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Mobile Banking 2010

Die Bank, die überall zugänglich ist und immer geöffnet hat

Möchten Sie Ihre Kontoauszüge sehen? Oder Ihre Stromrechnung bezahlen? Dafür gibt es sicherlich Applikationen. Aber eigentlich sind die gar nicht nötig. Es reicht eine kurze Textnachricht. Weil in unserem modernen Leben das Mobiltelefon zum Sammelpunkt für alle digitalen Informationen geworden ist, wird auch das mobile Banking immer mehr zum Normalfall.

 

D

ie Entwicklung geht schon seit einigen Jahren in diese Richtung, und die großen Marktforschungsinstitute sowie Trend-Beobachter sind einhellig der Meinung, dass wir uns auf das Zeitalter des mobilen Computings hin bewegen. In ihrem häufig diskutierten und oft zitierten Bericht sagt die renommierte Stanley-Morgan-Analystin Mary Meeker voraus, dass in nur fünf Jahren mehr Menschen mit Mobilgeräten im Internet aktiv sind als mit stationären Personal Computern.

Mobil in die Bank

Eine Bankfiliale in einem Gebäude aus Stein und Beton hat festgelegte Öffnungszeiten. Doch Kunden haben eindeutig gezeigt, dass sie ihre Bankgeschäfte dann machen wollen, wann es ihnen passt, und nicht, wann es den Bankmitarbeitern recht ist. Nach einer Marktuntersuchung von Forrester im Jahr 2008 nutzen mehr als 75 % der befragten Kunden Online-Banking, mehr als ein Viertel davon werden dies auch noch intensivieren. Die Kunden nehmen elektronisches Banking gerne wahr und nutzen es zunehmend auch unterwegs.

Bis jetzt macht mobiles Banking nur einen relativ kleinen, aber stark wachsenden Anteil an den gesamten Bankaktivitäten aus. Für das nächste Jahr prognostiziert Juniper Research weltweit 150 Millionen Benutzer von mobilem Banking. Japan und Südkorea liegen hierbei ganz vorne, China holt auf, so dass Fernost 2011 mit 41 % an erster Stelle liegt, gefolgt von Westeuropa mit 22 % und Nordamerika mit 12 %. Im Jahr 2009 haben 11 % der deutschen Kunden mobiles Banking benutzt, und 30 % gaben an, dass sie es benutzen werden, sobald ihr Bankinstitut es anbieten wird.

Drei Arten der »Elektronischen Brieftasche«

Der derzeitige Stand der Technik ermöglicht drei Methoden, mit denen man per Mobiltelefon auf Bankdaten zugreifen und Transaktionen ausführen kann: SMS beziehungsweise Textnachricht, mobiler Internetzugriff oder über eine Applikation zum Herunterladen. Jedes Verfahren hat seine Vorteile, verursacht aber gleichzeitig gewisse Herausforderungen sowohl für Kunden als auch für Banken.

SMS ist ein universelles Kommunikationsmittel – ein Benutzer kann mit Hilfe einfacher Befehle den Kontostand abfragen, Rechnungen begleichen und eine Liste aller verfügbaren Befehle abrufen. Nachteilig ist, dass sich dem Benutzer eine primitive Bedieneroberfläche präsentiert, der Funktionsumfang beschränkt und der Sicherheitsstandard der niedrigste der drei Verfahren ist. Sicherheitsrelevante Daten werden nämlich lokal im Mobiltelefon gespeichert und könnten missbraucht werden, wenn das Gerät verloren geht oder gestohlen wird. Es gibt allerdings auch sichere SMS-Verfahren, bei denen die Nachrichten mit Hilfe einer Mobil-Client-Applikation verschlüsselt und die gespeicherten Informationen im Telefon geschützt werden. Weil hierbei eine Anwendung auf der Client-Seite benutzt wird, ist es aber nicht einfach, Support für die unterschiedlichsten Gerätetypen und Betriebssysteme bereitzustellen.

