Der IT-Arbeitsmarkt 2011

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Interview mit Dr. Peter Littig, Direktor Bildungspolitik/-strategie, DEKRA Akademie GmbH

Der IT-Arbeitsmarkt lebt auf

Der Stellenmarkt für IT-Spezialisten ist so positiv und nachfrageorientiert wie schon lange nicht mehr. Welche Qualifikationen werden besonders nachgefragt?

 

 

Der diesjährige DEKRA Arbeitsmarktreport malt den IT-Arbeitsmarkt 2011 ja in leuchtenden Farben. Wie kommen Sie auf diese Ergebnisse?

Ja, tatsächlich ist der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte so gut wie lange nicht mehr.

Die Ergebnisse des seit einigen Jahren erscheinenden Arbeitsmarkt-Reportes der DERKA Akademie basieren auf der Analyse gewerblicher Stellenanzeigen in einer repräsentativen Auswahl deutscher Tageszeitungen und Online-Jobbörsen zu einem bestimmten Stichtag. Die Untersuchung nimmt dabei die Perspektive eines Stellensuchenden ein, der sich am Samstagmorgen über vorhandene Ausschreibungen informiert.

 

Welche Ergebnisse liegen im Detail vor?

Insgesamt haben wir am Stichtag 10.558 Stellenangebote gezählt, 920 davon waren Angebote für IT-Fachkräfte. Im Vergleich dazu standen im Vorjahr lediglich 591 Stellenangebote zur Auswahl. Die meisten der Anzeigen haben Arbeitgeber in diesem Jahr selbst inseriert, fast vier von fünf Positionen werden direkt besetzt (78,3 Prozent). Dabei handelt es sich zumeist um unbefristete Stellen in Vollzeit. Weitere 14 Prozent der Offerten stammen von Zeitarbeitsunternehmen.

Neben der rein quantitativen Auswertung wurden für die Berufsgruppen in der ITK zusätzlich 351 Anzeigen im Volltext untersucht. So wissen wir, welche Fertigkeiten und Kompetenzen von den entsprechenden Berufsgruppen heute verlangt werden.

 

Wer hat denn nun besonders gute Chancen?

Am häufigsten gesucht werden weiterhin Fachkräfte im Bereich Software-Entwicklung. Fast ein Drittel aller IT-Stellen entfällt auf Software-Entwickler und -architekten. Ihnen standen am Stichtag 84 Prozent mehr Offerten zur Auswahl als noch vor einem Jahr. Mit fast einem Viertel Anteil sind allerdings auch Fachkräfte im Bereich Systems Engineering und Informatiker sehr gefragt.

 

Wie sieht es bei IT-Dienstleistern aus?

Auch die IT-Dienstleister erleben derzeit einen Aufschwung, weil Unternehmen wieder mehr neue oder auch zurückgestellte Projekte realisieren. IT-Beratern standen am Stichtag 167 Stellenangebote zur Verfügung. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es lediglich 67 Jobofferten. Fachleute für Großrechner hingegen zählen zu den Experten, für die sich die Nachfrage auf dem Stellenmarkt naturgemäß weiter sinken dürfte.

 

Welche Aufgabengebiete haben aktuell das größte Potenzial?

Die Analyse der Stellenanzeigen zeigt, dass mögliche Kandidaten am häufigsten bei Servern und Netzwerken sowie Administrations- und Unternehmensanwendungen eingesetzt werden. Mit steigender Zahl webbasierter Anwendungen und Technologien, etwa im Bereich Social Media, Online-Plattformen oder Collaboration Tools, hat sich ein weiteres vielseitiges Einsatzgebiet für IT-Spezialisten aufgetan. Während vor zwei Jahren nur 9,1 Prozent der Stellenangebote Internet und Web 2.0 als späteres Einsatzgebiet für Bewerber nannten, trifft dies in diesem Jahr fast für jede fünfte IT Position zu.

 

Zu den fachlichen Kenntnissen: was wird nachgefragt?

Da Unternehmen verstärkt Fachkräfte im Bereich Software-Entwicklung suchen, bleibt die Fähigkeit zu Programmieren mit Abstand die wichtigste Qualifikation. Fast die Hälfte aller Inserate für IT-Spezialisten beinhaltet diese Anforderung. Ihre Bedeutung ist gegenüber der vertiefenden Analyse in 2009 deutlich gestiegen – seinerzeit waren Programmierkenntnisse für 29,8 Prozent der Positionen Voraussetzung, während der entsprechende Wert in diesem Jahr bei 47 Prozent liegt.

In 302 Fällen werden Kenntnisse spezifischer Programmiersprachen genannt. Hier liegt weiterhin Java an erster Stelle (20,9 Prozent). Darüber hinaus hat die Nachfrage nach Softwarekenntnissen zur Webgestaltung, wie HTML (10,9 Prozent), CSS (9,3 Prozent) und XML (8,3 Prozent) weiter zugenommen. Innerhalb der C-Sprachen hat sich C++ mit 8,3 Prozent aller Nennungen durchgesetzt.

Bemerkenswert ist, dass sich an zweiter Stelle der Kenntnisse, die Kandidaten für die IT mitbringen sollten, Erfahrung in der Kundenbetreuung findet. Hier dürften nicht allein externe Kunden sondern auch interne Kunden, sprich Anwender, gemeint sein, für die IT-Abteilungen als Dienstleistungspartner agiert. Denn fast ebenso viele Stellenanzeigen fordern Erfahrung in der Software- und Systemadministration. In diesem Zusammenhang ist auch die Entwicklung und Implementierung von Applikationen wichtig. Ebenso fallen die Qualifizierung von Anwendern sowie Vertrieb und Kundenberatung in das künftige Aufgabengebiet von IT-Mitarbeitern. Um die anspruchsvollen Aufgaben und Projekte in der IT-Entwicklung und -Administration erfolgreich durchzuführen, benötigen IT-Spezialisten gute Kenntnisse im Projektmanagement.

