20100708za Wo die IT lohnt Sinnvolle IT-Investitionen

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Navigieren im Markt bleibt schwierig

Wo die IT lohnt

Das Marktumfeld mit kaum kalkulierbaren wirtschaftlichen, Währungs- und Anlagerisiken ist für IT-Anbieter und die Unternehmen aller Branchen, die sie bedienen zurzeit sehr diffus. AGs freuen sich über steigende, wenn auch ungesund hohe Kurse und tendieren dazu, auch mehr in die IT zu investieren. Die anderen Unternehmen warten ab oder riskieren, Hoffnung schöpfend, wieder etwas mehr für die IT auszugeben. Investiert und aufgewendet wird hier aber nur, wenn es sich für das Unternehmen nachweislich lohnt. Demzufolge werden die IT-Ausgaben – die bestehenden wie die anstehenden – weiterhin auf den Kostenprüfstand gestellt. Denn mehr Leistung und bessere Services mittels IT lassen sich bei begrenzten oder zumindest schwer absehbaren Absatzmärkten nur bedingt in höheren Umsätzen und Erträgen umsetzen.

 

D

ie Akteure im Markt schöpfen wieder Hoffnung. Die Exportzahlen in Deutschland zeigen erneut nach oben. Die Arbeitslosenzahlen fallen bisher besser als erwartet aus. Internationale Entwarnung wollen dennoch weder die Europäische Kommission noch jenseits des Großen Teichs der Notenbankchef Ben Shalom Bernanke und der IWF (Internationale Währungsfonds) geben. Sie fürchten die riesigen Staatsschulden, die sich auftürmen, sowie ihre potenziellen negativen Folgen für die globale Wirtschaft. Diesseits des Großen Teichs kündigt sich neben der Fast-Staatspleite von Griechenland bereits mit Portugal, Spanien, sogar Italien die nächsten potenziellen Pleitekandidaten an. Spanische Banken drohen durch den fast kollabierten Immobilienmarkt auf giftigen Darlehen in Höhe von 325 Milliarden Euro sitzen zu bleiben. Das ist nur ein Teil der nationalen Last als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise. Was, wenn, wie zu erwarten, der Euro noch stärker unter Devisendruck gerät und dadurch beispielsweise in Deutschland die große Hoffnung, der wieder anziehende Exportmarkt, einen kräftigen Dämpfer erhält?

Nichts hinzugelernt

Die wirtschaftliche Lage innerhalb Deutschlands und über seine Grenzen hinaus ist und bleibt für die wirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Akteure schwer einschätzbar. Die Börsen rund um den Globus mit überhitzten und stark ausschlagenden Kursen tragen zu einer erhöhten Risikolage nicht nur für die Anleger, sondern auch für die gesamte Weltwirtschaft bei. Zumal sich viele Banken wieder anschicken, hochspekulative Zertifikate über ihre Verkaufsmaschinerie an ihre Privatkunden zu rücken. In ihrer für die Konsumenten Hochrisiko-behafteten Verkaufsstrategie sind sich in Deutschland alle wichtigen Emittenten einig: Bayern LB, BNP Paribas, Commerzbank, Deutsche Bank, DZ Bank, Goldman Sachs, HSBC Trinkaus, Hypo Vereinsbank, LBBW, Nord/LB, Sal. Oppenheim (Deutsche Bank), UBS, West LB und WGZ Bank. Um kundenseitig die negativen Erfahrungen mit u.a. Lehman-Brothers-Zertifikaten auszublenden, werden von einigen Emittenten »Zertifikate« schlichtweg in »strukturierte Anleihen« umbenannt. Manch einer der aufgeführten Emittenten, so die DZ Bank, träumt schon von einer Verdopplung des Zertifikatvolumens binnen 24 Monaten – und das auf einem immer dünneren, hoch spekulativen Eis. Offensichtlich haben die Banken mit Investmentambitionen aus noch laufenden Finanz- und Wirtschaftskrise nichts hinzugelernt. Nur ohne diesen Lernprozess ist das Platzen der nächsten Finanzblase nur eine Frage der Zeit.

