20100708a IDS Scheer Software AG BPM Excellence und Aris

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Business Process Management und Excellence

»ARIS steht weiterhin für Unabhängigkeit!«

Wie unabhängig ist BPM von der IT, wie unabhängig kann BPM von der IT sein? Wir sprachen mit Dr. Wolfram Jost über die Aufgaben von ARIS mit Blick auf die Einbindung in das Produktportfolio der Software AG.

 

 

 

»manage it«: Die Software AG wird mit IDS Scheer fusionieren. Welche Auswirkungen hat die Übernahme für ARIS Platform?

Dr. Wolfram Jost: ARIS steht weiterhin für die Unabhängigkeit des fachlichen Prozessmanagements von der technischen Ausführungsebene. Im Allgemeinen ändert sich also nichts für die ARIS-Anwender. Im Gegenteil: Mit webMethods der Software AG können wir nun optional eine technische Ausführungsplattform für ARIS anbieten.

 

Das Thema BPM hatte die Software AG mit der Business Process Management Suite (BPMS) von webMethods selbst besetzt. Herrscht nun Konkurrenz im eigenen Haus?

Nein. Wir haben es lediglich mit zwei unterschiedlichen Ausprägungen von BPM zu tun. WebMethods BPMS legt den Schwerpunkt auf Automatisierung und Integration. Es folgt einem eher technisch geprägten Prozessverständnis. In ARIS wird BPM dagegen als betriebswirtschaftlich orientierte Managementdisziplin behandelt, das Unternehmen bei der kontinuierlichen Verbesserung ihrer Geschäftsprozesse unterstützt. Damit wird BPM selbst zu einem Prozess, der im Unternehmen implementiert und ausgeführt werden muss. aus fachlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht werden dabei alle Lebensphasen eines Prozesses abgebildet – von der Strategiedefinition über das Prozessdesign und die Implementierung der Modelle bis zum Controlling.

 

Ohne IT läuft doch auch bei den fachlichen Prozessmodellen im wahrsten Sinne des Wortes nichts.

Selbstverständlich müssen die fachlichen Prozesse in ausführbare IT überführt werden, um nicht ausschließlich als theoretische Fingerübungen zu verkümmern. Die ausführbaren Prozesse auf der technischen Ebene durchlaufen dabei selbst die Phasen eines eigenen Lifecycles: Zur Implementierung der fachlich beschriebenen Prozessmodelle müssen die passenden IT-Anwendungen und Services aufgespürt, kombiniert und konfiguriert, ausgeführt und in ihrer Leistung überwacht werden.

 

…und beide Lifecycle ergänzen sich?

Ja, beide Lifecycle ergänzen sich. Die enge Verzahnung der fachlichen und technischen Ebene schafft die Voraussetzung, die Prozessanforderungen der Fachbereiche optimal mit der IT im Unternehmen abzustimmen. Software AG und IDS Scheer AG eröffnet sich nun die einzigartige Gelegenheit, das Konzept des BPM-Lifecycles mit den Lifecycle-Phasen auf der technischen Implementierungsebene zu erweitern. Die Kombination von ARIS für die fachlichen Prozesse und webMethods für die Implementierung eröffnet eine neue Dimension des Enterprise BPM. Ein prozessbezogenes Round-Trip-Engineering, bei dem Änderungen in der Modellierung automatisch auf der Implementierungsseite angepasst werden und vice versa, wird Realität und ist nicht mehr nur Vision. Die Verzahnung beider Lifecycle ändert jedoch nichts an der grundlegenden Philosophie, die fachliche Prozesssicht von der ausführenden Ebene unabhängig zu halten. Die Vorteile von ARIS als eine von der Implementierungstechnik unabhängige BPM-Plattform zählen also weiterhin.

 

Auf welche Weise wachsen die Produktportfolios der IDS Scheer AG und der Software AG konkret zusammen?

