IBM Virtuelle Sicherheit

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In der Virtualisierung stecken Chancen, aber auch Gefahren

Virtuelle Sicherheit

Die Virtualisierung bietet unbestreitbare Vorteile. Auf der anderen Seite handelt man sich zusätzliche Sicherheitsprobleme ein, die mit herkömmlichen Ansätzen nicht abgedeckt werden können.

 

V

irtualisierung ist die große Chance der Unternehmen, Kosten zu senken und die Flexibilität Ihrer IT zu erhöhen. Auch ist Virtualisierung einer der Schritte hin zu Cloud Computing. Selbst wenn Cloud Computing nicht für jeden Kunden und jede Applikation geeignet ist, so ist doch die Vorstufe hierzu eine massive Erleichterung für den IT-Betrieb.

Die Flexibilität erkauft man sich jedoch mit einem weiteren Sicherheitsproblem. Es gilt nicht nur, die bisherigen Schutzmechanismen einer traditionellen Infrastruktur auch in virtuellen Umgebungen nachzubilden, es müssen darüber hinaus weitere Sicherungsmaßnahmen erfolgen, die auf die Besonderheiten der Virtualisierung eingehen. Das Umziehen ganzer Server von einem Rechenzentrum in ein anderes mit nur einem Mausklick ist eines der Beispiel, die die Besonderheit dieser Technologie aufzeigt.

Keine Frage ist Virtualisierung ein Segen für den kosteneffizienten Betrieb der IT Infrastruktur. Weniger Server, weniger Netzwerk, bessere Auslastung der Server, geringere Kosten für Kühlung, geringerer Platzbedarf, geringere Stromverbrauch und das bei mehr Flexibilität. Daraus ist ein »Hype« entstanden, weil viele IT-Verantwortliche ihr Heil in dieser Technologie suchen. Der permanente Kostendruck lässt auch keine andere Wahl.

Virtuell gesichert.

Diese Massenbewegung hin zu einer Technologie lockt natürlich auch Hacker an, die sich daran versuchen, Lücken speziell in diesen neuen Technologien zu suchen. Sie forschen nach neuen Angriffswegen, denn die Übernahme einer kompletten virtualisierten Umgebung eröffnet ungeahnte Kontrolle über ein Firmennetzwerk. Die Folgen wären verheerend. Es ist daher dringend nötig, den Schutzbedarf an Virtualisierung anzupassen, frühzeitigen Schutz zu gewährleisten, Transparenz wieder herzustellen und mindestens die gleichen Sicherheitsfunktionen zu etablieren, wie sie in physikalischen Netzstrukturen realisiert sind plus eine Sicherheitslösung, die mit der Flexibilität von Virtualisierung umgehen kann.

Im Kontext sei erwähnt, dass IBM mit ihrer Forschungsabteilung X-Force in letzten Jahr 8.562 Schwachstellen in Applikationen, Betriebssystemen und Netzwerkkomponenten dokumentiert hat. Das sind mögliche Eintrittspunkte, die teilweise je nach Schweregrad vollen administrativen Zugriff auf den Server ermöglichen können. Kombiniert mit einer sogenannte Hypervisor Escape Attacke, also dem Bypass des Hypervisors in der Kommunikation zwischen mehreren Virtuellen Maschinen (VM), braucht es keine Fantasie, um sich ein Schreckensszenario auszumalen. Ist eine Cloud Burst Attack, so nennt sich das oben beschrieben Szenario, nur ein theoretisch möglicher Ansatz verifiziert in den Laboren oder bald schon Realität in Firmennetzen? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, aber hat man Stuxnet vor dem Bekanntwerden für möglich gehalten? Können sich hochqualifizierte Hacker zusammenschließen und den Super-GAU in der IT vorbereiten? Es ist nur eine Frage der Motivation.

Was kann ein IT-Leiter in einem vertretbaren Maß an Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, wenn Virtualisierung oder gar Cloud Computing nicht der Sicherheit geopfert werden darf?