Taktieren statt handeln

In diesem diffusen Umfeld mit kaum einkalkulierbaren wirtschaftlichen, Währungs- und Anlagerisiken finden sich auch die IT-Anbieter wieder und die Unternehmen aller Branchen, die sie bedienen. AGs freuen sich über steigende, wenn auch ungesund hohe Kurse und tendieren dazu, auch mehr in die IT zu investieren. Die anderen Unternehmen warten ab oder riskieren, Hoffnung schöpfend, wieder etwas mehr für die IT auszugeben. Investiert und aufgewendet wird hier aber nur, wenn es sich für das Unternehmen nachweislich lohnt. Demzufolge werden die IT-Ausgaben – die bestehenden wie die anstehenden – weiterhin auf den Kostenprüfstand gestellt. Denn mehr Leistung und bessere Services mittels IT lassen sich bei begrenzten oder zumindest schwer absehbaren Absatzmärkten nur bedingt in höheren Umsätzen und Erträgen umsetzen.

Der Software auf den Zahn fühlen

Stefan Wichert, Manager und Themenverantwortlicher für Managed Test Services bei Logica in Deutschland, registriert über alle Unternehmen hinweg einen eindeutigen Trend: »Sie wollen nicht länger zu hohe IT-Projekt- und später IT-Betriebskosten in Kauf nehmen.« Besonders die einzusetzende Software bewegt sich nach Wichert im Kreuzfeuer der Qualitäts- und Kostenüberlegungen in den Unternehmen. Er sieht deshalb Managed Test Services zur eingehenden Prüfung der Programme vor ihrem Einsatz im Kommen. »Denn erst eine speziell angepasste und dennoch weitgehend fehlerfreie Software garantiert eine nahtlose Integration, kurze Projektlaufzeit, den Projekterfolg und später einen wirtschaftlichen Betrieb.« Wichert macht für Managed Test Services einen weiteren Anschubfaktor aus: »Die Entscheider sind sich vermehrt darüber im Klaren, welche Auswirkungen originäre oder durch Anpassungen hervorgerufene Softwarefehler haben können: Sie können sich bis auf Geschäftsprozessebene in drastischen Funktions-, Verfügbarkeits- und Performance-Problemen mit allen betriebswirtschaftlichen Folgen auswirken.«

Wichert sieht die Unternehmen in beiden Situationen – IT-Eigenbetrieb wie Bezug externer IT-Services – gefordert, die Software auf den Prüfstand zu stellen. »In beiden Fällen ist die Effektivität und Effizienz der Geschäftsprozesse im hohen Grad von der Wirtschaftlichkeit und Qualität des Softwareeinsatzes abhängig«, erklärt er. Besonders groß sei diese Abhängigkeit, wenn sich eine Ende-zu-Ende-Geschäftsprozesskette aus Software im Eigenbetrieb und aus Software as a Service (SaaS) zusammensetze. »Allein die direkten und indirekten Kosteneinsparungen, die über Managed Test Services gegenüber ungeprüften Programmen erreichbar sind, können gewaltig sein«, so der Qualitätsspezialist.