 

Haben die Arbeitgeber weitere Anforderungen auf ihrem Wunschzettel?

Neben Qualifikationen, die unmittelbar mit IT- und Projektaufgaben zusammenhängen, wünscht sich ein nennenswerter Teil der Arbeitgeber von künftigen Mitarbeitern Verständnis ökonomischer Zusammenhänge (BWL), manchmal sogar spezifisches Branchenwissen. Bei den Fremdsprachen ist Englisch selbstverständlich, andere Fremdsprachenkenntnisse sind meist von geringerer Bedeutung.

 

Wie wichtig ist den Arbeitgebern Berufserfahrung?

Erfahrung ist eindeutig ein Plus bei der Bewerbung: Werden Angaben dazu gemacht, wünschen sich Arbeitgeber in der Regel Bewerber mit mehrjähriger Berufserfahrung (41,6 Prozent). In mehr als der Hälfte der Stellenanzeigen (56,3 Prozent) finden sich hierzu keine konkreten Angaben: Bei diesen Stellenangeboten setzten aber oft die beschriebenen Aufgabenfelder per se Berufserfahrung voraus. Dennoch finden sich bei den Stellenausschreibungen auch »Junior-Positionen«, bei denen vermutlich auch Absolventen oder Kandidaten mit einer Ausbildung sowie entsprechenden Zusatzqualifikationen und Praktika eine Chance haben.

 

Die IT ist geprägt von immer kürzer werdenden Entwicklungszyklen. Wie stellen Unternehmen sicher, dass neue Mitarbeiter die Voraussetzungen mitbringen, um mit dem Tempo mitzuhalten?

Ja, immer schnelllebigere und komplexere Technologien erfordern hoch qualifizierte Mitarbeiter. Das scheint auch der Grund zu sein, weshalb heute auch Arbeitgeber in der IT-Branche stärker auf formale Abschlüsse achten als früher: Für 64,6 Prozent der Stellen ist inzwischen ein Hochschulabschluss erforderlich, dies sind fast fünf Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Auch eine solide IT-Ausbildung, wie beispielsweise Fachinformatiker/in, ist hoch angesehen: In fast einem Viertel der Offerten wird eine Ausbildung verlangt (24,2 Prozent). 40 Stellenangebote richten sich explizit gleichermaßen an Kandidaten mit Studium oder Ausbildung. Dies zeigt, dass eine Ausbildung, gegebenenfalls ergänzt durch weitere Qualifizierungen oder Zertifikate, gute Möglichkeiten in der IT-Branche bietet. Allerdings scheint meines Erachtens die Zeit vorbei zu sein, in der man in diesem Zusammenhang IT Qualifikation fast ausschließlich auf den Erwerb von Produktzertifikaten verengte.  

 

Das sprichwörtliche Nerd-Image war früher fast schon ein Qualitätskriterium für einen IT-Mitarbeiter. Wünschen sich Arbeitgeber von ihren IT-Mitarbeitern mittlerweile auch Soft-Skills?

Falls Sie mit der Bezeichnung Nerd einen Computerfreak umschreiben, so wird man diese auch in Zukunft benötigen. Firmen wie Apple, Microsoft, Facebook u.a. wären ohne diese Nerds nicht da wo sie heute stehen. Ich sehe auch nicht unbedingt einen Widerspruch zu der Tatsache, dass Soft-Skills unabdingbar für die dauerhafte Beschäftigungsfähigkeit eines Menschen sind.

IT-Fachkräfte arbeiten heute meist teamübergreifend und interdisziplinär mit Fachabteilungen und Kunden zusammen. Hierfür brauchen sie ausgeprägte persönliche Eigenschaften in den Bereichen Team- und Kommunikationsfähigkeit sowie eine hohe Motivation. Diese Soft Skills werden daher am häufigsten genannt und haben gegenüber 2009 weiter an Bedeutung gewonnen.

Von Arbeitgebern und Professoren wird immer wieder kritisiert, dass im Zuge der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge das selbstständige Denken und Handeln der Absolventen auf der Strecke bleibt. Eventuell steht die auffällig starke Zunahme der persönlichen Eigenschaft »Selbstständigkeit« um fast 10 Prozent damit in Zusammenhang. Durchsetzungsfähigkeit und sicheres Auftreten wird hingegen weniger häufig nachgefragt als noch vor zwei Jahren, als Projekte und Aufträge deutlich schwieriger zu gewinnen waren. Die meisten anderen Eigenschaften haben sich nur wenig verändert.

 

Wenn jemand die Karriereleiter hochsteigen möchte: ist ein Job in der IT dann empfehlenswert?

Kandidaten, die Verantwortung übernehmen wollen, finden auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Angebote. Am Erhebungstag beinhaltete jedes zehnte Stellenangebot den Hinweis, dass es sich um eine Position mit Führungsaufgaben handelt. Allerdings war dies vor zwei Jahren noch bei jeder fünften Offerte der Fall.

Fast zwei Drittel der Arbeitgeber, die Bedarf an Führungskräften haben, suchen Projektleiter und -manager; 17,2 Prozent von ihnen sind auf der Suche nach Teamleitern. Traineeships, in denen Young Professionals systematisch auf Führungspositionen vorbereitet werden, scheinen hingegen in der IT nicht sehr verbreitet zu sein. Lediglich zwei Unternehmen boten dem Nachwuchs am Erhebungstag entsprechende Entwicklungsprogramme. Allerdings kann dies auch darin begründet sein, dass Traineeships nicht immer über klassische Stellenausschreibungen vergeben werden.

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