Die Liste der Maßnahmen ist lang, aber es gibt momentan keinen anderen Weg.

        Netzwerk-Firewall vor dem Virtualisierung-Cluster

        Netzwerk-Intrusion-Prevention ebenfalls vor dem Cluster

        Patchmanagement für Hypervisor und alle VMs

        Anti-Virus in den VMs, Anti-Virus auf virtueller Netzwerkebene reicht nicht aus!

        Compliance Management

        Security Configuration Management

        Vulnerability Management

        Hyper-Visor Integrity Monitoring

        Root Kit Detection

        Firewall innerhalb der Virtualisierung

        Intrusion Prevention innerhalb der Virtualisierung und/oder den VMs

        File Integrity Monitoring in den VMs für wichtige Applikationen und Daten

        Applikationsüberwachung

        Virtual Network Admission Control

 

Das sieht zunächst nach einer langen Liste aus, die das Einsparpotenzial von Virtualisierung schnell schrumpfen lässt. Doch sollten sich viele dieser Sicherheitsfunktionen bereits in traditionellen Infrastrukturen auf den Servern und im Netzwerk befinden.

Zugegeben, wenn man das Thema falsch anpackt, sind die Betriebskosten immens. Das ist auch der Grund, warum viele IT-Leiter vor dieser Investition zurückschrecken. Es sei bisher nichts Nennenswertes passiert, ist selbst in großen Konzernen immer noch eine Antwort, die diesen Investitionsstau begründet. Aufgrund der sich häufenden Vorfälle, ist die Begründung allerdings nicht mehr zeitgemäß. Leider starten die Projekte erst, wenn ein Vorfall die Verwundbarkeit aufgedeckt hat oder der Compliance-Verantwortliche die Intransparenz der Virtualisierung als klaren Verstoß gegen die eigenen Richtlinien betrachtet. Dann aber bleibt wenig Zeit, eine gute Lösung zu integrieren. Zeitdruck ist kein guter Ratgeber.

Ideallösung.

Wie sieht eine Ideallösung auch im Hinblick auf Sicherheit und Betriebskosten aus? Gehen wir davon aus, dass ein Rechenzentrum nicht komplett virtualisiert ist, weil rechenintensive Applikationen und I/O-intensive Transaktionen höchstens in ausgewachsenen Unix- und Mainframe-Rechnern virtualisiert werden sollten. Ideal ist demnach eine Security-Lösung, die keinen Unterschied zwischen traditioneller IT-Security und IT-Security in virtualisierten Umgebungen macht, dabei aber auf die Besonderheit der Virtualisierung eingehen kann. Wir benötigen also eine Agenten, der in gleicher Weise auf allen Endpunkten (Server, Desktop, Hypervisor, VMs, Mobile Endgeräte) im Unternehmen installiert werden kann und eine Netzkomponente, die sowohl in virtuellen Netzen, wie auch in konventionellen Netzen für die Sicherheit und Transparenz sorgt. Mehr braucht es nicht, wenn wir die Aspekte Datensicherung, Verschlüsselung sowie Indetity & Access Management in diesem Kontext nicht berücksichtigen.

Betrachten wir zuerst den Agenten für alle Endpunkte. Die Vielzahl der notwendigen Funktionen, die in einem einzigen Agenten vereint werden müssen, klingt erst einmal nach einem hohen administrativen Aufwand und nach Performancehunger.