Energiehunger drosseln

Hohe Kosteneinsparungen und eine bessere Leistungsausbeute schlummern für die Unternehmen zudem in einem gedrosselten Energieverbrauch im Rechenzentrum. »Solange hier unreflektiert Energie konsumiert wird, schadet das nicht nur dem Klima, sondern auch dem eigenen Budget«, sensibilisiert Bernd Hanstein, Hauptabteilungleiter Produktmanagement System Solutions bei Rittal. Und diese Kostenlast wachse, vorangetrieben durch steigende Verarbeitungs- und Speicherlasten sowie anziehende Strompreise. Allein die IT-Infrastruktur verbraucht nach Hanstein etwa die Hälfte des RZ-Stroms. Sein Rat: »Dieser Infrastruktur, insbesondere Klimatisierung, Stromverteilung und Stromabsicherung, das Hauptaugenmerk zu schenken und den Energievergeudern auf den Grund zu gehen. Das Maß aller Dinge dafür seien die Geschäftsprozesse. »IT-Servicekapazitäten, die sich am Geschäftsprozessverlauf orientieren, eröffnen innerhalb der IT-Infrastruktur die Perspektive, bedarfsgerecht, also wirtschaftlich, mit Energie umzugehen«, so sein Credo. Eine Unterscheidung in unterschiedliche Zeitphasen – Tag, Nacht, Wochentag – helfe, den Stromverbrauch innerhalb der IT-Infrastruktur noch weiter nach unten zu drücken.

»Aber«, so Hanstein, »Klimatisierung, Stromverteilung und -absicherung müssen im Gesamtkontext, vor allem in Bezug zu den Server-Lasten, beurteilt und aufeinander abgestimmt werden.« Nur dann werde sich der Stromverbrauch im RZ permanent auf einem Tiefstand bewegen. Das, wiederum, setze eine Energieüberwachung der Gewerke über eine leistungsfähige Management-Software voraus.

RZ optimieren

RZ-Gewerke, die effizient und effektiv per Management-Software zusammenspielen, eröffnen über Energieeinsparungen hinaus weitere Kostenreduzierungen. »Voraussetzung dafür ist eine Rund-um-Analyse«, sagt Karl Jochen Heinz, Geschäftsführer von Heinz-Consult. Sie müsse sich über die IT-Infrastruktur hinaus auf weitere Felder wie Netzwerkdesign, Design der Server-Landschaft, Auslastung und Performance der Server, das Client-Konzept bis hin zum Output-Management, den Wartungsverträgen und der Lizenzsituation erstrecken. »Nur mit diesem Wissen können alle Kosteneinsparungs- und weitere Optimierungspotenziale nachhaltig ausgeschöpft werden«, rüttelt er auf.

Heinz spricht von einer hochgradigen Design- und Ingenieurleistung, um das RZ zum Kosten- und Leistungsoptimum zu führen. »Ohne sie«, warnt er, »droht eine mangelhafte Zielerreichung und der erwartete Effizienz- und Effektivitätsgewinn im RZ verpufft auf Kosten des IT-Budgets.« Dabei sei die rein technische Sicht des RZ nur eine Seite der Optimierungsmedaille. »Für eine schrittweise, koordinierte Umsetzung aller auf Optimierung ausgerichteter Maßnahmen muss auch die fachliche Organisation und Steuerung des Vorhabens stimmen«, so der Geschäftsführer. Den technisch wie organisatorisch koordinierten Gesamtaufbau im RZ per Managementsystem überwach- und steuerbar zu machen, ist nach Heinz der letzte Schritt. »Das Managementsystem einschließlich der integrierten Kalkulations-Tools werden außerdem dafür gebraucht, um immer wieder zu prüfen, ob die zuvor erreichten Kosteneinsparungen und anderen Optimierungsresultate noch Bestand haben.«

Administration ordnen

Prüfen, bewerten und handeln: Mit dieser Vorgehensweise werden auch die IT-Administrationskosten in den Unternehmen immer argwöhnischer unter die Lupe genommen. »Gelingt es, Abläufe weitgehend zu strukturieren und zu automatisieren, können diese Kosten deutlich gesenkt werden, bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung«, ist Jörg Hoffmann, Geschäftsführer von First Attribute Services, überzeugt. In den Unternehmen dreht sich der Administrationsaufwand vor allem um zweierlei: Sämtliche Berechtigungen auf Applikationen, Dienste und Ressourcen sowie die Veränderungen, die darin getroffen werden, wirtschaftlich und nachvollziehbar zu regeln. Wirtschaftlichkeit ist in den Unternehmen ohnehin das Gebot der Stunde. Nachvollziehbarkeit wird für Compliance gebraucht, wobei die Einhaltung von Vorgaben keinesfalls ins Geld gehen darf.

