Finanz Informatik Keine Cloud ohne Professionalisierung der IT

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Cloud Computing birgt für die Finanzbranche große Potenziale, ist aber kein Selbstläufer

Keine Cloud ohne Professionalisierung des IT-Betriebs

Cloud Computing wird in der Finanzwirtschaft zu einer weiteren Professionalisierung des IT-Betriebs führen und die Fertigungstiefe in der Produktion deutlich reduzieren. Das ist die langfristige Perspektive. Auf dem Weg dorthin gibt es noch einiges zu tun. Denn sowohl die Betreiber- als auch die Nutzerseite müssen zunächst die eigenen Strukturen professionalisieren, um eine auf Dauer erfolgreiche Partnerschaft im Sinne einer Private Cloud eingehen zu können. Eine der Schlüsseltechnologien auf dem Weg dorthin ist die Virtualisierung. Eine der größten Stolperfallen ist möglicherweise die einseitige Abhängigkeit von Technologien und Herstellern mit ihren ganz eigenen Interessen.

 

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nzweifelhaft wird Cloud Computing die IT in der Finanzwirtschaft in den nächsten Jahren nachhaltig verändern. Das Potenzial ist groß, insbesondere in Deutschland. Das Centre of Economics and Business Research gibt in seinem »2011 Cloud Dividend Report« beispielsweise die Einschätzung ab, dass die deutsche Finanzbranche die größten ökonomischen Vorteile aus der Cloud-Nutzung zieht. Bis 2015 macht sie ein Potenzial von 58,5 Milliarden Euro aus.

Es ist kein Geheimnis, dass die diversen Hersteller und Dienstleister durchaus unterschiedliche Vorstellungen von der Cloud haben. Während es für die einen eher ein Konzept für IT-Services und IT-Betrieb ist, definieren andere es stark über Technologien. Doch Cloud Computing über reine Web-Technologie zu definieren, ist mitunter zu kurz gegriffen. Tatsache ist aber auch, dass die Finanzwirtschaft, die traditionell mit großen IT-Dienstleistern zusammenarbeitet, als Vorreiter für Cloud Computing im Enterprise-Umfeld fungieren kann. Denn zu einem großen Teil sind die benötigten Strukturen bereits sowohl auf Seiten der Dienstleister als auch bei den Kunden selbst vorhanden. Doch auf dem Weg zum Ziel gibt es noch einiges zu tun, denn das Cloud Computing erfordert eine weitere Professionalisierung auf beiden Seiten.

Sicherheit, Verfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit.

In der sensiblen und sicherheitskritischen Finanzwirtschaft ist wenig Spielraum für technologische Abenteuer. Sicherheit, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit zählen wie in kaum einer anderen Branche. Dass Cloud Computing nach dem Pay-per-Use-Prinzip für alle Beteiligten das wirtschaftlichste Modell ist, steht außer Frage.

Unter dem Gebot der Sicherheit kommt Cloud Computing für Banken und Sparkassen im Prinzip nur im Rahmen einer Private Cloud infrage. Selbst einfache Funktionen aus einer Public Cloud wie Kalenderdienste, Office-Programme oder Mail Services zu beziehen, birgt bereits ein gewisses Risiko. Denn niemand weiß, wo diese Daten liegen und was im Zweifelsfall mit ihnen geschieht. Und selbst wenn die Daten auf europäischen Servern abgelegt werden, ist das nicht ohne Risiko. Erst kürzlich hat ein britischer Managing Director von Microsoft bei der Vorstellung von Office 365 auf Nachfrage eines Journalisten einräumen müssen, dass das Unternehmen keine Garantie dafür geben kann, dass Kundendaten nicht an US-Behörden wie etwa das FBI weitergegeben werden. Denn der US Patriot Act verpflichtet alle Anbieter mit Sitz in den USA zu einer umfassenden Kooperation. Das gilt auch für deren ausländische Niederlassungen.

