20100708h Ganzheitliche IT-Lösungen sind gefragt

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IT-Nutzen fürs Geschäft im Visier

Ganzheitliche IT-Lösungen gefragt

Die Logik ist einleuchtend: Nur wenn die IT-Konzepte und -Lösungen ganzheitlich entworfen und realisiert werden, tragen sie mehr zum geschäftlichen Erfolg des Unternehmens bei. Technologisches Klein-Klein verliert sich hingegen innerhalb der IT und der geschäftliche Nutzen verpufft. »manage it« hat IT-Anbieter befragt, welchen Stellenwert sie ganzheitlichen IT-Konzepten und -Lösungen einräumen und wieso.

 

 

 

Karl Jochen Heinz, Geschäftsführer von Heinz-Consult: Einerseits ist die IT geschäftsentscheidend für den Unternehmenserfolg. Andererseits wird dieser Erfolg selten quantifiziert. Die Folge: Die Entscheider in den Unternehmen nehmen die IT vor allem als Kostenblock wahr, den sie zu reduzieren versuchen. Dabei geht es nicht nur um die IT-Investitionskosten. Die Geschäftsführungen der meisten Unternehmen tendieren dazu, besonders die IT-Betriebskosten als über die Zeit Hauptkostenblock zu minimieren.

Doch wie die IT-Investitions- und -Betriebskosten von Grund auf reduzieren? Hier hilft nur eine gründliche, ganzheitliche Analyse der gesamten IT-Infrastruktur weiter. Denn nur im Kontext der IT-Infrastruktur mit all ihren Wechselwirkungen können Einsparungspotenziale ausgemacht und beziffert werden. Die installierten Server, die Verarbeitungslasten, die darüber bewegt werden, und die angeschlossenen Geräte für Power & Cooling müssen genauer in Augenschein genommen werden. Bestehende Wartungsverträge für die Hardware und die damit verbundenen Kosten gilt es zu durchleuchten. Nicht fehlen darf eine eingehende Analyse und Bewertung der Lizenzsituation für die eingesetzte Software. Soweit zum Ist. Dem sollte das Soll für die nächsten drei bis vier Jahre gegenübergestellt werden, auch um bewerten zu können, wo Neuinvestitionen in die IT einschließlich der damit einhergehenden Betriebskosten lohnen und wo nicht.

Tatsächlich lohnen, auch mit Blick auf den Geschäftserfolg, wird sich der IT-Gesamtaufbau für das Unternehmen allerdings nur dann, wenn bei der Konzeption und Umsetzung im Gesamtkontext gedacht und gehandelt wird. Denn nur Hard- und Software, die in sich stimmig und wirtschaftlich zusammenspielen, wirken sich positiv auf den Erfolg des Unternehmens aus. Dazu gehört auch, dass im laufenden Betrieb alle wichtigen IT-Systeme und -Komponenten per Managementsystem kontrolliert und gesteuert werden, um beides, die IT-Infrastruktur und den Geschäftsverlauf, immer wieder effizient und effektiv aufeinander abzustimmen.

 

Bernd Hanstein, Hauptabteilungsleiter Produktmanagement System Solutions bei Rittal in Herborn: IT-Lösungen müssen heute ganzheitlich betrachtet, beurteilt und umgesetzt werden. Das wird am Beispiel RZ deutlich. Nur wenn Entscheider die einzusetzenden Lösungen und Komponenten der IT- und Gebäude-Infrastruktur zueinander in Beziehung setzen und ganzheitlich betrachten, erhalten sie am Ende ein leistungsfähiges und vor allem effizientes und hochverfügbares RZ. Neben Servern, Speichersystemen, Klimatisierung, Stromversorgung und -absicherung bedarf es eines lückenlosen und übergreifenden Managementsystems. Es überwacht alle für die Sicherheit und Verfügbarkeit relevanten Komponenten und Parameter und ermöglicht so eine kostensparende Komponenten-Steuerung.

Besonders effektiv und effizient ist diese Überwachung und Steuerung, wenn die Server- und Speichersysteme mit ihren aktuellen Lasten und Wärmeauswirkungen ins Management einbezogen werden. Werden per Management-Software energieverschwendende Hotspots beispielsweise an Servern frühzeitig erkannt und beseitigt, eröffnet das zusätzliche Einsparungen, ohne dafür Leistungseinbußen innerhalb der IT hinnehmen zu müssen. Wird die Leistungsaufnahme aller IT-Komponenten permanent überwacht, sind die Entscheider immer über ihre exakten Energiekosten im Rechenzentrum informiert. Dafür können die IT-Komponenten sowohl einzeln als auch mit ihren Wechselwirkungen mittels Trendanalysen betrachtet und bewertet werden. Neben Komponenten wie Klimatisierung, Stromversorgung und -absicherung werden die Server und Gebäudeleittechnik in die Überwachung eingebunden. Mit Rizone von Rittal, beispielsweise, können die Informationen zu den einzelnen Energieverbrauchern in Kilowatt, in CO2 oder umgerechnet in Kosten dargestellt werden. So kommen die Verantwortlichen sogar teuren, kumulativen Verbrauchseffekten auf die Spur und können sie nachhaltig abstellen.