Mit konventionellen Technologien ist diese Herkulesaufgabe nicht angemessen zu bewältigen. Aufgrund der Dynamik, die in virtualisierten Umgebungen zu erwarten ist, muss jeder Endpunkt selbst für seine Sicherheit, Compliance, Aktualität und Funktionsweise verantwortlich sein. Die Policy hierfür kommt vom zentralen Server, der auch jegliche Änderungen protokolliert, den aktuellen Zustand jedes Endpunktes kennt und in nahezu Echtzeit einen unternehmensweiten Blick auf die Sicherheitslage ermöglicht. IBM selbst hat auf diese Technologie umgestellt, dadurch die Transparenz verbessert und massiv Betriebskosten eingespart. »Better Security @ Lower Cost« ist nicht nur Marketingslogan sondern Realität. Der Agent hat einen extrem kleinen »Footprint«, benötigt also nur geringe Systemressourcen, wohl gemerkt bei allen Funktionen, die in Abbildung 2 skizziert sind.

Secure Virtual Machine (SVM).

Die Netzkomponente für die Sicherheit in einer Virtualisierungsplattform ist eine Secure Virtual Machine (SVM), in traditionellen Netzen jedoch eine Appliance. Beide werden aus der gleichen Managementkonsole verwaltet, so dass die Konsolidierung und Korrelation der Events schnell und zuverlässig erfolgt. Ein Security Administrator darf sich nicht die Frage stellen müssen, ob er nun eine Policy für einen virtuellen Server erstellt oder für einen physikalischen. Auch darf kein Unterschied in der Eventbehandlung gemacht werden müssen, denn das kostet Zeit. Im Angriffsfall zählt aber jede Minute; der schnelle Überblick kann viel Schaden abwenden. Aber welche Sicherheitsfunktionen gehören in die Netzkomponente und welche müssen direkt auf dem Endpunkt installiert sein? Je früher ein potenzieller Angriff herausgefiltert werden kann, umso besser. Auf die Netzkomponente gehören also Firewall, Intrusion Prevention, Web Application Security, IP- Reputation, optional Proxy, Anti-Virus/Anti-Malware. Da Hacking-Tools mittlerweile schon mit SLAs und 24x7 Support verkauft werden, bieten einige Anbieter an, ihr Hacking-Tool zu aktualisieren, sollte eine Firewall oder eine Anti-Virenlösung den Angriff entdecken. Das sind beides Technologien, die weiterhin benötigt werden, aber auf die sich die Hacker schon eingestellt haben. Die Königsdisziplin ist daher, den Datenstrom zu analysieren, den eine Firewall passieren lässt und ein Virenfilter nicht sehen kann.

Intrusion Prevention.

Intrusion Prevention ist leider ein Begriff, der die Unterschiede der darunterliegenden Architektur nicht beschreibt, aber exakte Erkennung und frühest möglicher Schutz sind genau Elemente, die den Wert einer Intrusion-Prevention-Lösung ausmachen. Auch muss ein Anbieter einer IPS-Lösung abschätzen, welche Bedrohungen wirklich zu einem Problem werden, denn es gibt weltweit keinen Anbieter, der gegen alle oben bereits genannten 8.562 Schwachstellen allein in 2010 einen Schutzmechanismus in seine IPS-Lösung integriert hat. Technisch ist dies zwar zu realisieren, aber der Kunde würde den Preis hierfür nicht bezahlen wollen. Es gilt also eine exakte Abschätzung zu machen. Ein IPS soll gegen alles schützen können, dass zu einem Problem werden könnte.

Überflüssige Erkennungsmethoden kosten Entwicklungsaufwand, bringen aber keinen Nutzen. Manche-IPS Hersteller werben mit einer hohen Anzahl von Signaturen. Paradoxerweise ist das ein Hinweis, dass der Anbieter keine hohe Qualität liefert, weil er die Relevanz für Unternehmen nicht einzuschätzen vermag. Masse ist kein Zeichen für Klasse. Umgekehrt ist aber eine kleine Anzahl von Signaturen oder Erkennungsmethoden nicht zwangsläufig ein Gradmesser für hohe Qualität. Ohne massiven Forschungsaufwand, Reverse Engineering, Internetanalyse und einer großen Managed-Security-Services-Infrastruktur ist diese Aufgabe nicht zu lösen. Das begründet auch, warum hochwertige IPS-Lösungen nicht für kleines Geld zu haben sind.