Mobiler Internetzugriff bietet größeren Funktionsumfang und mehr Sicherheit sowie eine bessere Bedienoberfläche, allerdings nur dann, wenn die jeweilige Seite für mobile Geräte optimiert ist. Das bedeutet, dass hierfür eine separate WAP-Seite aufgebaut werden muss, die die Interaktion optimiert und nur die nötigsten Transaktionen bieten kann. Mobil nutzbare Seiten stellen eine echte Herausforderung dar, denn sie müssen sich für unendlich viele Geräte mit unterschiedlichsten Formfaktoren und kleinen Bildschirmen eignen. Die Übertragungsleistung ist auch ein kritischer Faktor, denn die Ladezeiten sind deutlich langsamer als bei leitungsgebundenen Internetanschlüssen.

»Die Übertragungsleistung bei Mobilgeräten ist längst nicht so hoch wie sie vom Internet erwartet wird«, erklärt Tim Murphy, Mobile Marketing Manager bei Keynote. »Trotzdem werden für die meisten Kunden die Maßstäbe vom Internet definiert. 30 Sekunden für das Herunterladen einer Seite werden da nicht akzeptiert. Der Kunde wird keinesfalls den nächsten Schritt machen, um beispielsweise seinen Kontostand abzufragen, denn das dauert weitere 30 Sekunden. Deshalb ist hier eine optimierte Version erforderlich, die möglichst nahe an das herankommt, was man vom stationären Internetzugriff gewöhnt ist.«

Die dritte und gerätefreundlichste Zugriffsmethode basiert auf spezialisierten mobilen Anwendungen. Viele Finanzinstitute und Drittanbieter nutzen diesen Weg, um die schnell wachsende Zahl der Smartphone-Besitzer zu erreichen. Weil Mobilanwendungen geräte- oder betriebssystemabhängig sind, hat ein Entwickler größeren Einfluss darauf, was der Benutzer schließlich auf seinem Gerät sieht – was dargestellt wird, wie es dargestellt wird, also praktisch die gesamte Benutzeroberfläche.

Sicherheit und weitere Herausforderungen

Im Vergleich zu anderen Branchen spielt für Finanzinstitute der Faktor Sicherheit eine wesentlich wichtigere Rolle, denn es geht hier schließlich um das Vertrauen der Kunden. Tatsächlich sehen Sicherheitsexperten Mobiltelefone als eines der vornehmlichsten Zielobjekte für Phisher, Hacker und Vorschussbetrüger (Scrammer). Erstes Angriffsziel sind die herunterzuladenden Applikationen, die deshalb mit dem theoretisch höchsten Sicherheitsgrad geschützt werden müssen. Betrüger versuchen, über App-Stores Zugang zu Mobiltelefonen zu erlangen, indem sie fiktive Anwendungen anbieten, die vorgeben Banking-Applikationen zu sein, oder die sich Daten auf dem Mobiltelefon aneignen, mit denen dann Hacker unbefugt auf ein Bankkonto zugreifen können. So hat Google Ende 2009 eine Menge Applikationen für Android vom Markt nehmen müssen, weil sie im Verdacht standen, schädlichen Code zu enthalten. Das hat den Eindruck erweckt, dass Android-Applikationen verwundbarer sind, weil sie weniger kontrolliert werden als diejenigen, die im Apple App-Store angeboten werden. Für einen Endkunden ist es auf jeden Fall am sichersten, wenn er die Anwendungen direkt von der Internet-Seite seines Finanzinstitutes herunterlädt.

Neben dem Schutz vor Bedrohungen auf Grund krimineller Aktivitäten müssen Banken sichergehen, dass ihre Kunden darauf vertrauen können, dass das mobile Banking wirklich funktioniert, das heißt, dass die Transaktionen tatsächlich ausgeführt werden.

»Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Benutzer zum Telefonhörer greifen werden, um nachzufragen, was mit ihrer Transaktion ist, wenn sie nach einer überschaubaren Zeitspanne keinen Bestätigungscode dafür erhalten, entweder weil die Überweisung vielleicht nicht ausgeführt wurde oder lediglich die Textnachricht missglückt ist«, sagt Murphy. »Es reicht nicht aus, dass der Antworttext nach 20 Minuten kommt. Wenn es um Geld geht, ist die Toleranz der Kunden wesentlich geringer als bei anderen Dienstleistungen. Und Banken dürfen hiermit keinesfalls die wenigen Chancen vergeben, die sie haben, ihre Kunden an die Möglichkeiten des mobilen Bankings heranzuführen.«

Leistung, auf die man bauen kann

Es ist eine wirklich große Herausforderung, die mobile Übertragungsleistung zu messen. Es ist nicht leicht und dazu auch noch zweigeteilt: »Ich bin ein MAC- /Ich bin ein PC-Problem.« Bei den vielen Providern, der Unzahl unterschiedlicher Gerätetypen mit individuellen Formfaktoren, konkurrierenden Betriebssystemen sowie Techniken der digitalen Netze kann das Überwachen und Messen zu einer monumentalen Aufgabe werden. Denn trotz aller dieser Unsicherheiten muss es eine kostengünstige Lösung sein.

Es beginnt damit, zu verstehen, was die Benutzer tun. »Es ist wichtig herauszufinden, welche Aufgaben die Benutzer mit ihrem Mobiltelefon am häufigsten ausführen«, erläutert Murphy. »Erfassen Sie das, was Benutzer im echten Leben tun und beginnen Sie dann damit, diese Transaktionen zu beobachten, um herauszufinden, wie der Benutzer damit zurecht kommt.«

Oft handelt es sich um Transaktionen, die über verschiedene Kanäle oder mit unterschiedlichen Techniken abgewickelt werden. »Wir haben die Möglichkeiten, etwa eine Transaktion zu überwachen, die auf einer Seite im Internet initialisiert wurde und eine SMS auslöst, oder eine SMS, die eine automatische Antwort als Sprachausgabe auslöst. Wenn also nach der Transaktion ein Bestätigungs-Rückruf erwartet wird, können wir sicherstellen, dass dies auch perfekt funktioniert.«

Wie bei jeder anderen Art von Leistungsmessung ist die beste und genaueste Methode diejenige, die möglichst nahe an das herankommt, was der Kunde sieht, und zwar in seiner eigenen Umgebung einschließlich der gleichen Netze, des gleichen Gerätes und des gleichen Anwendungsfalls. Für Messungen an SMS und Seiten im Internet ist Mobile Application Perspective von Keynote eine Lösung, die eine große Zahl von Geräten bei verschiedenen Netzwerk-Providern emulieren kann. Bei Messungen an einem bestimmten, echten Gerät gibt Mobile Device Perspective von Keynote einen genauen Einblick in das, was der Benutzer auf seinem Mobiltelefon sieht.

Demnächst: Mehr als nur die Bank in der mobilen Brieftasche

Mobiles Abwickeln von Geschäftsvorgängen oder Bezahlen von Rechnungen bei der Bank nur der Anfang eines ganzen Spektrums komfortabler Finanzfunktionen, die man demnächst mit seinem Mobiltelefon in der Hand halten wird. VISA und MasterCard testen bereits verschiedene Transaktions-Services, etwa Geldüberweisungen von Person zu Person oder direktes Bezahlen im Geschäft. Die Technik der Nahbereichskommunikation (NFC – Near Field Communication) gewinnt immer mehr an Bedeutung und wird bald das sogenannte »Wave and Pay« ermöglichen. Dabei handelt es sich um ein kontaktloses Verfahren, bei dem die Kredit- oder Bankkarte lediglich kurz vor das Lesegerät gehalten werden muss, um die Bankdaten auszutauschen und die Transaktion vorzunehmen. In nicht allzu ferner Zukunft werden wohl so gut wie alle finanziellen Angelegenheiten des Verbrauchers mit einem kleinen Gerät in seiner Hand erledigt werden können, von der Geldanlage über Bezahlen von Rechnungen bis zum Einkaufen, und zwar überall und jederzeit. Umso wichtiger ist es allerdings auch, sorgfältig auf sein Mobiltelefon aufzupassen und es nicht im Restaurant auf dem Tisch liegen zu lassen – zumindest nicht, nachdem man seine Rechnung bezahlt hat...

Kai Ahrendt


 

 

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