2011_6 Initiative 50plus in der IT-Branche Info AG

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Initiative IT 50plus

IT-Branche entdeckt Potenzial älterer Fachkräfte

Fachkräfte in der IT-Branche ab 50 haben es in Deutschland nach wie vor schwer auf dem Arbeitsmarkt. Viele Hightech-Firmen bevorzugen jüngere Bewerber. Dabei können sich die Unternehmen aufgrund des demografischen Wandels und sinkender Absolventenzahlen gar nicht mehr leisten, ältere Fachkräfte zu ignorieren: Bei jeder zweiten Hightech-Firma sind Stellen unbesetzt. Dass es auch anders geht, beweist die Hamburger INFO AG. Der norddeutsche IT-Dienstleister plant für dieses Jahr 100 Neueinstellungen und setzt dabei gezielt auf erfahrene Persönlichkeiten. Bereits ein Drittel der Belegschaft ist über 45, der älteste Mitarbeiter 62 Jahre.

 

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ie weit verbreiteten Vorurteile, ältere Fachkräfte sind weniger motiviert und leistungsfähig als ihre jüngeren Kollegen, bestätigen sich in der Praxis nicht. «Unsere Erfahrungen mit routinierteren Mitarbeitern sind durchweg positiv«, sagt Thomas Stoek, Vorstand der INFO AG. «Wir erleben immer wieder, dass sie über einen enormen Erfahrungsschatz verfügen, der für die tägliche Arbeit in den Projekten sehr hilfreich ist. Eine gute Mischung aus jüngeren und älteren Kollegen im Team führt daher meist zu den besten Ergebnissen«, so Stoek. Ältere IT-Experten bei Personalentscheidungen zu ignorieren, erachtet er deshalb als großen Fehler.

Jüngere Kollegen profitieren von Erfahrungen älterer

Der SAP Berater Hans-Jürgen Hochfeld weiß selbst wie es ist, mit über 50 auf Jobsuche zu gehen. Aufgrund einer Werksschließung seines vorherigen Arbeitgebers musste Hochfeld mit 55 Jahren noch einmal Bewerbungen schreiben. Er stellte fest, dass es für ältere Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt nicht einfach ist. Bis zur Einladung zu einem Gespräch bei der INFO AG (www.info-ag.de) bekam der IT-Experte auf zahlreiche Bewerbungen nur Absagen. Dabei ist Hochfeld nicht der Meinung, dass er weniger leistungsfähig ist als der Nachwuchs. «Jüngere Kollegen haben zwar häufig ein sehr gutes theoretisches Wissen, ihnen fehlt aber in der Regel das Know-how zur praktischen Umsetzung«, sagt er. Im beruflichen Alltag kommt es daher häufig vor, dass Hochfeld seinen weniger erfahrenen Kollegen weiterhilft. Das Vorurteil, ältere Fachkräfte hätten Probleme, mit den rasanten technischen Entwicklungen Schritt zu halten, kann er ebenfalls nicht bestätigen. «Es gehörte von Beginn an zu meinem Arbeitsalltag dazu, mich auf neue Techniken einzustellen. Das bereitet mir deshalb keinerlei Schwierigkeiten.«

«Initiative IT 50plus« setzt sich für ältere Fachkräfte ein

Dass ältere Fachkräfte viel wertvoller sind, als bisher häufig angenommen, erkennen langsam immer mehr Unternehmen der Branche. «Die Führungsetagen bemerken zunehmend, dass sie in Zukunft bewusst auf das Potenzial erfahrener Mitarbeiter setzen sollten«, berichtet Martin Schmidt vom Branchenverband BITKOM. Er ist Projektmanager für die «Initiative IT 50plus« (www.it-50plus.org), die vom BITKOM und der IG Metall ins Leben gerufen wurde. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und den europäischen Sozialfonds geförderte Projekt begleitet Unternehmen bei der gezielten Weiterentwicklung älterer Fachkräfte.

Wie wichtig es ist, ältere Mitarbeiter zu fördern, verdeutlicht Schmidt an einer einfachen Rechnung: «Die heute 50-Jährigen haben mindestens noch 15 Jahre Berufstätigkeit vor sich. Die würden verschenkt, wenn man nicht in sie investiert«, erklärt er. Bisher sind die meisten Unternehmen für das Thema «Demografischer Wandel« aber noch nicht ausreichend sensibilisiert. Ihnen ist zwar zunehmend bewusst, dass es wichtig ist, auf die Veränderungen des Arbeitsmarkts zu reagieren. Im Arbeitsalltag stehen die Belange erfahrener Fachkräfte jedoch noch zu stark hinten an. Ein Zustand, den die «Initiative IT 50plus« ändern will.

