20100708k Dena Energieeffizienz im Rechenzentrum

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IT spart Energie

Sichtbar effizient

Schon einfache, aber erst recht umfangreichere Maßnahmen können den Energieverbrauch von Servern und IT-Geräten bis zu 75 Prozent reduzieren. Mit 50.000 Rechenzentren in Deutschland eröffnet sich ein enormes Energieeinsparpotenzial. Das Label »Good Practice Energieeffizienz« der Dena macht Energieeffizienz unter anderem im IT-Bereich sichtbar.

 

I

m Jahr 2008 haben die etwa 50.000 Rechenzentren in Deutschland rund 10,1 TWh Strom verbraucht. Dazu kommen noch einmal 6,8 TWh für Computer und Peripheriegeräte in den Unternehmen. Der gesamte Energieverbrauch von Rechenzentren und Bürogeräten (16,9 TWh) entspricht dem Verbrauch von etwa 3,76 Millionen 4-Personen-Haushalten in einem Jahr. Wegen des kontinuierlich ansteigenden Gerätebestands, wachsender Anforderungen an IT-Prozesse sowie den steigende Ansprüchen an die Verfügbarkeit und Sicherheit wird das Thema Energieeffizienz im IT-Bereich in den nächsten Jahren eine noch größere Rolle spielen.

Energieeffizienz in Rechenzentren kann Kosten um 75 Prozent reduzieren.

Die Einsparpotenziale allein in Rechenzentren sind enorm. Schon mit wenig Aufwand lassen sich bis zu 20 Prozent Energie einsparen: Oft hilft es schon, durch die Trennung aktiv verwendeter und »ruhender« Daten Server zu entlasten, den persönlichen Speicherplatz zu begrenzen und die IT-Ausstattung dem konkreten Bedarf anzupassen. Mit der Umsetzung investiver und strategischer Maßnahmen kann der Energieverbrauch sogar um 50 Prozent bis zu 75 Prozent gesenkt werden. Investitionen in energieeffiziente Rechenzentren amortisieren sich bereits nach 2 Jahren.

Beispiel Rechenzentrum.

Ein gutes Beispiel für Energieeffizienz im IT-Bereich ist das »Grüne Rechenzentrum« in Köln. Der Betreiber, die Host Europe GmbH, setzt hier mit einem ganzheitlichen Ansatz konsequent auf Energieeffizienz: Mit besonders effizienten Komponenten konnten der Energieverbrauch und die interne Wärmelast reduziert werden. Durch die komplette Einhausung kalter und warmer Gänge kann eine indirekte, freie Kühlung bis zu Außentemperaturen von 17° C genutzt werden. Dies ermöglicht für zirka 6.000 Stunden im Jahr den Betrieb des Rechenzentrums ohne den Einsatz eines mechanischen Kühlsystems. Zusätzlich wird die Abwärme des Rechenzentrums für die Warmwasserbereitung und zur Beheizung der Büroräume im nun energetisch optimierten Gebäude genutzt. Diese und weitere Maßnahmen führten dazu, dass dieses Rechenzentrum jetzt eine über 30  Prozent höhere Energieeffizienz im Vergleich zu traditionell gebauten Rechenzentren bietet (nach eigenen Angaben).

Rechenzentren weisen weltweit einen durchschnittlichen Energieeffizienzwert (PUE = Power Usage Effectiveness) von 1,6 bis 2,0 auf. Das »Grüne Rechenzentrum« erreicht einen PUE von 1,45 und ist damit energieeffizienter als der weltweite Durchschnitt. (Die Kenngröße PUE gibt das Verhältnis aus der gesamten Energieaufnahme im Rechenzentrum zum Energieverbrauch der IT an.)

Beispiel Serverraum.

Andere Maßnahmen kommen etwa in einem Projekt des Unternehmens Erecon in Bremen zum Einsatz: Hier wurden ein Rechenzentrum und drei Serverräume nach energieeffizienten Standards umgebaut und in ihrem Energieverbrauch optimiert. Verluste durch ineffiziente Server- und Kühlungskonzepte sowie durch räumliche Defizite konnten eingeschränkt werden. Erreicht wurden schließlich Endenergieeinsparungen zwischen 36 Prozent und 65 Prozent. Dazu beigetragen haben unter anderem ein neu eingeführtes Energiecontrolling und die weiter ausgebaute Servervirtualisierung sowie Maßnahmen zur Verringerung beziehungsweise Nutzung der Wärmelast im Gesamtsystem. Insgesamt führten die umgesetzten Maßnahmen zu einer Ersparnis bei den Energie- und Betriebskosten von etwa 60 Prozent.