 

Jochen Werner, Sales Director Germany bei Sterling Commerce: IT-Stückwerk hilft heute keinem Unternehmen mehr weiter. Die Folge sind hohe Projektrisiken, hohe Integrationskosten und eine im Betrieb weder leistungsfähige noch wirtschaftliche IT. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass eine integrative, ganzheitliche IT innerhalb der Grenzen der eigenen Organisation zu kurz greift. In einer Zeit, in der Unternehmen sich in Form eines Business-to-Business-Verbunds im Markt durchzusetzen versuchen, muss auch hinsichtlich der IT in einer größeren Dimension gedacht werden und die Realisierung entsprechend erfolgen. Im B2B-Verbund stellt sich die Frage, wie alle Unternehmen – Hersteller, Zulieferer, Vertriebs- und Vermarktungsfirmen, Logistikunternehmen etc. – am besten (Wettbewerbsvorsprung durch Leistung und Service) und am wirtschaftlichsten (Wertbewerbsvorsprung durch Kosten- und Preisreduzierung) zusammenwirken können. Das ganzheitliche Konzept für den Informations- und Dokumentenaustausch und dessen integrative Umsetzung muss dazu alle beteiligten Firmen mit ihren spezifischen Diensten entlang der Lieferkette einbinden.

Das ist nur über eine umfassende Lösung wie einer Integrations-Suite im federführenden Unternehmen möglich. Sie stellt ein ganzheitliches Konzept für die Integration von Geschäftsprozessen innerhalb und außerhalb des Unternehmens bereit. Ihr kommt die technische Aufgabe zu, alle Unterschiede bei Schnittstellen, Übertragungsverfahren und Formaten zwischen den involvierten Geschäftspartnern zu überbrücken. Nur unter dieser Voraussetzung können Informations- und Dokumentenablaufketten elektronisch zwischen allen Beteiligten in Gang gesetzt und gehalten werden. Diese durchgehenden Ablaufketten wiederum sind der Schlüssel dazu, geschäftliche Aktionen schneller, wirtschaftlicher und unter weniger Bearbeitungsfehlern durchzuführen. Weil leistungsfähige B2B-Integrationslösungen Tools beinhalten, über die maßgeschneiderte Workflows erstellt werden können, sind auch der bedarfs- und marktgerechten Gestaltung von Transaktionsketten zwischen Geschäftspartnern keine Grenzen gesetzt.

 

Andreas Vogt, verantwortlich für den Bereich Managed Services bei Wincor Nixdorf: Die IT muss sich an den Geschäftsprozessen des Unternehmens anpassen. Diese Prozessorientierung ist notwendig, damit die IT-Kosten und -Leistungen in Bezug zu den Geschäftsabläufen gesetzt und bewertet werden können. Was mit der Prozessorientierung der IT einhergeht, ist eine ganzheitliche Sicht aller beteiligten IT-Systeme und -Komponenten, genauer gesagt ihrer Services, entlang der einzelnen Prozesse. Diese generelle Sichtweise gilt für beide Fälle: für den IT-Eigenbetrieb ebenso wie für den Bezug externer IT-Services.

Das Management der rund um die in den Filialen installierten Geldautomaten ist ein gutes und lohnendes Beispiel für prozessorientierte IT-Dienste. Übernimmt ein in diesem Feld versierter externer Dienstleister komplette Bargeldkreisläufe, kommt dies der Bank oder Sparkasse in vielerlei Hinsicht zugute. Eine zeitaufwendige Betriebsführung der SB-Systeme durch eigene Mitarbeiter in den Filialen entfällt – im Schnitt 37 bis 38 Stunden pro Monat und System. Die Mitarbeiter haben so mehr Zeit für die Betreuung und Beratung ihrer Kunden. Keine Überfüllung der Automaten mit Geld, dadurch mehr Kapital, das für die Liquidität zur Verfügung steht. Mehr Transparenz über alle Bargeld-Kreisläufe, dadurch auch eine geringere Betrugsgefahr. Weniger Bearbeitungsfehler und -aufwand durch End-to-End-Bargeldkreisläufe mit kaum manuellen Brüchen. Feinsteuerung und -abstimmung aus dem Hintergrund für die Geldversorgung und -entsorgung der SB-Systeme durch Werttransportunternehmen (WTU). Eine Verschlankung und Beschleunigung sämtlicher Bargeldflüsse rund um die Geldautomaten. Zudem winken den Instituten zusätzliche Einsparungen durch Managed Services. Denn ein externer Dienstleister, der viele Kunden betreut, kann die prozessorientierten IT-Leistungen wirtschaftlicher als das Institut im Eigenbetrieb erbringen. Und, last but not least: Managed-Services-Lösungen unterstützen, indem sie hohen Fixkosten für eigene Hard- und Softwarelösungen in transparente, variable Kosten umzuwandeln. Solche Vorteile bewegen Geldinstitute, vermehrt auf prozessorientierte Managed Services zur Überwachung und Steuerung ihrer SB-Systeme und Bargeldkreisläufe zurückzugreifen.