Arbeitskraft erfahrener Mitarbeiter möglichst lange erhalten     

Dabei geht es nicht allein darum, die Bewerbungen von älteren Mitarbeitern zu berücksichtigen. «Die Betriebe benötigen darüber hinaus auf die speziellen Bedürfnisse erfahrener Fachkräfte ausgerichtete Qualifizierungskonzepte, und allgemein wie sie zukünftig mit alternden Belegschaften umgehen sollen«, erklärt Schmidt vom BITKOM. Die Projektarbeit zielt daher vor allem darauf ab, die Arbeitskraft erfahrener Mitarbeiter möglichst lange zu erhalten und die erfahrenen Kollegen stetig weiterzuqualifizieren. «Die Unternehmen sollten beispielsweise die körperliche und geistige Fitness und die Führungskompetenzen ihrer Fachkräfte fördern. Das erhält nicht nur die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter – ihnen wird dadurch auch Wertschätzung entgegengebracht«, so Schmidt.

Erfahrene Fachkräfte lernen miteinander voneinander

Zurzeit befindet sich die «Initiative 50plus« in der Modellphase. Vier deutsche Unternehmen unterschiedlicher Größe und Marktsegmentzugehörigkeit nehmen daran teil. Dazu gehört neben Siemens CIT, DATEV eG und VR Netze GmbH auch die Hamburger INFO AG. Die Initiative unterstützt die Unternehmen dabei, Workshops für erfahrene Mitarbeiter durchzuführen. Bei der INFO AG findet beispielsweise regelmäßig die sogenannte «Kollegiale Beratung« statt. Alle acht Wochen treffen sich die teilnehmenden Mitarbeiter, um miteinander und voneinander zu lernen. Sie erarbeiten dafür gemeinsam mit einem Coach persönliche Entwicklungsziele, die sie langfristig ansteuern wollen. Dabei geht es vorrangig um Aufgaben, die für den konkreten Arbeitsalltag wichtig sind. Jeder Mitarbeiter lernt gezielt und wendet das Erlernte dann direkt praktisch an. Es geht also nicht darum, in einer Schulsituation Wissen zu pauken, sondern um gemeinsames, praxisorientiertes, lebenslanges Lernen.

Der 50-jährige Axel Fischer, Gruppenleiter im SAP-Bereich, ist seit zwölf Jahren bei der INFO AG und nimmt das Angebot gerne in Anspruch. Seine persönlichen Entwicklungsziele: Er will einen jüngeren Kollegen anlernen und außerdem seine Präsentationstechniken verfeinern. Die Teilnehmer treffen sich regelmäßig und erörtern wie ihr aktueller Entwicklungsstand aussieht. Dabei tauschen sich die Kollegen untereinander aus. Jeder berichtet, wo er momentan steht, ob es möglicherweise Probleme gibt und wo es hakt. Die anderen Teilnehmer stellen kritische Fragen und geben häufig wertvolle Tipps. Die Mitarbeiter bekommen so Gelegenheit, ihre Arbeit zu reflektieren, eine neue Perspektive einzunehmen und zu lernen, wie sie alltägliche Hürden meistern. Die Gruppentreffen werden ergänzt durch regelmäßige Reflexionsgespräche jedes einzelnen Teilnehmers mit seinem Coach. Axel Fischer nahm beispielsweise bereits viel für sich mit. «Ich weiß jetzt, was ich alles beachten muss, wenn ich einen jungen Kollegen anlernen will«, sagt er.

Erste Impulse für die Branche sind gesetzt

Die Führungsetage der INFO AG sieht das Unternehmen mit der neuen Personalpolitik auf dem richtigen Weg. «Wir haben das Gefühl, dass diese individuelle Förderung unseren Mitarbeitern gut tut und sie motiviert. Das kommt natürlich nicht nur den Kollegen zu Gute, sondern macht sich auch in ihren Leistungen bemerkbar«, so Vorstand Stoek. Anderen Unternehmen der Branche kann er deshalb nur empfehlen, den älteren Mitarbeitern mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Martin Schmidt vom BITKOM zieht ebenfalls eine erste positive Bilanz aus der Modellphase. «Unser Ziel ist es, nach den Pilotprojekten aus den gewonnenen Erfahrungen Leitfäden für andere IT-Betriebe zu entwickeln. Wir wollen noch mehr Unternehmen dazu bewegen, erfahrene Fachkräfte stärker zu fördern«, erklärt der Projektmanager. Schmidts Einschätzungen zufolge ist die individuelle Qualifizierung und das lebenslange Lernen allerdings nichts, was nur die ältere Generation dringend benötigt. «Meiner Meinung nach sollten alle IT-Fachkräfte von den Unternehmen die Möglichkeit zur regelmäßigen Weiterbildung bekommen. Es ist aber auch das eigene Engagement der Mitarbeiter gefragt, damit sie ihr Fachwissen stets auf dem Laufenden halten – egal ob jung oder alt«, sagt er.

 

 

 


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