Kopie von 20110102 Alpine Ski-WM 2011

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FIS Alpine Ski-WM 2011 Garmisch-Partenkirchen

Feuerprobe für die Olympiabewerbung 2018

Garmisch in Festtagslaune: Spannende Rennen, ein toller Skizirkus in der Stadt, und die Tourismus-Direktion setzt die Natur in Szene.

 

Nanu?

Verwundert mag sich so mancher Leser die Augen reiben: ein Bericht über die Ski-WM auf ap-verlag.de? Ohne IT läuft nichts, könnten wir sagen, und die komplexe Technik beschreiben, die den Kampf um Hundertstel-Sekunden erst möglich macht. Aber davon wollen wir zur Abwechslung gar nicht sprechen. Heute geht es ums Vergnügen – und wer weiß, vielleicht wollen Sie wohlverdienten Mitarbeitern oder guten Geschäftspartnern mit einem Incentive-Trip nach Garmisch ein Hochgefühl vermitteln, das später nur positiv auf sie zurückstrahlt. Teuer ist diese Investition in gute Geschäftsbeziehungen nicht – die Anreise mit der Regionalbahn übernimmt der Markt Garmisch-Partenkirchen, und für die Live-Konzerte am Abend ist der Eintritt frei.

 

Adrenalin-Schub

Die Kandahar-Abfahrt, die ohnehin schon seit den 50er Jahren als eine der gefährlichsten und spektakulärsten Skipisten der Welt gilt, wurde für die aktuelle Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen noch weiter verschärft: Jetzt springen die Athleten von einem flacheren Teilstück in den steilsten Hang der Abfahrt, in den »Freien Fall«, hinein. Auf Hängen mit bis zu 92 % Gefälle rasen die Könner todesmutig hinab. Auf der beinharten Piste straucheln sogar die besten Fahrer – so auch beim Super-G der Herren am 09.02.11. Das Rennen ist symptomatisch für viele Abfahrten auf dieser historischen Strecke. Ausgerechnet an einer Stelle noch vor dem freien Fall kommen die Könner aus der Spur. Adrenalinstoß bei 135 km/h Fahrtgeschwindigkeit. Die meisten reißen den Ski blitzschnell unter enormem Kraftaufwand noch einmal herum und jagen dann umso schneller den verlorenen Hundertstel-Sekunden wieder nach. »Ab der Hälfte war mein Rennen nur noch ein Kampf gegen den Sturz«, sagt Carlo Janka aus der Schweiz (7. Platz). Viele Topfahrer wie der US-Amerikaner Bode Miller, der seinen Stock verlor und trotzdem entschlossen weiterfuhr, schieden auf dem anspruchsvoll gesetzten Kurs aus.

 


Foto: OK GAP 2011

Silber-Gewinner Hannes Reichelt: »Ich habe viel riskiert.«

 

 

 


Foto: Gudrun Kosche

Die Kandaharabfahrt – Kameras auf Kränen fangen den »Freien Fall« ein

 

 

Funken-Flug

Umso glücklicher, wer abends glänzendes Metall entgegen nehmen darf – und für die Zeremonie haben sich die Veranstalter viel einfallen lassen. Die Siegerehrungen am Abend in der Medal Plaza im Kurgarten von Garmisch setzen Maßstäbe an Event-Kultur. Die Athleten laufen auf dem Catwalk, der mit Plakaten der außerordentlich prachtvollen Bergkulisse geschmückt ist, der Bühne und ihrer Ehrung entgegen. Vor einem wogenden Fahnenmeer überreichen Honoratioren wie Miriam Vogt, Präsidentin des Bayerischen Skiverbandes, Gian-Franco Kasper, Präsident FIS, und Peter Fischer, Geschäftsführer FIS Alpine Ski-WM 2011 GmbH, die Medaillen. Ein Feuerwerk bricht von allen Seiten los, und die Stimmung ist fast jeden Abend so gut wie bei der Ehrung der Super-G-Helden am 09.02.11. Die italienische Nationalhymne erklingt, die Fans sind aus dem Häuschen und singen »Fratelli d'Italia, l'Italia s'è desta« (Brüder Italiens, Italien hat sich erhoben) begeistert fahnenschwingend mit. Da kämpft selbst Christof Innerhofer, auf der Piste ein stahlharter Bursche, mit den Tränen der Rührung. Der Südtiroler holte sich mit 1:38:31 Gold, Hannes Reichelt aus Österreich errang Silber (+sechzig Hundertstel-Sekunden), und Platz 3 belegte Ivica Kostelic aus Kroatien (+0,72). Im Super-G der Damen zum Auftakt der WM machte die Österreicherin Elisabeth Görgl das Rennen, gefolgt von der US-Amerikanerin Julia Mancuso und der Garmischerin Maria Riesch.