 

Erwin Schöndlinger, Geschäftsführer von Evidian Deutschland: Wenn die IT dem Geschäft dienen soll, müssen sich ihre Services harmonisch zusammenfügen und den geschäftlichen Applikationen und Abläufe anpassen. Das ist mit der IT-Sicherheit nichts anders. Fragmentarische Sicherheitsansätze haben stattdessen in den Unternehmen zu einem Flickenteppich an Einzelwerkzeugen geführt. Die Folgen: IT-Sicherheit bleibt auf der Strecke, sie ist kaum administrierbar und geht mächtig ins Geld. Von einer strategischen Steuerung der IT-Sicherheit ganz zu schweigen. Und Aufzeichnungen und Auswertungen für interne Revisionen und Compliance? Sie sind im Dickicht zu vieler, fragmentarischer Sicherheitsansätze unmöglich oder mit viel zu hohen manuellen Aufwendungen verbunden.

Anders wenn IT-Sicherheit zentralisiert über Identity- und Access-Management (IAM) geplant und umgesetzt wird. Dann wird die umfassende Zugriffskontrolle zu einem verlässlichen und wirtschaftlichen Schutzschirm, der alle Applikationen und Dienste des Unternehmens umgibt. Interne Zugriffe wie externe Zugriffe von Geschäftspartnern und Kunden werden darüber sicher geregelt. Über das IAM-Modul Single Sign-on (SSO) entfällt für alle berechtigten Zugreifer die Eingabe von Autorisierungsprivilegien – heute noch für jede Applikation ein gesondertes Privileg. Über gezielte Workflows wird die Eintragung/Änderung von Benutzern und ihren Rechten innerhalb der Organisation gesteuert. Über die Vergabe von Gruppenrechten wird die Administration vereinfacht. Über die Vergabe von Rollen können Tätigkeiten, Zeitschienen und Zugriffsrechte genau aufeinander abgestimmt werden. Über integrierte Auditing- und Reporting-Tools können alle Zugriffe und Zugriffsversuche automatisch mitgeschnitten, danach gezielt ausgewertet werden. Das schließt die Zugriffe der Administratoren mit ihren erweiterten Rechten ein. Aufwendungen für Revisionen und Compliance halten sich dadurch in engen Grenzen.

Die Zugriffskontrolle wird so dank IAM zu einem gesamtheitlich und strategisch steuerbaren Schutzschirm, der sich eng und flexibel an die aktuellen Anforderungen und Sensibilitäten einzelner Applikationen und somit der Geschäftsprozesse anschmiegt.

 

Jörg Hoffmann, Geschäftsführer von First Attribute Services: Nur der Blick auf die gesamte IT und ihren Betrieb offenbart, wo Ergänzungen dem Unternehmen einen geschäftlichen Nutzen und Kosteneinsparungen bringen. Der Nutzen, der innerhalb des IT-Betriebs über die Automatisierung von Prozessen erreicht werden kann, ist für das Unternehmen besonders lukrativ. Wird der Hebel beim Identity Management, genauer gesagt bei der Vereinfachung und Automatisierung von IdM, angesetzt, wird dies die Administrationskosten beträchtlich senken und die Effektivität der Administration deutlich steigern. Stimmt die Wahl der Software-Tools, wird sich die höhere Effektivität über eine automatisierte und auf Formularen gestützte Benutzer- und Rechteverwaltung hinaus bis tief in Compliance hinein auswirken. Dann kann auch die verbindliche und nachweisliche Einhaltung von internen und externen Richtlinien und Vorschriften unter erheblich geringerem Administrations- und Rechercheaufwand gemeistert werden.

Diese im doppelten Sinne schlanke und wirtschaftliche Administration wird heute in den meisten Anwendungsfällen auf Microsofts Active Directory aufbauen. Demzufolge sollten auch die Software-Tools, wie innerhalb der First Ware Compliance Suite, optimal auf diesen Verzeichnisdienst als zentrale Administrationsdrehscheibe abgestimmt sein. Basiert die Administration von Benutzern, Rechten und Richtlinien/Vorschriften sowie deren Einhaltung auf Formularen, wird der Nutzen für das Unternehmen besonders groß ausfallen. Formulare geben das Betätigungsfeld jedes einzelnen »Bereichs»-Administrators wider. Sie sind der Schlüssel zu einer durchgehend vereinfachten Verwaltung, ohne dass die »Bereichs«-Administratoren tiefgehendes IT-Know-how mitbringen müssen. Weil parallel alle Aktionen innerhalb des Active Directory protokolliert werden, stehen automatisch alle für Compliance relevanten Informationen parat. Sie können anschließend, ohne manuelle Zwischenschritte und Aufwendungen, direkt über die integrierten Auditing- und Reporting-Tools gezielt ausgewertet und für interne oder externe Revisionen verwendet werden.

Hadi Stiel

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Hadi Stiel ist freier Journalist in Bad Camberg.

 

 

 

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