Die grundlegenden Strukturen für eine Private Cloud sind in der Finanzwirtschaft – allen voran in den großen Finanzverbünden – meist bereits vorhanden. Es existieren mächtige, gesicherte Infrastrukturen und Netze, über die Anbieter und Abnehmer von IT-Services innerhalb einer eigenen, gesicherten Umgebung Daten austauschen und kommunizieren. Auf dem Weg zur Cloud erfolgt allerdings nochmals eine deutliche Lastverschiebung. Während dezentrale Ressourcen auf Anwenderseite abgebaut werden, werden die Strukturen im Rechenzentrum des Providers immer komplexer. Das erfordert eine zunehmende Professionalisierung auf beiden Seiten. Zum einen muss der IT-Dienstleister in der Lage sein, die Komplexität von Anwendungen und Infrastruktur zu beherrschen, noch schneller als bisher auf veränderte Anforderungen zu reagieren und natürlich zu jeder Zeit das gebotene Maß an Sicherheit und Verfügbarkeit zu gewährleisten. Das erfordert nicht zuletzt eine gewisse Größe, sowohl was die Kapazitäten in den Rechenzentren angeht, als auch die personellen Ressourcen. Aber auch die Anwenderseite muss sich umstellen. Mehr denn je benötigen die beauftragenden Institute eine klare Sourcing-Strategie. Und sie sind gefordert, ihre Prozesse so eindeutig zu strukturieren und zu verschlanken, dass sie sich ohne weiteres in die Cloud verlagern lassen.

Schlüsseltechnologie Virtualisierung am Beispiel der Finanz Informatik.

Am Beispiel der Virtualisierung als Schlüsseltechnologie für die Realisierung von Cloud Services lässt sich der Handlungsbedarf gut darstellen. Sie schafft erst die notwendige Flexibilität, um Workloads zielgerichtet zu steuern, zu managen und schnell auf häufiger auftretende Lastspitzen reagieren zu können. Gerade die großen Provider können erst dann die für den Betrieb einer Cloud erforderliche Dynamik erzielen, wenn sie sich weitgehend unabhängig von physikalischen Infrastrukturen machen und beliebige Ressourcen blitzschnell in virtueller Form bereitstellen können.

Für die Finanz Informatik ist die Virtualisierung längst eine strategische Technologie. Dass sie bereits seit Jahren in der Lage ist, bankfachliche Services nach dem Pay-per-Use-Modell in einer Art Vorstufe der Cloud bedarfsgerecht anzubieten, ist nicht zuletzt auch auf das hohe Maß an Virtualisierung in ihren Rechenzentren zurückzuführen. Auch dezentrale Infrastrukturkomponenten der Sparkassen bildet die Finanz Informatik im Rahmen ihres IT-Service-Angebotes zunehmend virtuell auf ihren Hochleistungsrechnern ab.

Mittlerweile hat der IT-Dienstleister eines seiner Rechenzentren in einem Katastrophenbackup- Szenario zusätzlich vollständig virtuell in einem anderen Datacenter auf einer gänzlich anderen physikalischen Plattform abgebildet. Im Notfall kann das virtuelle Backup die Funktion des anderen Rechenzentrums übernehmen. Der Bootvorgang beginnt nicht mehr auf physikalischen Festplatten, sondern aus einer rein virtuellen Umgebung heraus.

Die Virtualisierung kann auch zur besseren Lastverteilung und damit optimaleren Nutzung vorhandener Ressourcen beitragen. Beispielsweise ist es ab einem gewissen Virtualisierungsgrad möglich, Systemressourcen, die tagsüber etwa für den Betrieb von Beratungsanwendungen genutzt werden, nachts für automatisierte Testläufe einzusetzen, wenn sie nicht mehr an physische Plattformen gebunden sind. Im Prinzip können solche Kapazitäten analog zum Smart Metering zu einer Art »Nachtstromtarif« an Kunden, die einen vorübergehenden Bedarf haben, vermietet werden.

Auch der Umgang mit der zunehmenden Virtualisierung erfordert eine weitere Professionalisierung des IT-Betriebs. Zum Beispiel ist es in hochgradig virtualisierten IT-Umgebungen viel schwieriger, Fehlerquellen zu identifizieren. Das Monitoring muss dem entsprechend fortgeschrieben werden. Zudem setzt ein hohes Maß an Virtualisierung eine Vielzahl von Integrationspunkten voraus. Mitunter gilt es auch, die Zusammenarbeit neu zu organisieren. Der Umgang mit dynamischer auftretenden Lastspitzen erfordert schnelle Entscheidungen und kurze Wege – und damit eher flache Hierarchien.

Vorsicht Sackgasse.

