20100506r Wirecard Fraud Prevention im E-Commerce

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Bekämpfung von Betrug im internationalen E-Commerce

Betrug in Echtzeit erkennen

International agierende Händler sind nicht nur häufiger Betrugsversuchen, sondern auch vielfältigeren Betrugsmustern ausgesetzt als Händler in einem nationalen Umfeld. Insbesondere bei der Kreditkartenabwicklung auf globaler Ebene gilt es, Betrug besser und schneller zu erkennen und präventiv gegenzusteuern.

 

 

Interview mit Heiner Kallweit, Head of Product Line Risk & Fraud-Prevention bei der Wirecard AG.

 

Die Wirecard AG bietet ihren Kunden ja bereits umfangreiche Services im Bereich »Risikomanagement«. Was ist neu an der Fraud Prevention Suite? Wie ist die Idee zur Entwicklung entstanden?

Wir haben die Fraud Prevention Suite entwickelt, um unseren Kunden vor allem im internationalen Handel noch mehr Schutz zu bieten. Die Lösung erkennt Betrugsmuster noch schneller und zuverlässiger – damit können Händler ihren Zahlungsausfall durch Betrug deutlich reduzieren.

Mit der neuen Lösung haben wir unsere bereits bestehenden Risikomanagement-Tools konsequent weiterentwickelt: Herzstück der neuen Fraud Prevention Suite ist eine hocheffiziente Analytik. Dadurch lassen sich Betrugsmuster in der elektronischen Zahlungsabwicklung noch schneller erkennen. Diese Betrugsmuster fließen direkt in branchenspezifische Regelwerke ein. Integrierte Simulationsfunktionen, die auf der Basis von Bestandsdaten durchgeführt werden, sorgen dafür, dass die Regelsets kontinuierlich optimiert werden: Konkret geht es darum, das Verhältnis zwischen erkanntem Betrug und abgelehnten regulären Transaktionen zu verbessern. Der Händler profitiert von einem optimalen Risikoschutz und reduziert gleichzeitig die Anzahl der fälschlicherweise als Betrug gekennzeichneten Transaktionen.

Wie hebt sich die Fraud Prevention Suite von vergleichbaren Angeboten des Mitbewerbs ab?

Die Fraud Prevention Suite ist passgenau auf die Bedürfnisse der drei Kernbranchen des E-Commerce, Konsumgüter, Fluggesellschaften / Touristik und Digitale Güter, abgestimmt. Das System entscheidet in Echtzeit, ob Betrugsverdacht vorliegt oder nicht. Die Gefahr, dass eine reguläre Transaktion fälschlicherweise als verdächtig eingestuft wird, ist nicht unwesentlich. Um die Entscheidungsfindung zu optimieren, berücksichtigt die Fraud Prevention Suite branchenspezifische Faktoren. Parallel kann jeder Händler individuelle Key Performance Indikatoren bestimmen, die ebenfalls in das Regelwerk einfließen. Diese Kombination ist bislang einzigartig. In der Praxis bedeutet das konkret, dass ein Händler das Regelwerk – je nach unternehmerischer Zielsetzung – anpassen kann. Wird beispielsweise eine maximale Betrugsrate definiert, ist das Raster engmaschiger, das heißt eventuell werden Transaktionen abgelehnt, bei denen kein Betrug vorliegt. Der Shopanbieter nimmt also einen Umsatzverlust in Kauf. Steht umgekehrt ein Maximum an Umsatz im Vordergrund, werden die Maschen im Raster grober eingestellt. Dann wiederum muss der Händler mit mehr Zahlungsausfällen rechnen.

Die Fraud Prevention Suite wurde passgenau auf die jeweiligen Anforderungen der drei Kernbranchen des E-Commerce (Konsumgüter, Fluggesellschaften / Touristik, Digitale Güter) zugeschnitten. Ganz konkret geht es dabei um branchenspezifische Betrugsparameter. Wie unterscheiden sich diese denn genau? Können Sie jeweils ein Beispiel nennen?

Je nach Branche kennzeichnen unterschiedliche Parameter eine verdächtige Transaktion. Um ein Beispiel in der Touristik zu bilden: Ein Flug wird aus Deutschland gebucht, der Abflughafen ist ein als »high risk« eingestufter Airport in Afrika. Liegt der Zeitpunkt der Buchung dann auch noch eng am Abflugtermin ist dies ein deutliches Warnsignal.

