeboer verweist auf eine ganze Reihe an Anwendern, die mit OSS des Anbieters die Kosten- und Qualitätsprobe aufs Exempel gemacht hätten. »Die Kliniken des Landkreises Lörrach haben darüber ihre Patientenversorgung verbessert, parallel ihre damit verbundenen Kosten reduziert. Der Werkzeughersteller Hilti hat mit der Kombination aus Red Hat Premier Partner ATIX und SAP die Performance verdoppelt und die Rechnerkosten auf die Hälfte reduziert.« Bei Immo Scout 24 baut man bei der Server-Virtualisierung auf OSS von Red Hat, mit einer deutlichen Reduzierung der Betriebs- und Energiekosten. Swisscom IT Services hat seine IT-Kosten über virtualisierte Red Hat-Server und Jboss-Lösungen nach unten gedrückt. Vereinsbank Victoria Bauspar AG sichert das Back-up seiner Red Hat Enterprise Linux-Server mit allem, was darauf an Software und Daten installiert ist, im Zusammenspiel und nahezu vollautomatisch mit SEP Sesam ab. »Und das«, so Wildeboer, »ist nur ein kleiner Ausschnitt an deutschen Anwendern, die den widrigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit OSS die Stirn bieten.« Nach seiner Einschätzung wird die Marktkrise, mit jedem Jahr, die sie länger dauert, der Open Source Software in die Hände spielen.

 

Stefan Wahle, Deutschland-Chef für das Geschäft mit Banken bei Wincor Nixdorf, sieht besonders im Finanzbereich großes Einsparpotenzial im Bereich Bargeld-Handling. »Das setzt allerdings voraus, dass der gesamte Bargeldkreislauf überdacht und integriert wird, um ihn durchgängig End-to-End gestalten zu können«, sagt er. »Und je stringenter dieser Bargeldkreislauf gestaltet und je mehr Teilprozesse darin automatisiert werden, um so höher werden für die Geldinstitute unter dem Strich die Kosteneinsparungen ausfallen«, sagt Wahle. Er spricht von Kostenreduzierungen durch ein professionelles Cash Cycle Management gegenüber dem Status quo von 20 % und mehr. Innerhalb von Organisationen mit tausend und mehr Cash Points wie Kassen, Geldautomaten etc. kämen so enorme Einsparungen zusammen.

Die aktuellen Kosten weltweit für das Bargeld-Handling werden auf etwa 300 Milliarden Euro, in Europa auf 50 Milliarden Euro, in Deutschland auf mehr als 11 Milliarden Euro beziffert. End-to-End-Bargeldkreisläufe übergreifend zu managen habe nach Wahle, neben den hohen Kosteneinsparungen, für die Banken und Sparkassen weitere Vorteile: »Die Bargeld-Supply-Chain wird effizienter, an vielen Stellen verkürzt, für die Verantwortlichen und Zuständigen transparenter, weniger bearbeitungsfehleranfällig und hinsichtlich der Geldflüsse revisionssicherer«, hebt er heraus.

Mittlerweile reichen durchgängige Bargeldprozesse bis in erste Handelsunternehmen mit ihren weit verteilten Filialstrukturen hinein. Die Zielsetzung auch hier: die Bargeld-Supply-Chain kostensparend zu optimieren. Demzufolge setzen Retailer zwischen ihren Kassenzonen und dem zentralen Cash Office auf einen geschlossenen Bargeldkreislauf. »Banken wie Handel haben zwei grundsätzliche Alternativen«, so Wahle: »Sie können mit entsprechenden Softwarelösungen die Überwachung, Steuerung und Optimierung der Bargeldflüsse selbst in die Hand nehmen. Oder sie können dies in Form einer kompletten IT-Betriebsführung an einen kompetenten Hersteller und Dienstleister wie Wincor Nixdorf übertragen.«

 

Es gibt dennoch ein Marktsegment, dass für die IT-Anbieter genügend Umsatzpotenziale in sich birgt: der öffentliche Sektor. Nach IDC haben staatliche Initiativen zur Ankurbelung der Wirtschaft und für den Einsatz neuer Technologien den Public Sector nach vielen Jahren wieder zu einem verheißungsvollen Absatzgebiet für IT-Anbieter gemacht. »Doch auch hier muss die IT bei auf Jahre knappen Haushaltsmitteln vor allem eines beweisen: dass sie zu deutlichen Einsparungen beitragen kann«, konstatiert Swantje Schmidt, Senior Business Consultant bei Siemens IT Solutions and Services. »Eine integrierte BI-Lösung wie das City Cockpit von Siemens IT Solutions and Services brauchen die Städte angesichts ihrer Haushaltslage immer dringender, um anstehende Projekte ganzheitlich planen und steuern zu können.« So müssten innovative Leitbilder und die Zielsetzungen, die sich daraus ergeben, ohne einen zu hohen Mitteleinsatz in Form konkreter Maßnahmen geplant und umgesetzt werden. Schmidt nennt als ein Beispiel Projekte im Verkehrs- und Bauwesen. »Hier sind die städtischen Entscheider und Entwickler gefordert, sämtliche zu treffende Maßnahmen in Einklang mit Aspekten wie Ökonomie, Ökologie sowie Lebensqualität für die Bürger zu bringen«, unterstreicht sie. Das könne nur gelingen, wenn städtische Entwicklungsprojekte fachübergreifend und vorausschauend in Angriff genommen werden würden, um sie im Verlauf des Vorhabens ebenso fachübergreifend und vorausschauend zu steuern.