 


Foto: OK GAP 2011

Mr. Super-G´s: Christof Innerhofer (Mitte), Hannes Reichelt (li.), Ivica Kostelic (re.)

 

 


Foto: OK GAP 2011

Die Superfrauen des Super-G: Elisabeth Görgl (Mitte), Julia Mancuso (li.), Maria Riesch (re.)

 

 

 

 


Foto: OK GAP 2011

Feuerwerk für die Feuerprobe: Garmisch zeigt, was es für Olympia 2018 zu bieten hat

 

 

Bayerische Popmusik im WM-Park

Noch bis zum 20. Februar spielen Popstars wie DJ Ötzi aus Tirol, Christina Stürmer aus Österreich oder die Troglauer Buam aus der Oberpfalz auf. Show-Act am Abend der Siegerehrung des Super-G Herren ist Claudia Koreck, eine der besten bayerischen Nachwuchssängerinnen. Sie gibt, wie sie stolz erzählt, ihr erstes Konzert nach der Geburt ihres Sohnes. Die Fans können von ihrer Musik nicht genug kriegen und fordern die Klangfee zu drei Zugaben heraus. Die Traunsteinerin hat sichtlich Spaß daran, spielt gerne Songs wie »Schokolad´« zusätzlich auf, verabschiedet sich dann aber streng mit den Worten: »Jetzt muaß I oba wieder hoam, i hoff´, der Kloan´ is ned verhungert.«

 

 

Die große Party in der Stadt

Bayerischer Charme, vermischt mit Lebensfreude. Wer in diesen Tagen durch Garmisch geht, erlebt die Stadt pulsierend. So voll war Garmisch schon lange nicht mehr. Leute durchströmen die Stadt, lassen sich an Café-Tischen auf den Bürgersteigen nieder, genießen die Sonne, kommen ins Ratschen. Überall Imbiss- und Getränkestände, weiß überzogene Stehtischchen, wohin man blickt. Am Beginn der Fußgängerzone hat Radio Oberland eine bayerische Hütte aufgebaut, die am Abend so gesteckt voll ist, dass ein Durchkommen kaum mehr möglich ist. Im WM-Park im Kurgarten hat die Region Tirol mit dem »TirolBerg« ihr VIP-Zelt für Sportstars, Medien und Wirtschaftstreibende und einen Fressbuden-Bereich für die Fans eröffnet. Glitzerbäume funkeln davor und setzen damit auch gleich die Lounge des Hauptsponsors Audi in Szene. Das P1 trumpft mit seinem »WM-Club« auf, dessen Pforten die Münchner Nobel-Disco im Olympia-Saal des Garmischer Kongresszentrums täglich ab 21 Uhr öffnet.

 


Foto: Gudrun Kosche

Reges Treiben in der Fußgängerzone

 


Foto: Gudrun Kosche

Glitzerbäume setzen den WM-Park gekonnt in Szene. Hier finden alle Siegerehrungen und Live-Konzerte statt – zentral mitten im Ort.

 

 

Natur als Trumpf bei der Olympiabewerbung

Mit der FIS Alpinen Ski-WM 2011 will die Alpen-Destination ihre Visitenkarte für die Olympiabewerbung 2018 abgeben. Gute Laune, Sportbegeisterung und ein grün geprägter Tourismus sind die Hauptingredenzien im Bewerber-Cocktail. So stehen auch bei der Organisation großer Sport-Events wie der FIS Alpinen Ski-WM saubere Luft, die Reduzierung der CO2-Emissionen und die umweltfreundliche Anreise und Mobilität vor Ort im Vordergrund. Garmisch stellt nicht nur kostenlose Shuttle-Busse vom Bahnhof bis zum WM-Gelände bereit, sondern übernimmt auch die Kosten für die Zuganreise im Regionalzug in ganz Bayern und Tirol. Der Preis für die Tickets in den drei Kategorien Sitzplätze (bis zu 129,- Euro), Stehplätze Tribüne (bis zu 55,- Euro) und Stehplätze Gelände (bis zu 29,- Euro) schließen die Bahnfahrt bereits mit ein. Tickets sind noch erhältlich.

 

 

WM-Ticket-Verkauf im Baumhaus

Der Umwelt-Gedanke kommt auch in der Architektur zum Ausdruck. Der Ticket-Verkauf zum Beispiel findet in einem Pavillon statt, der um einen Baum herum gebaut wurde. Die Fassade des edel gestalteten Quaders ist stilecht aus Holz. Schlichte Eleganz, strenge Formenlehre und die Liebe zur Natur treffen hier gekonnt zusammen.

