Alpha Business Interview mit Henrik Hausen

 Home | News | Hefte | Mediadaten | Online-Artikel | Kommentare | Trends | Wir-ueber-uns | Tipps | Impressum | CeBIT 2012

 

Home
News
Trends
Hefte
Online-Artikel
Kommentare
Service-Angebote
Feedback
Abonnement
Wir-ueber-uns
Tipps
Impressum
Veranstaltungen


»manage it« als

E-Paper  11-12 2011
E-Paper  9-10 2011
E-Paper  5-6 2011
E-Paper  3-4 2011
E-Paper  1-2 2011
E-Paper  11-12 2010
E-Paper  9-10 2010

E-Paper  7-8 2010
E-Paper  5-6 2010
 



 




 

 


 




 


 


 

 

Interview mit Henrik Hausen

Gestern Software, heute Plattform

Mobilität, Cloud, Flexibilität, zurzeit alles Megathemen. Selten einheitlich definiert und oft kontrovers diskutiert, sieht manch ein potenzieller Cloud-Einsteiger eher Nebel als klare Lösungsalternativen. Henrik Hausen, Vorstand der ALPHA Business Solutions AG, schildert seine Sicht der Dinge.

 

 

 

Herr Hausen, Ihr Unternehmen ist seit vielen Jahren als Realisierungspartner für den ERP-Standard proALPHA bekannt. Jetzt gehört zu ihrem Portfolio auch SAP Business by Design, eine SaaS-Lösung. Lässt sich da ein Trend ablesen?

Nein. Wir bedienen mit den beiden Produkten einfach verschiedene Märkte. Mit SAP Business by Design erschließen wir uns einen weiteren Markt, sowohl von den Branchen als auch von den Unternehmensgrößen her. So lernen wir weitere Betriebs-, Vertriebs- und Einführungsmodelle kennen.

 

Welche Zielmärkte betrifft das?

Mit proALPHA sprechen wir größere Mittelständler aus dem klassischen Produktionsbereich an – vor allem aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Elektroindustrie und der Möbelfertigung. Diese Unternehmen sind Projekt- und Einzelfertiger mit hochkomplexen Anforderungen im Bereich der Konfiguration, der Konstruktion, mit starken Produktionstiefen.

Mit SAP Business by Design adressieren wir derzeit vor allem Projektdienstleister und Händler. Man kann damit auch im kleineren Mittelstand einfachere Produktionsprozesse abbilden, allerdings nicht in dem Umfang wie bei einem bewährten und beim Kunden installierten ERP-System wie etwa proALPHA. Außerdem ist SAP Business by Design für Unternehmen ab zehn oder zwanzig Usern gedacht.

 

Mit eigenen Entwicklungen kommen Sie aber nicht auf den Markt?

Die Standardentwicklung und die technologische sowie funktionale Weiterentwicklung für proALPHA finden direkt bei der proALPHA Software AG statt. Wir sehen uns da ein Stück weit als Veredler. Wenn wir bei unseren Kunden Anforderungen entdecken, die sich multiplizieren lassen, entwickeln wir eigene Add-Ons für proALPHA, sogenannte ABS-Components. Das sind Funktionen, die wir kapseln, um sie unseren anderen proALPHA-Kunden ebenfalls anzubieten.

 

Also Customizing?

Nein. Mit Customizing ist ja meist gemeint, ohne Programmierung individuelle Anpassungen vorzunehmen. Unsere ABS-Components sind zusätzliche Funktionen, die wir selbst entwickeln. Was Business by Design betrifft, haben wir neben der Reseller- auch eine Entwicklungspartnerschaft mit SAP. Wir sind gerade dabei, erste Entwicklungsprojekte durchzuführen. Daraus wollen wir Erkenntnisse ableiten, welche Add-Ons wir künftig für unsere Kunden anbieten können. In einem zweiten Schritt wollen wir Apps entwickeln, die allen by Design-Kunden in einem App-Store zur Verfügung stehen.