So führe das integrierte BI-System Informationen aus den Datenbeständen einzelner Fach- und Managementanwendungen zusammen, um sie für verlässliche Entscheidungen gezielt zu analysieren, zu bewerten und die Ergebnisse grafisch, tabellarisch oder in Form von Berichten auszugeben. »Durch den zusätzlichen Einbezug von strategischen und operativen Informationen kann die City Cockpit-Lösung von Anfang an eingesetzt werden: von der grundlegenden Planung von Maßnahmen, der Steuerung ihrer Umsetzung bis hin zu einer nachträglichen Erfolgsbetrachtung dieser Maßnahmen«, skizziert die Senior-Beraterin. Komplettiert werde der Funktionsumfang der Lösung durch leistungsfähige Werkzeuge für themenorientierte Simulationen und aussagekräftige Prognosen für die künftige städtische Entwicklung. Sie qualifiziert das City Cockpit außerdem »als intelligente Lösung, um für eine optimierte, ganzheitliche und themenübergreifende Stadtentwicklung Wissensbestände, Fachapplikationen, Prozesse und Abstimmungen übergreifend besser zu koordinieren und zu verzahnen.«

 

Mehr Nachhaltigkeit hat auch Rudolf X. Ruter, Partner bei Ernst & Young und hier zuständig für den Geschäftsbereich Nachhaltigkeit in Deutschland, im Visier. Er meint damit allerdings mehr als nur eine nachhaltige Planung und Umsetzung von IT-Projekten. »Der Fokus ausschließlich auf schnelle Geschäfte und hohen Profit haben in die Finanz- und Wirtschaftskrise geführt. Aus ihr heraus werden nur Unternehmenslenker führen, die über ihre betriebswirtschaftliche Verantwortung hinaus bereit sind, mehr ökonomische, ökologische und Sozialverantwortung zu übernehmen«, ist er überzeugt. Die Unternehmen müssten den aktuellen Wertewandel erkennen und ihre Geschäfts- und Personalpolitik daran ausrichten. Ruter: »Genau an dieser Bereitschaft und Neuausrichtung fehlt es heute noch bei den meisten Unternehmern.« Noch schlimmer: »Sie sehen sich durch die Wirtschaftskrise und dem damit einhergehenden Budget- und Marktdruck darin bestärkt, ihre kurzfristigen Geschäftsinteressen noch stärker herauszustellen.«

Er warnt davor, dass diese egoistische Haltung schnurstracks in die nächste Wirtschaftskrise führen könnte, bevor die jetzige überwunden worden sei. »Sie geht zu Lasten einer stabilen, nachhaltigen Entwicklung in der Wirtschaft, für Umwelt und Klima sowie in der Gesellschaft«, fordert er einen Wertewandel auf den Chefetagen der Unternehmen. Immerhin gibt es mittlerweile zahlreiche Unternehmen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. Ruter verweist auf den Arbeitskreis Nachhaltige Unternehmensführung (AKNU) der Schmalenbach-Gesellschaft (www.aknu.org), dem Ernst & Young angehört. »Hier haben sich bereits mehr als 150 Unternehmen, Organisationen und Interessensgruppen zusammengefunden. Sie alle reden nicht nur von einem nachhaltigen unternehmerischen Handeln, das sich an ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielen orientiert. Sie leben es nach konkreten, verbindlichen Regeln, die sie sich selbst und ihren Mitarbeitern auferlegt haben«, berichtet er. Ruter fordert alle Unternehmen, insbesondere die IT-Anbieter auf, unter www.aknu.org Klartext zu sprechen und intern danach zu handeln. So seien bis heute IT-Unternehmen innerhalb der AKNU deutlich unterrepräsentiert.

Hadi Stiel

____________________________________

Hadi Stiel ist freier Journalist in Bad Camberg.

 


Folgen Sie »manage it« auf Google+




 


 


 

 

 
Copyright © 2003-2012  ap Verlag GmbH