Diese und weitere Beispiele aus der Praxis machen deutlich, dass im IT-Bereich Energieeffizienzpotenziale sowohl technisch als auch organisatorisch mit Erfolg angegangen werden können. Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) hat beide genannten Beispiele mit ihrem Label »Good Practice Energieeffizienz« ausgezeichnet und empfiehlt sie zur Nachahmung. Detaillierte Informationen zu diesen Projekten finden sich auf der Dena-Internetseite www.good-practice-label.de.

Energieeffizienz fängt bei der Beschaffung an.

Investitionen in die Steigerung der Energieeffizienz von Rechenzentren aber auch von Bürotechnik för dern langfristig die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Unternehmen profitieren einerseits davon, dass eingesparte Mittel für neue Investitionen eingesetzt werden können und sich andererseits Energieeffizienzmaßnahmen positiv auf das Image auswirken. Ein Rechenbeispiel zeigt: Tauscht ein mittelständisches Dienstleistungsunternehmen mit 200 Büroarbeitsplätzen die PCs, Monitore und Drucker (50 Stück) planmäßig nach durchschnittlich 5 Jahren gegen moderne und dabei energieeffiziente Geräte aus, kann es jährlich bis zu 3.500 Euro einsparen.

Die wirtschaftliche Bedeutung der IT steigt auch in Zukunft weiter an. Klares Indiz: Der Beitrag der IT-Wirtschaft zum Weltbruttosozialprodukt wächst einer Prognose zufolge von 5,8 Prozent (2002) auf 8,7 Prozent (2020) [1]. Und Green IT hat einen relevanten Anteil daran: Das Segment Thin Client wächst derzeit überproportional. Der Weltmarkt für Thin Clients etwa wächst derzeit jährlich um fast 20 Prozent, der Umsatz für Lösungen zur Desktop-Virtualisierung wird sich laut Prognosen bis 2013 beinahe verzwanzigfachen. Im gleichen Zeitraum tut sich für Energieeffizienzmaßnahmen in Rechenzentren allein in Deutschland ein Markt für Produkte und Dienstleistungen im Umfang von etwa 400 Millionen Euro pro Jahr auf. Die zu erwartenden Umsatzpotenziale für Green through IT betragen bis 2020 immerhin bis zu 84 Milliarden Euro. Die vielversprechendsten Sektoren sind hier Smart Buildings und Smart Logistics, gefolgt von Dematerialization, worunter etwa Video- und Webkonferenzlösungen fallen, die den Geschäfts- und Pendlerverkehr reduzieren können.

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[1] Climate Group (2008): SMART 2020: Enabling the low carbon economy in the information age. A report by the Climate Group on behalf of the Global eSustainability Initiative (GeSI).

 


 

 

 


 

 


 

 

 

Label »Good Practice Energieeffizienz« macht Erfolge sichtbar.

Das Kommunikationsangebot »Good Practice Energieeffizienz« der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) zeichnet gute Projekte aus und macht Energieeffizienzaktivitäten sichtbar. Gute Projekte im IT-Bereich sind solche, die den Energieverbrauch um mindestens 10 Prozent reduzieren. Auch die Sensibilisierung von Mitarbeitern für den effizienten Umgang mit IT-Technik kann als Projekt ausgezeichnet und durch die Dena zur Nachahmung empfohlen werden. Die Dena bietet Marktakteuren mit dem Good-Practice-Label an, erfolgreiche Energieeffizienzprojekte noch bekannter zu machen. Unternehmen, die den Endenergieverbrauch reduzieren und dadurch Kosten senken wollen, können von einem Ideen-, Informations- und Erfahrungstransfer profitieren. Das Label »Good Practice Energieeffizienz« wird in vier effizienzrelevanten Kategorien mit Jahreszahl an Unternehmen, Kommunen und öffentliche Einrichtungen vergeben.

Die Dena erreicht mit diesem Angebot, dass die veröffentlichten innovativen und übertragbaren Energieeffizienzprojekte die Entwicklung des Energieeffizienzmarkts unterstützen. Ob die Optimierung des Energiemanagements, die Realisierung einer Informations- und Motivationskampagne oder der Austausch von »Energiefressern« in produzierenden Unternehmen – alle Projekte, die den Endenergieverbrauch senken, sind willkommen. Die Informationen zum neuen Dena-Label sind im Internet erhältlich unter www.good-practice-label.de.

