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Rich Internet Application-Technologie - RIA

Web 2.0-Frischzellenkur für Altanwendungen

Der beste Ansatz, um Kosten in der IT-Abteilung zu sparen, ist die Anwendungsmodernisierung mit Hilfe der Rich-Internet-Application-Technologie.

 

D

er Kostendruck hält für IT-Abteilungen unverändert an. Die IT soll durch neue Produkte und Services gleichzeitig Motor und Enabler für Innovationen sein, auf der anderen Seite aber mit weniger Budget auskommen – eine schwere Aufgabe für alle IT-Verantwortlichen. Eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmen Vanson Bourne zeigt, dass die Mehrzahl der befragten Unternehmen die Modernisierung von Anwendungen für die beste Methode hält, um Kosten zu reduzieren [1]. Da wesentliche Komponenten der Anwendung erhalten bleiben, besteht bei der Modernisierung im Gegensatz zur Ablösung durch Standardprodukte oder Neuimplementierung ein Investitionsschutz. Modernisierung ist in diesem Zusammenhang kein Selbstzweck, sondern Ausdruck einer Strategie, die darin besteht, die Herausforderungen der Zeit anzunehmen und gleichzeitig Risiken zu minimieren, Ressourcen zu schonen und getätigte Investitionen zu schützen. Aber was bedeutet dies genau? Ist es wirklich immer nötig und ratsam, Altanwendungen, in die viel fachliche Intelligenz geflossen ist, komplett zu ersetzen?

Monolithische Systeme sind nicht mehr zeitgemäß.

Viele Kernanwendungen wurden im Prä-Internetzeitalter erstellt und basieren architektonisch auf einem monolithischen Ansatz. Diese Host-Anwendungen sind so implementiert, dass Funktionen wie Datenhaltung, Verarbeitung und Präsentation eng gekoppelt und zentralisiert sind. Den damit verbundenen Nachteilen bei Wartbarkeit, Erweiterbarkeit, aber auch Wiederverwendbarkeit versuchte man in den neunziger Jahren mit neuen Softwareentwürfen zu begegnen. Client-Server-Architekturen führten zu einer Entkopplung von Datenhaltung, Geschäftslogik und Präsentation. Die alten monolithischen Systeme sind aber auch aus Anwendersicht nicht mehr zeitgemäß, denn die Ansprüche an Ergonomie und Usability haben erheblich zugenommen. Heutige Nutzer sind in der Regel internetaffin und bewegen sich zielsicher in der smarten Onlinewelt. Sie kennen Mouseover-Highlighting genauso wie Drag-and-Drop und weitere Möglichkeiten des Web 2.0-Zeitalters. Auch auf Ebene der Geschäftsprozesse sind diese Monolithen nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Es fehlt an der notwendigen Flexibilität, um schnelle, innovative Anpassungen vornehmen zu können. Denn die enge Kopplung der Funktionsblöcke schließt eben auch die Geschäftslogik mit ein. Folgendes Beispiel soll dies verdeutlichen: Versicherung A verwendet eine Host-Applikation zur Abwicklung ihrer Geschäftsprozesse. Darin enthalten ist ein Tarifrechner, der für die Sachbearbeiter in den Filialen und in der Zentrale verfügbar ist. Versicherung A möchte das Geschäft ausweiten und baut einen Partnervertrieb auf. Die Partner haben technisch keine Möglichkeit, auf den Tarifrechner zuzugreifen. Und selbst wenn dies der Fall wäre, könnten sie die Dialogmasken, die an ein DOS-Fenster erinnern, nicht bedienen. Also beschließt Versicherung A, eine proprietäre, dedizierte Tarifrechnerlösung für die Partner entwickeln zu lassen. Einige Zeit später soll im Rahmen der B2C-Strategie der Endkunde das Versicherungsprodukt auch direkt von zu Hause kaufen können. Das Problem: Die bereits verfügbaren Tarifrechner lassen sich aber nicht über das Internet ansprechen. Die Innovationszyklen im Vertrieb werden immer kürzer – die Anwendungsentwicklung wird zum Bremsklotz.

Die Modernisierung der Clientfunktionalität.