Jedem IT-Verantwortlichen ist heute klar, dass Technologien bei der Lösungssuche erst an zweiter Stelle kommen. Im Vordergrund steht das Business, die Fachlichkeit. Das wird sich auch im Zeitalter des Cloud Computing nicht ändern, und das ist mitunter die Crux bei einem allzu puristischen Ansatz. Die Browsertechnologie ist bekanntlich ursprünglich für das Surfen im Web entwickelt worden, nicht für Business-kritische Anwendungen. Natürlich gibt es eine Weiterentwicklung. Auch die Gesamtbanklösung OSPlus (One System Plus) der Finanz Informatik wird über den Browser bedient. Kritisch wird es dann, wenn sämtliche Anwendungen, die ein Kernbanksystem zur Verfügung stellt, ausschließlich im Browser laufen sollen beziehungsweise können. Hier besteht die Gefahr, dass fachliche Anforderungen mitunter gar nicht oder nur unter Schwierigkeiten beziehungsweise nicht zeitgerecht umgesetzt werden können, weil sie an technologische Grenzen stoßen, beispielsweise wenn sie Umprogrammierungen am Browser erforderlich machen. Mangelnde Offenheit durch die Festlegung auf einzelne Technologien kann zudem auch eine einseitige Abhängigkeit von einzelnen Herstellern bedingen.

Die Finanz Informatik setzt daher weiter auf das Prinzip der technologischen Offenheit. Gartner hat ihr zwar testiert, dass sie zu den ersten Dienstleistern gehört, die bankfachliche Anwendungen auf reiner Thin-Client-Basis anbieten. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass sie sämtlich im Browser laufen. Vielmehr hat der IT-Dienstleister Funktionalitäten, für die ein Fat Client benötigt wird, auf Terminalserver verlagert. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Denn in dem Moment, wo bankfachliche Anforderungen aufkommen, die eine Fat-Client-Umgebung erfordern, können diese sofort umgesetzt werden. Damit bleibt die nötige Agilität erhalten, um schnell auf Marktentwicklungen zu reagieren. Ohne diese Beweglichkeit kann der Weg in die Cloud schnell in die Sackgasse führen.

Die Weichen sind gestellt.

Für Sparkassen sind Cloud Services nichts grundsätzlich Neues mehr. Die Finanz Informatik als IT-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe verfügt sowohl über eine ausreichende Größe als auch über das technologische Know-how, als Cloud-Service-Provider für die Sparkassen zu fungieren. Über ihr Tochterunternehmen Finanz Informatik Technologie Service bietet sie darüber hinaus auch Cloud-Dienstleistungen für weitere Institute innerhalb und außerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe an.

Aktuell umfasst das Cloud-Angebot der Finanz Informatik standardisierte Infrastruktur-Dienste auf Basis eines verbrauchsorientierten Abrechnungsmodells, die es den Sparkassen ermöglichen, ihre dezentralen Infrastrukturen in die Rechenzentren des IT-Dienstleisters zu verlagern. Dank der gesicherten, hochgradig virtualisierten Rechenzentrumsumgebung sind Dienste wie Print, File oder Active Diretctory bereits jetzt im Sinne einer Private Cloud abrufbar. Dieses Angebot wird nun sukzessive auf den Anwendungs- und Präsentationslayer ausgeweitet. So werden schon bald erste bankfachliche Funktionen der Gesamtbanklösung OSPlus als kostengünstige Cloud-Dienste verfügbar sein und verbrauchsorientiert abgerechnet. Für die erforderliche Offenheit und Flexibilität sorgt der Mix aus der konsequenten Nutzung der Browser-Technologie, dem Einsatz von Terminalservern und einer zunehmenden Desktop-Virtualisierung.

Die langfristige Perspektive sieht vor, auch individuelle Anwendungen, die derzeit noch von den Sparkassen selbst als Subsysteme betrieben werden, in die Cloud des IT-Dienstleisters zu verlagern. Denn in dem Maße, in dem dezentrale Kapazitäten durch Cloud-Services ersetzt werden, steigen die Stückkosten in der Produktion. Die Zukunft des Sparkassen-Arbeitsplatzes liegt daher eindeutig in der Cloud. Die Weichen dafür sind gestellt.

Detlev Klage

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Detlev Klage, Leiter Geschäftsbereich Client/Server und Generalbevollmächtigter bei der Finanz Informatik

 

 

»In der sensiblen und sicherheitskritischen Finanzwirtschaft ist wenig Spielraum für technologische Abenteuer.«

 

»Die Unternehmen benötigen eine klare Sourcing-Strategie. Und sie sind gefordert, ihre Prozesse so eindeutig zu strukturieren und zu verschlanken, dass sie sich ohne weiteres in die Cloud verlagern lassen.«

 

 


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