IDS Scheer und die Software AG haben gemeinsam vier Integrationsszenarien identifiziert, um die Produktlinien aufeinander abzustimmen. Im Einzelnen sind das:

-                      Model to Execute – also die Transformation der fachlichen Prozessmodelle in die Ausführungsebene,

-                      Process Intelligence, um die Analyse und Messung der fachlichen Prozesse enger mit den Echtzeit-Daten der operativen IT-Services zu verzahnen,

-                      die Integration der Process-Intelligence-Lösungen mit den ETS-/ Datenmanagement-Produkten der Software AG, um die Prozessunterstützung durch Adabas-/Natural-Anwendungen zu analysieren und

-                      der Ausbau des Enterprise Architecture Managements, um bei der Erstellung des Bebauungsplans mit ARIS IT Architect auf Metadaten zu Services aus CentraSite von der Software AG zurückgreifen zu können.

 

Wann erwarten Sie Ergebnisse aus der gemeinsamen Arbeit?

Für alle Integrationsszenarien werden wir in diesem Jahr erste Lösungen vorstellen. Diese Arbeiten werden in diesem Jahr sicherlich einen Schwerpunkt in der Entwicklung bilden. Parallel wird selbstverständlich auch der Leistungsumfang beider Produktlinien weiter ausgebaut.

 

Sie hatten bei der Beschreibung des gemeinsamen Lifecycles das Round-Trip-Thema kurz erwähnt. Warum ist der geschlossene Kreislauf so wichtig?

Ich bin überzeugt, dass Prozesskennzahlen für die Bewertung und Steuerung der Unternehmensleistung immer wichtiger werden. Sie sind einfach ehrlicher als betriebswirtschaftliche Größen. Diese Prozesskennzahlen werden aus den operativen Systemen abgeleitet und herangezogen, um Geschäftsprozesse aus fachlicher Sicht zu optimieren. Wenn aber Modellbeschreibungen auf der fachlichen und technischen Ebene nicht miteinander übereinstimmen, haben Sie ein Problem. Zur Unterstützung eines kontinuierlichen BPM als Führungs- und Steuerungssystem des Managements wird sich der Round-Trip-Ansatz deshalb zwangsläufig durchsetzen.

 

Die fachlichen Geschäftsprozessbeschreibungen und die technischen Modellbeschreibungen sind jedoch semantisch nicht gleich mächtig. Was muss denn eine Lösung können, um diese Lücke zu überbrücken?

Fraglos ist das Schließen der semantischen Lücke eine der spannendsten Herausforderungen in der Entwicklung, denen wir uns stellen müssen. Auf der technischen Ausführungsebene spricht vieles für BPMN – Business Process Modeling Notation – als Standard für Notation und Syntax. Das Kernproblem ist, dass sich nicht alle fachlichen Prozessinformationen in die technische Ebene überführen lassen – zumal sie zur Ausführung auch nicht benötigt werden. Was bei der Transformation an Information beispielsweise zu organisatorischen Sachverhalten verloren geht, ist weg und lässt sich für eine Rückführung der technischen Modelle nicht wieder generieren. Ein möglicher Lösungsansatz kann hier heißen, der technischen Ebene mehr Semantik zu spendieren als die eigentliche Ausführung benötigt. Vor der Rückführung auf die fachliche Ebene können die technischen Modellbeschreibungen dann um diese Semantik angereichert werden.

 

Gefährdet die enge Abstimmung beider Produktlinien nicht die erfolgreichen Partnerschaften, die IDS Scheer beispielsweise mit SAP und Oracle unterhält?

Die Grundlage der Partnerschaften ist, dass ARIS unabhängig von der Implementierungstechnik für ein fachliches BPM steht. Daran wird sich auch künftig nichts ändern. Die Technologiepartner von IDS Scheer können weiterhin ARIS mit den eigenen IT-Lösungen kombinieren, um ebenfalls ein Enterprise BPM zu implementieren und zu vermarkten.

