Grau Inkasso-Anwalt bei schlechter Zahlungsmoral

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Inkasso-Anwalt

Was tun bei schlechter Zahlungsmoral?

Säumige Kunden sind ein Schreckensszenario für jedes Unternehmen. Denn wenn Kunden ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen, kann ein Unternehmen womöglich selbst in die Bredouille geraten. Doch viele Gläubiger zögern beim Anmahnen von Außenständen. Schließlich möchte man es sich mit keinem Kunden verscherzen – selbst dann nicht, wenn das Geld für erbrachte Leistungen aus bleibt. Ein kundenfreundliches Verhalten, das leider auch schwerwiegende Folgen haben kann. Im schlimmsten Fall können Forderungsverluste eine Insolvenz nach sich ziehen.

 

 

Wie aber sollte man sich als Unternehmer bei zahlungssäumigen Kunden verhalten? Welche Form muss gewahrt werden, bevor es zum Äußersten kommt? Wir waren hierzu im Gespräch mit Horst Smigelschi, GRAU Rechtsanwälte aus Wiesbaden.

 

Herr Smigelschi, in der Hektik des Tagesgeschäfts kann es vorkommen, dass eine Rechnung übersehen wird. Welche Vorgehensweise empfehlen Sie Unternehmen bei überfälligen Zahlungsforderungen?

Gerade bei größeren Unternehmen verschlingt Forderungsmanagement viel Zeit. Selbstverständlich muss man seinen Kunden, vor allem Bestandskunden, die Möglichkeit einräumen, übersehene Rechnungen zu begleichen. Man sollte jedoch mit der Erinnerung nicht zu lange warten.

 

Wie oft sollte man säumige Kunden anmahnen und in welchen Zeitabständen sollte das passieren?

HS: Viele Unternehmen machen den Fehler und verschenken zu viel Zeit und Arbeitskraft – und damit eigene Liquidität – in das eigene Mahnwesen. Meine Faustformel lautet: Eine Erinnerung und eine Mahnung, jeweils nach 14 Tagen. Danach sollte man diese mühselige Arbeit, mit der man selber wenig Erfahrung hat, in professionelle Hände abgeben.

 

Ab wann würden Sie einem Unternehmen empfehlen, sich professionell von einem Inkasso-Anwalt vertreten zu lassen?

Die Einschaltung eines auf Inkasso spezialisierten Anwaltes lohnt sich immer, also schon beim ersten säumigen Kunden. Schon mit dem ersten Forderungsausfall verliert der Unternehmer wichtiges Kapital.

 

Über welche zusätzlichen Mittel verfügt ein Inkasso-Anwalt, um Gläubiger zu ihrem Recht zu verhelfen?

Nur ein Rechtsanwalt kann die Interessen seines Mandanten auch gerichtlich durchsetzen. Ein Inkassounternehmen ist hierzu bereits von Gesetzes wegen nicht ermächtigt und somit ab einem bestimmten Zeitpunkt auf die Hilfe eines kooperierenden Rechtsanwaltes angewiesen. Diesen Umweg kann sich der Unternehmer also sparen.

 

Viele Unternehmen schrecken davor zurück, einen Inkasso-Anwalt einzuschalten. Die Gefährdung der Kundenbeziehung spielt dabei eine ebenso große Rolle wie die Kosten, die Gläubiger durch einen Inkasso-Anwalt auf sich zukommen sehen. Können Sie uns kurz erklären, woran sich Ihr Honorar bemisst oder anders herum: Wie viel Prozent der offenen Forderungen werden i.d.R. vom Inkasso-Anwalt als Honorar einbehalten?

Im Normalfall ist die Tätigkeit des Inkasso-Anwaltes für den Gläubiger sogar umsonst. Der Schuldner hat nämlich diese Kosten zu tragen. Im Übrigen würde sich das Honorar transparent nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz bemessen. Und im Gegensatz zum gewöhnlichen Inkassounternehmen werden keine Mitgliedsgebühren, Jahresbeiträge oder prozentuale Beteiligungen erhoben.

 

Jede Branche hat ihre Klischees. Bei Inkasso-Unternehmen entsteht im Kopf unweigerlich das Bild von bedrohlich aussehenden Männern osteuropäischer Herkunft, die überdeutlich ihre Bereitschaft signalisieren, Zahlungsforderungen durch Körpereinsatz Nachdruck zu verleihen. Ein Klischee, dem Sie, Herr Smigelschi, so ganz und gar nicht gerecht werden. Sind Unternehmen, die mit solchen Einschüchterungsmethoden das oben beschriebene Klischee bedienen eher als schwarze Schafe zu bezeichnen oder muss man hier zwischen Inkasso-Anwalt und -Unternehmen unterscheiden?

Genau diese Unterscheidung ist besonders wichtig. Man kann den hoch qualifizierten Rechtsanwalt nicht mit einem Inkassounternehmen vergleichen, bei denen es immer wieder schwarze Schafe gibt. Die Rechtsanwaltskammer achtet nämlich sehr genau darauf, dass es bei den Anwälten zu keinen Unregelmäßigkeiten kommt.

 

Vor allem in den zurückliegenden Krisenjahren 2009/2010 verschlechterte sich die Zahlungsmoral deutlich. Gestatten Sie uns daher abschließend folgende ketzerische Frage: Sind Inkasso-Anwälte heimliche Gewinner von Wirtschaftskrisen?

Ich denke nicht. Zwar erhöht sich auf der einen Seite die Anzahl der Gläubiger, aber die immer steigende Anzahl von Insolvenzen führt eben auch dazu, dass Forderungen uneinbringlich werden. Aber selbst an dieser Stelle kommt ein weiterer Vorteil des Inkasso-Anwaltes ins Spiel. Dieser kann die Rechte des Gläubigers im Rahmen eines Insolvenzverfahrens bestmöglich vertreten.

 

Herr Smigelschi, vielen Dank für das informative Gespräch.

 

Das Interview führte Peter Kasprzyk

 

 

Horst Smigelschi von GRAU Rechtsanwälte in Wiesbaden. GRAU Rechtsanwälte steht für wirtschaftsrechtliche Kompetenz, wobei das Anwalts-Inkasso einer der Schwerpunkte ist. Für ihre Inkasso-Mandanten sind die GRAU Rechtsanwälte im gesamten europäischen Raum erfolgreich tätig und unterstützen mit langjähriger Erfahrung mittelständische Unternehmen sowie Klein- und Einzelunternehmen in den Bereichen Mahnwesen, Inkasso, Prozessführung und Vollstreckung.

 

 


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