Der radikale Ansatz klingt verlockend – sollte man die alte Lösung nicht am besten komplett entsorgen? Eines darf dabei aber nicht vergessen werden: In die Entwicklung dieser Anwendung sind hohe Investitionen geflossen, und sie ist in der Regel auf firmen- und aufgabenspezifische Anforderungen zugeschnitten. Zuverlässigkeit und Fehlerfreiheit haben ein hohes Maß erreicht. Zudem ist eine Menge Know-how implizit im Anwendungssystem vorhanden und kann nur mit erheblichem Aufwand explizit gemacht werden. Nicht zuletzt sind Spezialisten für ältere Programmiersprachen und Hostsysteme zunehmend rar. Die vollständige Ablösung einer Altanwendung ist deshalb oft nicht möglich oder mit erheblichen Risiken verbunden. Aus diesem Dilemma führt ein Weg: die Modernisierung der Clientfunktionalität. Funktionsbereiche der monolithischen Anwendung werden dahingehend entkoppelt und gekapselt, dass Aktivitäten des Geschäftsprozesses – ohne Limitierungen wie LAN oder proprietäre Kommunikationsprotokolle – bereitgestellt werden. Es geht also nicht mehr allein um den technischen Aspekt einer Mehrschichtenarchitektur, sondern um das Zuschneiden und Konfektionieren von Fachdiensten im Sinne eines Services. Um beim Beispiel des Tarifrechners zu bleiben: Der Tarifrechner soll – abstrakt beschrieben – eine Prämie liefern und benötigt dafür Daten für die Kalkulation. In der Vergangenheit hat der Tarifrechner mit dem Benutzer direkt kommuniziert und umgekehrt. Nun wird eine Abstraktionsschicht eingezogen, der Tarifrechner ist über eine standardbasierte Schnittstelle adressierbar. Über diese Schnittstelle können nun moderne Endgeräte eine Prämie ermitteln. Die Geschäftslogik, also das codierte Rechenwerk, wird dabei nicht angetastet. Weitere Funktionsbereiche, die man entkoppeln könnte, wären beispielsweise Provisionierung, Scoring, Vertragswesen und Stammdatenverwaltung.

RIA-Clients.

Eine zielführende Entkopplung lässt sich über Web Services realisieren. Die wesentliche Geschäftslogik verbleibt innerhalb der Kernapplikation. Über die so bereitgestellten Schnittstellen können zeitgemäße und leistungsfähige Rich Internet Application-Clients auf den entkoppelten Funktionsbereich zugreifen. Diese RIA-Clients verfügen – anders als die Thin Clients einer rein HTML-basierten Browserlösung – über Eigenschaften und Funktionalitäten, wie sie sonst nur Desktoplösungen mit Fat Clients liefern. Mit »rich« sind »reichhaltige« Möglichkeiten wie Drag-and-Drop oder die Bedienbarkeit über Tastenkürzel gemeint, wie man es von Microsoft-Anwendungen kennt. RIAs bieten im Vergleich zu konventionellen Browserclients auch eine höhere Leistungsfähigkeit. So können beispielsweise Berechnungen clientseitig ausführt werden, ohne eine Anfrage zum Server starten zu müssen. Daten lassen sich vorladen und cachen, bis der Nutzer sie benötigt. Gleichzeitig werden keine ganzen Seiten geladen, sondern nur die Bereiche, bei denen Änderungen angezeigt werden müssen. Dadurch lassen sich RIA-basierte Anwendungen in der Regel viel flüssiger und komfortabler bedienen. Die Kapselung der Kernfunktionalität hat einen weiteren positiven Effekt: Sie führt zu einer Entkopplung der unterschiedlichen Lebenszyklen der Gesamtanwendung. So sind im Sinne der Prozesslogik beispielsweise Bereiche in der Buchhaltung wie Faktura, Orderbuch oder Wareneingang sehr stabil und überdauern in der Regel den Lebenszyklus einer Anwendung. Im Gegensatz dazu unterliegen User Interfaces einer höheren Dynamik. Bei den neuen Mobile Devices oder den Tablet PCs ist das überdeutlich. RIA-Clients haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie über Internetprotokolle kommunizieren. Damit lassen sich Probleme im Zusammenhang mit Firewalls vermeiden. Da keine Softwareverteilung erforderlich ist, erhöhen flexible Zugriffe zum Beispiel für Außendienst, Vertrieb, Partner oder das Home Office die Effizienz.

Resümee.

Die skizzierte Modernisierungsstrategie reduziert Risiken und Ressourcenbedarf, da aufwendige Phasen wie Prozessmodellierung oder Migration entfallen und kein Big Bang geplant werden muss. Die Anwendungsentwicklung kann sich dabei ohne abrupten Bruch neu orientieren und moderne Entwicklungsumgebungen einführen. Ein interessanter Nebeneffekt wird deutlich, wenn man den Begriff RIA bei Wikipedia nachschlägt: »Rich Internet Applications werden als nächste Generation von Software-Anwendungen gesehen. Geschäftsmodelle, die auf RIAs basieren, nennen sich oft Software as a Service.« Auch wenn Unternehmen, die über Anwendungsmodernisierung nachdenken, noch keine konkreten Einstiegsszenarien für das Cloud Computing planen oder die Anforderung an einen Software-as-a-Service-Betrieb aufstellen – eine Anwendungsmodernisierung mittels RIA- Technologie eröffnet für sie Perspektiven für diese Megatrends. Denn die RIA-Technologie ist mit den Elementen zukünftiger Anwendungsarchitekturen kompatibel.

Dr. Michael Bark

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Dr. Michael Bark, Geschäftsführer der evodion Information Technologies GmbH

 

 

 

 

http://www.microfocus.com/aboutmicrofocus/pressroom/releases/pr20100602484559.asp

 

 


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