SAP und Oracle sind doch der beste Beweis, dass im IT-Markt selbst die größten Konkurrenten Partnerschaften pflegen. Ebenso wie Oracle ein Marktstandard für Datenbankmanagement-Systeme ist, hat sich ARIS als Standard zur Modellierung fachlicher Prozesse etabliert. Und ebenso wenig wie die Datenbank die Güte einer Anwendung allein definiert, stellt ARIS zwar eine wichtige, aber nicht die einzige Einflussgröße für die Qualität der Prozess-Ausführung dar.

 

Und die Integration von webMethods und ARIS ist nicht automatisch enger und leistungsstärker als die der Partner?

Gegenfrage: Interessieren Sie sich für die Formel 1?

 

Ein wenig …

Dann erinnern sich Sie sicherlich, dass in der vergangenen Saison Red Bull in der Konstrukteurswertung besser abschloss als Renault. Obwohl die Motoren für beide Rennställe vom französischen Herstellern geliefert wurden, führte das nicht automatisch zu einem Vorsprung seines Wagens. Ähnlich verhält es sich mit ARIS als fachlicher BPM-Plattform und den technischen Ausführungssystemen. Selbstverständlich treibt uns der Ehrgeiz, eine Best-in-class-Integration von ARIS und webMethods bereitzustellen. Das gelingt uns aber nur, wenn wir einen herausragenden Job machen. Denn ebenso wenig wie in der Formel 1 gibt es eine Garantie oder einen Automatismus, dass unser Gesamtpaket tatsächlich besser ist als das unserer Partner.

 

Von der Formel 1 zu ARIS Express. Wie wurde die kostenfreie BPM-Software bisher angenommen?

ARIS Express hat sich weitaus besser entwickelt, als ursprünglich gedacht. Bis heute haben sich zirka 38.000 User das System installiert. Und täglich kommen neue hinzu. Ein großartiger Erfolg.

 

Was geschieht mit den Innovationen der Jahre 2009 und 2010, wie MashZone, Community, Rocket Search, PPM 5 und Process Governance?

All diese Innovationen sind mittlerweile im Markt und bei den Kunden. Es war eine Energieleistung, diese Innovationen parallel auf den Markt zu bringen. Durch sie hat sich die ARIS Platform hinsichtlich Einfachheit, Performance, Collaboration und Dashboarding enorm weiterentwickelt.

 

Wie wird sich IDS Scheer in die Business-Process-Excellence-Lösungen der Software AG einbringen?

Kern von Business Process Excellence ist der Lifecycle. Dieser Lifecycle wird zu einem Teil von ARIS und zum anderen Teil von webMethods unterstützt. Durch die Integration beider Technologien sind wir in der Lage, den kompletten Lifecycle zu unterstützen. Damit verbinden wir Business mit IT in einer Form, wie es sie bisher noch nicht gibt.

 

Welche Trends und Entwicklungen sehen Sie in den nächsten Jahren im Bereich BPM?

BPM wird sich weiter in Richtung Business entwickeln. Zu Beginn war BPM ein rein technologischer Ansatz zur Automatisierung von Geschäftsabläufen. In den letzten Jahren hat es sich immer stärker zu einer Managementdisziplin entwickelt. Diese Entwicklung wird sich fortsetzten. Wir haben für diese Entwicklung den Begriff Business Process Excellence gewählt. Weil der Begriff sagt, worum es bei all dem Ganzen geht: Excellence in Geschäftsprozessen.

 

Welchen Einfluss werden diese Entwicklungen auf die Arbeit der Information Worker in der Zukunft haben?

Die Information Worker müssen sich der Tatsache stellen, dass jeglicher Aufwand und alle Investitionen sich nur dann wirklich lohnen, wenn sie zu einer messbaren Verbesserung der Geschäftsprozesse dienen. Was nicht in den Prozessen ankommt, hat sich nicht wirklich gelohnt. Der Geschäftsprozess ist das Bindeglied zwischen Business und IT. Insofern müssen die Information Worker eine stärkere Hinwendung zu den Geschäftsprozessen erfahren.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

» Wir verbinden Business mit IT in einer Form, wie es sie bisher noch nicht gibt. «

 

 

 

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