Der Mehrwert einer Intrusion-Prevention-Lösung wird immer deutlicher. Nahezu jeden Tag steht zu lesen, welchen zweifelhaften Erfolg Hacker errungen haben. Ist eine Firma oder eine Sparte erst einmal im Fokus, wird die Lücke schon gefunden. Hacker brauchen Stunden, um aus einer Lücke einen Angriff zu erstellen, aber Firmen brauchen Wochen, um alle ihre Systeme auf den aktuellen Stand zu patchen, falls denn der Patch überhaupt verfügbar ist. Es braucht also einen virtuellen Patch, der solange die Lücke verschließt, bis der Herstellerpatch ausgerollt werden kann – im Netzwerk, auf dem Server und auf dem Desktop, ob virtuell oder konventionell. Ein gutes Intrusion-Prevention-System sollte dieses leisten.

Das Ziel: eine Managementkonsole.

Bleibt nur noch die Frage nach den Betriebskosten zu klären. In den meisten Organisationen sind die oben beschriebenen Funktionen auf mehrere Managementlösungen verteilt, die jeweils ihre eigene Infrastruktur benötigen.

Patchmanagement, Softwareverteilung, Anti-Malware, Compliance Management, Security Scan, Intrusion Prevention benötigen teilweise je eine eigene Managementkonsole, Relays für größere Installationen und spezialisiertes Betriebspersonal. Der Ressourcenbedarf auf den Endgeräten ist auch nicht zu vernachlässigen. Rechnet man den Aufwand, Lizenzkosten, Schulungskosten, Personal, Stromverbrauch, Rechenzentrumsplatz, Kühlung ein, ist schnell Budget verfügbar, wenn man bereit ist alte Strukturen aufzubrechen. Der Lohn ist ein einheitliches zentrales Management, bei stark reduzierten Betriebskosten, einer ungeahnten Transparenz, Compliance Enforcement und natürlich die gesteigerte Sicherheit. Einzige Herausforderung bleibt, ein bis zwei Managementkonsolen organisatorisch im Unternehmen zu verankern, die alle relevanten Aufgaben zentral übernehmen können. Aus Kostengründen wird auch diese Hürde fallen, ist aber tatsächlich bei vielen Unternehmen ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Resümee.

Virtualisierung birgt neben den schon bestehenden Gefahren neues Gefährdungspotenzial. Dieses muss neu bewertet werden. Da der Handel mit Firmengeheimnissen und Kundendaten ein lukratives Geschäft geworden ist, passen sich Hacker diesem Trend an. Eine neue Qualität an Sicherheitsmechanismen ist erforderlich, aber, wenn man bereit ist, neue Wege zu gehen, wird ein schneller Return on Investment zusätzlich mit effektivem Security Management belohnt. Sinnvoll ist, seine Security-Strategie nicht der Virtualisierung anzupassen, sondern in einer geänderten Security-Strategie Virtualisierung mit einzubinden. Das ist ein großer Unterschied.

Peter Häufel

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Peter Häufel, Senior Solution Sales Professional, IBM Security Solutions

 

 

 

 

Abbildung 1: Ein Agent wird in gleicher Weise auf allen Endpunkten (Server, Desktop, Hypervisor, VMs, Mobile Endgeräte) im Unternehmen installiert und eine Netzkomponente sorgt sowohl in virtuellen Netzen, wie auch in konventionellen Netzen für die Sicherheit und Transparenz. Die Netzkomponente für die Sicherheit in einer Virtualisierungsplattform ist eine Secure Virtual Machine (SVM), in traditionellen Netzen jedoch eine Appliance.

Quelle: IBM

 

 

 

 

 

Abbildung 2: Der Agent hat einen extrem kleinen »Footprint«, benötigt also nur geringe Systemressourcen, trotz aller in der Abbildung dargestellten Funktionen.

Quelle: IBM

 

 

 


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