 

In vier Schritten zum energieeffizienten Unternehmen

Hilfe beim Einstieg ins Energiemanagement

Nur rund 20 Prozent der deutschen Unternehmen aus Industrie und produzierendem Gewerbe steigern bislang gezielt und betriebsübergreifend ihre Energieeffizienz. Gleichzeitig rechnen viele Unternehmen langfristig mit steigenden Energiepreisen [1]. Mit Hilfe eines Energiemanagements können Unternehmen Energieverbrauch, Kosten und CO2-Emissionen deutlich senken. Die Initiative EnergieEffizienz der Deutschen Energie-Agentur GmbH (Dena) unterstützt Unternehmen mit einem Handbuch und einem Online-Angebot auf www.industrie-energieeffizienz.de bei der Einführung eines betrieblichen Energiemanagements.

»Energiemanagement hat das Ziel, den Energieeinsatz in einem Unternehmen – vom Energieeinkauf bis hin zum Verbrauch – systematisch und dauerhaft zu senken. Es ist daher gerade für Unternehmen aus energieintensiven Branchen ein wirkungsvolles Instrument, um Kosten zu senken und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen,« so Annegret-Cl. Agricola, Bereichsleiterin bei der Dena.

Das »Handbuch für betriebliches Energiemanagement« der Initiative EnergieEffizienz stellt alle relevanten Handlungsebenen dar, von der Unternehmensleitung über unterschiedliche Betriebsebenen – wie Controlling und Produktion – bis zum Energiemanager. Mit dem Online-Angebot kann der Nutzer einem Projektteam eines typischen Fertigungsbetriebs bei der Einführung eines Energiemanagements über die Schulter sehen. Die zentralen Schritte werden anschaulich dargestellt und durch weiterführende Informationen, Praxisbeispiele und Hinweise zu gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen ergänzt. Das Vorgehen orientiert sich dabei an vier Arbeitsschritten, die problemlos in bestehende Qualitätsmanagementsysteme wie ISO 9001 eingebettet werden können:

1. Vorbereitung: Zunächst sollten Verantwortlichkeiten und Kompetenzen für das Projekt »Energiemanagement« definiert werden. Es empfiehlt sich, ein abteilungsübergreifendes Energieteam zu gründen, das die Umsetzung vorantreibt und kontinuierlich begleitet.

2. Analyse: In einem nächsten Schritt werden systematisch Daten zu Energieverbräuchen und -kosten im Unternehmen erhoben. Diese Werte bilden die Grundlage für ein regelmäßiges Energiecontrolling, das kontinuierlich Fortschritte und Handlungsbedarf bei der Umsetzung erfasst. Nach der Analyse des energetischen Ist-Zustands werden für unterschiedliche Bereiche konkrete, messbare Einsparziele festgelegt.

3. Planung und Umsetzung: Auf Basis der Analyse werden sowohl organisatorische als auch technische Maßnahmen zur Reduzierung von Energieverbrauch und -kosten umgesetzt. Die im Netz aufbereiteten Referenzprojekte der Dena bieten einen Überblick über erfolgreiche Praxisbeispiele. Es empfiehlt sich, bei Bedarf auf das Know-how externer Dienstleister zurückzugreifen. So können Energieberater bei der Datenerhebung und -auswertung oder bei der Planung von Maßnahmen helfen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können außerdem verschiedene Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen, zum Beispiel aus dem »Sonderfonds Energieeffizienz KMU« der KfW-Mittelstandsbank.

4. Laufende Verbesserung: Ist ein Energiemanagement einmal etabliert, sollten die Prozesse langfristig fest in die betrieblichen Abläufe integriert werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Erfassung und Bewertung von Energieverbrauchskennzahlen. Auf Basis dieser Daten werden kontinuierlich neue Zielvorgaben festgesetzt und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung entwickelt.

Die Initiative EnergieEffizienz ist eine Kampagne der Deutschen Energie-Agentur GmbH (Dena) und wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

[1] Laut einer im Auftrag der Dena durchgeführten Unternehmensbefragung vom November 2009 rechnen 64 Prozent der befragten Unternehmen für die kommenden zwei Jahre mit langsam aber kontinuierlich steigenden Energiepreisen. Das Marktforschungsunternehmen Mindline Energy befragte insgesamt 500 wirtschaftliche und technische Entscheidungsträger aus Unternehmen der Bereiche Industrie und Gewerbe zur Bedeutung des Themas Energieeffizienz.

 

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