 


Foto: Gudrun Kosche

Architektur und Natur gekonnt in Szene gesetzt

 


Foto: Gudrun Kosche

Der WM-Ticket-Pavillon wurde um den Baum herumgebaut

 

 

Edles Bergahornholz im Kongresszentrum

Dem eleganten Baumhaus in der Fußgängerzone kann das neu renovierte Restaurant im Kongresszentrum durchaus das Wasser reichen. Der erste Umbau nach 50 Jahren ist ein voller Erfolg und setzt ebenfalls voll auf Natur: Der große Raum wird durch eine lange Tafel aus hellem Bergahorn-Holz dominiert, an der bis zu 50 Gäste Platz haben. Wer lieber kuschelige Tete-à-Tetes bevorzugt, kann sich an den kleineren Seitentischen niederlassen oder auf die Teilung der modular aufgebauten Riesentafel bestehen. Die Wand zum Seitenraum wurde mit Natursteinen verkleidet. Ein großer Durchgang gibt den Blick auf den Seitenraum frei, in dem eine Lounge aufgebaut ist. Für die Dauer der WM tagsüber für jedermann geöffnet, bleibt sie abends während der Siegerehrung den Skistars vorbehalten. Stilvolle und bequeme Ledercouches laden zum Verweilen ein, in der Mitte steht ein stilisierter Kamin, entlang der Wände Holz-Skulpturen. Mobiliar und Accessoires sprechen die gleiche Sprache, geprägt von Zurückhaltung, Stil und Eleganz.

 


Foto: Markt Garmisch-Partenkirchen

Hier ist gut tafeln: das geschmackvoll renovierte Restaurant im Kongresszentrum

 


Foto: Gudrun Kosche

Eleganz und Natur reichen sich hier die Hand

 


Foto: Markt Garmisch-Partenkirchen

Auch die benachbarte Lounge lädt zum Verweilen ein

 

 

Der etwas andere Bergsommer in der Kongresshalle

Weniger elegant, dafür bayerisch-gemütlich geht es ein paar Schritte von Restaurant und Lounge entfernt im neu gestalteten »GaPaLand« im Kongresszentrum zu. Der Besucher taucht ein in eine künstlich angelegte Sommer-Landschaft. Überall blühende Primeln, es duftet nach dem Heu, das in der Kongresshalle aufgeschüttet wurde, Bäche plätschern in künstliche Seen. An der Decke hängen Seilbahnen und überdimensionale Drachenflieger. Auf dem Boden ist Mulch ausgebreitet. Künstliche Schafe stehen steif zwischen Brotzeit-Tischen mit rot-weiß-karierten Decken. Vogelgezwitscher aus Lautsprechern untermalt die Szenerie. Das Stilleben wird abgerundet durch bayerische Bänke, wie man sie im alten Ortsteil von Garmisch noch vor den Häusern findet, und kontrastiert von echten Strandkörben aus Kühlungsborn, die Garmisch von der Ostsee-Gemeinde im Austausch mit bayerischen Bänken erhalten hat.

 

Den Besuchern gefällt´s: »So eine schöne Stimmung«, ist im Gipfelbuch zu lesen, das neben dem nachgebildeten Gipfelkreuz der Zugspitze in der Halle ausliegt. Mit dem »GaPaLand« will sich Garmisch-Partenkirchen getreu dem Motto »draußen Ski-WM, drinnen Bergsommer« als Ganzjahresdestination präsentieren. Die Idee entspricht dem ökologischen Leitgedanken der Tourismus-Strategie.

 


Foto: Markt Garmisch-Partenkirchen

Das GaPaLand: Draußen Ski-WM, drinnen Bergsommer

 

 

Buntes Programm im »GaPaLand«

Im »GaPaLand« können die Besucher regionale Spezialitäten kosten und traditionelles Handwerk wie das Edelweiß-Schnitzen oder das Formen von Naturseife bewundern. Sondermarken und WM-Gedenkmünzen sind im »WM-Postamt« zu erhalten. Einheimische Bands spielen täglich von 14-16 Uhr. Vor einer riesigen Fotowand, die das Jagdschloss Schachen abbildet, kann man sich mit oder ohne König Ludwig II. fotografieren lassen. Die Fotos sind als Postkarte oder als Schneekugel zu erhalten. Sehr hübsch! Und auch hier wird der Natur-Gedanke wieder aufgegriffen: Während auf der Vorderseite das eigene Konterfei prangt, ist auf der Rückseite der Tourismus-Slogan »Entdecke Deine wahre Natur« eingearbeitet.

Gudrun Kosche

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Gudrun Kosche ist freie Journalistin in München

 

 

 

 

 

Fotos: Gudrun Kosche, OK GAP 2011, Markt Garmisch-Partenkirchen

 


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