Bei Konsumgütern spielt die Produktkategorie eine wichtige Rolle, um möglichen Betrug zu identifizieren. So ist Unterhaltungselektronik risikobehafteter als beispielsweise ein Haushaltsgerät. Und im Bereich »Digitale Güter« kommt es erfahrungsgemäß bei Musikdownloads seltener zu Betrugsfällen, als bei kostenpflichtigen Zusatzleistungen von Online-Games.

Die neue Lösung richtet sich vor allem an Händler, die ihre Waren und Dienstleistungen über Grenzen hinweg anbieten. Ist der internationale Online-Handel riskanter?

In der Tat sind Händler, die ihre Waren über Grenzen hinweg anbieten, einem größeren Betrugsrisiko ausgesetzt, als Kollegen, die nur in Deutschland verkaufen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. So ist bei einer Lieferung ins Ausland eine fundierte Überprüfung des Adressaten kaum möglich. Dazu kommt, dass das Risiko für Betrüger geringer ist. Die internationale Strafverfolgung ist deutlich schwieriger als in Deutschland.

Aus branchenspezifischen Betrugsmustern werden Regelwerke abgeleitet, die Händler bestmöglich vor Zahlungsausfällen schützen und gleichzeitig die Anzahl der fälschlicherweise als betrugsverdächtig gekennzeichneten Transaktionen minimieren. Wie sieht das in der Praxis aus?

Einen bislang einzigartigen Schutz vor Zahlungsausfällen bietet die Fraud Prevention Suite international tätigen Händlern. Sichergestellt wird dies durch die Kombination branchenspezifischer Daten, wie die Flugstrecke bei einer Flugbuchung, mit Bestandsdaten des Händlers.

In der Praxis werden diese Transaktionsdaten in einer Simulation automatisiert ausgewertet. Im Ergebnis entsteht ein Regelset, das die Fraud-Experten der Wirecard AG manuell optimieren.

Individuelle Key Performance Indikatoren – wie die Rate der Betrugserkennung oder die Anzahl der fälschlicherweise als Betrug gekennzeichneten Transaktionen – bewerten das Regelset zusätzlich. Deutlich wird dies am Beispiel einer Fluggesellschaft: Alle Transaktionsdaten eines Monats werden in die Simulationsumgebung geladen. Damit erhält das System die Information, welche Muster hinter einzelnen Betrugsfällen stehen – auf dieser Basis generiert die Lösung automatisch ein Regelset. Bei jeder Flugbuchung werden die vom Kunden eingegeben Daten anhand dieses Regelwerks überprüft.

Um sicherzustellen, dass das Regelset stets aktuelle Betrugsmuster erkennt, wird dieses gegen einen Vergleichszeitraum geprüft. Muster, die offensichtlich nur Einzelfälle waren und somit nicht dauerhaft signifikant sind, werden entfernt. Gleichzeitig werden Regeln hinzugefügt, die neue Betrugsmodelle abbilden.

Dieser Vorgang wiederholt sich regelmäßig, so dass stets ein optimales Regelwerk zur Verfügung steht.

Welche Voraussetzungen muss ein Händler erfüllen, damit die neue Lösung eingesetzt werden kann? Wie hoch ist der Integrations- und Schulungsaufwand?

Unser Angebot richtet sich an alle Händler, die ihren Umsatz schützen wollen. Händler, die ihre Zahlungen bereits über Wirecard abwickeln, können die Fraud Prevention Suite ohne zusätzlichen Integrationsaufwand einsetzen.

Um Shopbetreiber vom Start weg zu schützen, haben wir branchenspezifische Regelsets in einem Standardpaket zusammengefasst. Eigenes, detailliertes Know-how oder aufwendige Schulungen sind nicht erforderlich. Je mehr Informationen der Händler zu jeder Zahlung übergibt, desto zielgerichteter kann Betrug erkannt und bekämpft werden.

Ist die Fraud Prevention Suite skalierbar?

Ja, die Fraud Prevention Suite richtet sich an kleine Onlinehändler ebenso wie an große Unternehmen mit einem sehr hohen Transaktionsvolumen. Ganz egal, ob zehn oder tausend Kaufvorgänge in der Stunde eingehen – das System entscheidet in Sekundenbruchteilen über die Ablehnung oder Akzeptanz einer Zahlung.

Welche Weiterentwicklungen sind geplant?

Aktuell decken wir mit der Fraud Prevention Suite einen Großteil aller Transaktionen ab, zunächst bei Kreditkartenzahlungen. Künftig wird es möglich sein, auch das Zahlungsausfallrisiko bei Lastschriftzahlungen signifikant zu senken.

 

 


 

Heiner Kallweit, Head of Product Line Risk & Fraud-Prevention bei der Wirecard AG.


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