»Das Thema Compliance in Active Directory-Umgebungen gewinnt zunehmend an Bedeutung, darf aber keinen erhöhten Kostendruck mit sich bringen«, weiß Hoffmann. »Das liegt daran, das die selbst oder extern auferlegten Regeln beziehungsweise Vorschriften, genauer gesagt ihre Revision und Dokumentation, einer zusätzlichen Verwaltungsarbeit gleichkommt.« Sie berge für das Unternehmen keine Produktivitätszuwächse in sich. »Schon deshalb«, so der Geschäftsführer weiter, »können die Entscheider in den Unternehmen eine formulargestützte Vorgehensweise, die für Compliance die Abläufe von der Benutzerverwaltung über die Vergabe individueller Rechte bis hin zur Protokollierung der Veränderungen regelt, nicht hoch genug einschätzen.«

Betrieb und Kontrolle delegieren

Im Spannungsfeld zwischen IT-Kosten und -Leistungen, die nur bedingt in höheren Umsätzen und Erträgen umgesetzt werden können: Das wirft andererseits in den Unternehmen die Frage auf, ob die IT, statt im Eigenbetrieb, nicht besser bei einem Service Provider aufgehoben ist. Wenn auch nicht in Gänze: Für Teile der IT und spezielle Prozesse, die darüber bewegt werden, lohnt ´Fremdgehen` allemal. Das gilt besonders dann, wenn von aktuellen politischen Entwicklungen zusätzlicher Kostendruck ausgeht, so wie auf die Banken und Sparkassen mit ausgeprägten Filialstrukturen. Bundes-Verbraucherministerin Ilse Aigner hat die Geldautomaten aufs Korn genommen. Die Gebühren für Geldabhebungen, sofern nicht an Automaten des eigenen Kreditinstituts getätigt, sollen für die Verbraucher drastisch sinken. Das erste freiwillige Angebot der Banken und Sparkassen gegenüber der Bundes-Verbraucherministerin Ilse Aigner, die Gebühr in diesen Fällen auf maximal fünf Euro pro Abhebung zu begrenzen, dürfte kaum das letzte Wort sein.

Die Institute werden weiter entgegenkommen müssen. Dadurch wird für sie unter verschärftem Kostendruck ein Eigenbetrieb ihrer Geldautomaten und aller damit verbundenen Bargeld-Prozesse immer weniger lohnen, noch schlimmer, zu einem Zuschussgeschäft werden. Andreas Vogt, verantwortlich für den Bereich Managed Services bei Wincor Nixdorf, sieht die Zeit für die Auslagerung von Services rund um die SB-Systeme gekommen. »Ein Dienstleister für viele Kunden, der zudem auf dieses Aufgabenfeld hoch spezialisiert ist, kann solche Services effizienter und effektiver als die Organisation im Eigenbetrieb erbringen«, hebt er heraus. Um welchen Dienstleistungsmarkt es dabei geht, wird anhand der Zahl der installierten SB-Systeme deutlich. Rund 56.000 solcher Systeme gibt es allein in Deutschland. Sie verschlingen Jahr für Jahr im Eigenbetrieb rund 12 Milliarden Euro, die Produktivitätsverluste im Eigenbetrieb nicht eingerechnet. Innerhalb der EU werden jährlich etwa 50 Milliarden Euro auf das Bargeld-Handling rund um diese Terminals verwendet. Vogt spricht nicht nur von Einsparungen, wenn Kreditinstitute auf professionelle Managed Services umsteigen, sondern auch von höherer Systemverfügbarkeit, Prozessoptimierung und Transparenz.

Hadi Stiel

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Hadi Stiel ist freier Journalist in Bad Camberg.

 

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