 

Sehen Sie auch den Trend, dass es künftig nur noch wenige große Softwarehäuser geben wird und dazu eine Reihe von Branchenspezialisten als deren Partner? Sehen Sie sich vielleicht schon in der Rolle?

Früher haben Unternehmen eine Software gekauft, heute kaufen sie eher eine Plattform, die in die Zukunft reicht. Dabei gilt zu berücksichtigen, welche Leistungen man künftig beziehen kann, wenn sich etwa das Geschäftsmodell ändert, wenn das Unternehmen wächst oder schrumpft oder sich international aufstellt. Kann ich das mit dem Partner und dessen Lösung realisieren oder bin ich zu einem Systemwechsel gezwungen? Da zähle ich proALPHA aufgrund des Verbreitungsgrads und des technologischen und funktionalen Potenzials zu den großen Lösungen. Die Konsolidierung wird zwar weitergehen, sie wird aber letztlich nicht so stringent sein, dass nur einige wenige große Anbieter übrig bleiben.

 

Zurzeit gehören die mobilen Lösungen zu Ihren Hauptthemen?

Ja. Technologisch betrifft das auch beide Welten, proALPHA und SAP Business by Design. Neue funktionale Bedarfe gibt es hier eigentlich nicht, sondern es geht meist um Anforderungen, die aus der Optimierung der Kundenprozesse entstehen. Das betrifft etwa mobile Lagerlösungen, bei denen in externen Lägern on- oder offline die Ein- und Auslagerungen stattfinden. Da lassen sich in Bezug auf Kosten oder Einsparungen rasch Effekte erzielen. Momentan sind die Auslastungen im Operativgeschäft bei unseren Kunden sehr hoch, da entlasten solche Mechanismen natürlich auch, weil die Daten schneller vorhanden sind und so viel schneller disponiert werden kann.

Mobile Lösungen sind aber auch für das CRM interessant. Hier stellt sich die Frage: Muss ich online sein, wenn ich mit dem Notebook oder iPhone unterwegs bin, oder reicht nicht eine Offline-Variante – etwa auf der Basis von proALPHA? Auch im Offline-Modus hat der Mitarbeiter alle Stammdaten des relevanten Vertriebsbereichs parat und kann Aktivitäten erfassen. Die Änderungen werden dann beim nächsten Synchronisieren automatisch in die CRM-Anwendung des ERP-Systems übernommen. So verlagert man die Prozesskette ein Stückchen näher dorthin, wo sie startet, nämlich beim Kunden, im Home Office, im Flugzeug, in der Bahn, wo auch immer.

Ein weiteres Beispiel – vor allem im Maschinen- und Anlagenbau – ist der Servicebereich mit der Disposition von Ersatzteilen oder dem Servicehandling. Was ist zu tun, wenn eine Online-Verbindung nicht möglich ist. Sie haben keine Funkverbindung, müssen aber trotzdem einen Service erbringen. Auch hier haben wir Lösungen geschaffen, um einen Offline-Service anzubieten, der sich jeweils nach der Synchronisation parallelisiert.

Sie haben also im proALPHA-Umfeld die Möglichkeit, sowohl off- als auch online mobil zu arbeiten. Mit Business by Design sind Sie ohnehin mobil. Sie brauchen lediglich einen Browser und sind online. Mit dieser Plattform ist die firmenrelevante Kommunikation sichergestellt, egal wo sich der Mitarbeiter gerade befindet. Die Generation, die sich momentan mit diesen Themen beschäftigt, fühlt sich hier in ihren Gedankengängen stark unterstützt.

 

Ein anderes großes Thema ist die Cloud. Wie gehen Sie damit um?

Die Nutzung der Cloud wird dort am ehesten beginnen, wo die nicht operativen Elemente genutzt werden, denken Sie an Mail- oder Office-Produkte. Die Cloud bietet zudem eine ganz andere Flexibilität, beispielsweise in Sachen Lizenzen. Grundsätzlich sind unsere Maschinenbauer in Deutschland innovativ. Sie haben ja jeden Tag mit Hightech zu tun. Da funkeln so manchem die Augen bei der Vorstellung, was im Softwarebereich so alles gehen könnte. Allerdings ist das Vertrauen noch nicht so ausgeprägt, dass man so etwas auch über eine Leitung aus einem Rechenzentrum bezieht, das vielleicht hunderte oder tausende von Kilometern entfernt ist. Schließlich ist das auch ein Generationsthema.

Geht es aber um Produktionsthemen, Fein- oder Grobplanungen oder auch um Optimierungen, wird es wohl noch einige Zeit brauchen, bis das ein 500-Mitarbeiter-Unternehmen aus der Cloud bezieht. Der IT-Leiter ist heute nicht mehr derjenige, der mit Disketten oder CDs durch den Betrieb läuft und PCs und Software installiert, sondern er ist die Schnittstelle zwischen dem technisch Machbaren und den Anforderungen aus dem operativen Umfeld.

 

Verliert der CIO, der IT-Leiter durch Modelle wie die Cloud an Bedeutung oder wird er wichtiger?

Durch die Cloud wird die Welt ja nicht zwingend einfacher. Sie wird weniger technologisch, sie wird prozessual. Der CIO ist – weil heute ohne die IT-Unterstützung in den täglichen Prozessen ein Arbeiten gar nicht mehr möglich wäre – ein Teil der Wertschöpfungskette. Durch zunehmende Cloud-Services wird das Technologie-Thema immer irrelevanter, der prozessunterstützende Bereich dagegen immer wichtiger. Die notwendige Qualifikation für einen CIO lautet daher: Betriebswirt mit technischer Affinität. Zum einen deshalb, weil er natürlich die technischen Themen verstehen muss, etwa die Sicherheitsmechanismen. Zum anderen, weil er Leistungen definieren und einkaufen sowie über Konzepte entscheiden muss.

Heute gibt es FiBu oder EDI als Add-Ons, die einfach an ERP-Systeme gekoppelt werden können. Mit zunehmenden Weiterentwicklungen im proALPHA-Umfeld werden auch dort die Webservice-Technologien immer weiter Einzug halten. Wir müssen künftig immer mehr in die Architektur von Kundenlösungen gehen, also weg vom monolithischen ERP-Gedanken mit Anpassungen. Wir müssen eine Dirigentenfunktion übernehmen: Was empfehlen wir? Eher eine gehostete oder eine beim Kunden installierte Lösung.

 

Was sehen Sie als Entscheidungsgrundlage für die Cloud?

Die Cloud ist Thema vieler Veröffentlichungen, die sich meist mit der Flexibilisierung der Lizenzkosten beschäftigen oder mit dem Einkaufen des Betriebsmodells. Nach unseren Erfahrungen bleibt im Bereich ERP dabei oft das Wesentliche auf der Strecke: Was bringt mir eine Cloud-Lösung heute, wenn ich nicht die Funktionen bekomme, die ich brauche? Das ist in etwa so, als wenn mir jemand einen Sportwagen anbietet, ich aber einen Lkw brauche. Ich bekomme dann neueste, beste Technik, kann aber nichts transportieren. Darum glaube ich, dass das Thema Cloud auf ERP bezogen noch in der zweiten Reihe steht. Die Cloud ist momentan ein Hype-Thema, bei dem die funktionale Betrachtung zu kurz kommt, vor allem im ERP-Umfeld.

 

Herr Hausen, wir bedanken uns für das Gespräch.

 

__________________________________________

Das Gespräch führte Volker Vorburg


Folgen Sie »manage it« auf Google+




 


 


 

 

 
Copyright © 2003-2012  ap Verlag GmbH