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Prozessportale als Treiber serviceorientierter Architekturen

Die Bündelung

Portale haben sich zur zentralen Benutzerschnittstelle in Unternehmen und über Unternehmensgrenzen hinweg entwickelt. Jetzt treiben sie als Prozessportale die Umsetzung serviceorientierter Architekturen.

 

M

it Portalen ist jeder schon in Berührung gekommen. Beispiele sind Unternehmens-, Mitarbeiter-, Kunden-, Service- oder Lieferantenportale. Allen Portalen gemein ist, dass sie für ihre Anwender Funktionen auf einer einheitlichen Oberfläche bündeln. So muss der Benutzer nicht mehr auf verschiedene Systeme zugreifen, um seine Aufgaben zu erledigen.

Prozessportale betonen eine benutzerorientierte Leistungsbündelung, die abhängig vom einzelnen Benutzer Services für eine individuelle Fragestellung (das Management einer Kundenbeziehung, der Entwurf eines Produkts, das Planen einer Supply Chain) zusammenfasst. Das Ziel ist es, nicht mehr nur einzelne Transaktionen, sondern, wie im Falle von überbetrieblichen Portalen, Kundenbeziehungen zu unterstützen, indem man innerbetriebliche Geschäftsprozesse mit überbetrieblichen vernetzt. Prozessportale erbringen so eine Integrationsleistung: Sie bündeln inner- und überbetriebliche Leistungen verschiedener Unternehmen und stellen diese Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten prozess- und rollengerecht zur Verfügung. Darüber hinaus treiben Prozessportale die internen Unternehmensprozesse, da sie etwa helfen, eine Preisanfrage oder eine Modifikation der Produktspezifikation in die internen Prozesse einzuschleusen. Dabei bestimmt der Benutzerprozess, wie eine Pricing Engine oder ein elektronischer Katalog mit einem Customer-Relationship-Management- und einem Supply-Chain-Management-System zusammenarbeiten. Der potenzielle Nutzen liegt vornehmlich in einer verbesserten Prozesseffizienz und Kostenreduktion durch die integrierte Verfügbarkeit von Informationen. Viele Unternehmen sehen Prozessportale als das »Unternehmens-Betriebssystem«, das die Grundlage für die Konzeption einer unternehmensübergreifenden Architektur bildet.

Prozessportale und serviceorientierte Architekturen.

Das Designprinzip einer serviceorientierte Architektur basiert ebenso wie das Konzept des Prozessportals auf betriebswirtschaftlichen Grundsätzen. Grundlage ist die Vernetzung von Unternehmen auf der Basis von Kooperationsprozessen. Eingebunden sind dabei sowohl eigene Geschäftseinheiten als auch Unternehmen, die unterstützende Services bereitstellen. Das Architekturprinzip einer serviceorientierten Architektur ist sowohl im inner- wie auch im überbetrieblichen Bereich nutzbringend einsetzbar:

·       Innerbetriebliche Integration. Die Deutsche Telekom AG strebt mit ihrem Portal »My Team Net« die Einrichtung eines konzernweiten Mitarbeiterportals an. Das Unternehmen will die heute bestehenden Teilkonzernportale zukünftig mit Hilfe dieses Portals integrieren. Damit möchte die Telekom innerbetrieblich übergreifende Kooperationsprozesse zwischen den verschiedenen Unternehmensbereichen Festnetz, Mobil-Kommunikation und Internet-Zugangsdienste schaffen. Kunden würden dadurch von Diensten wie beispielsweise einer unternehmensbereichsübergreifenden elektronischen Rechnungsstellung profitieren. Basis hierfür ist eine serviceorientierte Architektur, die die erforderlichen betriebswirtschaftlichen und technischen Services zentral zur Verfügung stellt.

·       Überbetriebliche Integration. Die Robert Bosch GmbH vernetzt ihre überbetrieblichen Prozesse mit Kunden und Lieferanten über Supply On und Covisint. Die hierfür zu integrierenden Anwendungen aus den Bereichen Produktentwicklung, Einkauf, Supply Chain Planning und Execution, Verkauf und Service werden künftig zentral über ein Portal integriert. Dadurch kann beispielsweise ein Einkäufer bei Daimler Chrysler seine individuellen Dienste im Prozessportal zusammenstellen, in das verschiedenen Lieferanten eingebunden sind. Die Grundlage ist ein konzernweit einheitliches Architekturmodell, das die Schichten Prozesse, Anwendungen, Integration und Infrastruktur umfasst und für jede Schicht einheitliche Services definiert.

Der Nutzen der Architektur spiegelt sich aber nicht nur in gegenüber dem Kunden einheitlichen Prozessen und der Ausnutzung von Synergien wider. Vielmehr schafft die Architektur auch die Grundlage für Einsparungspotenziale bei der Wiederverwendung von Services, der Reduktion und Wartung von Schnittstellen, der schnelleren Einbindung neuer Services in höherer Qualität sowie der einfacheren Migration bestehender Services.

Aus technischer Sicht bestehen Unterschiede zu dem erprobten Konzept der Client-Server-Architektur. Im Unterschied zu klassischen Client-Server-Architekturen integrieren Prozessportale Applikationen nicht auf Ebene der Funktionalität und der Daten, sondern auf Ebene der Benutzeroberfläche (siehe Abbildung). Zur echten semantischen Prozessintegration bedarf es daher einer Zusatzschicht, die über die reine Präsentation von Applikationsfunktionalität und Daten in einem Portal hinaus Dienste zur Funktions- und Datenintegration bereitstellt (siehe Bild). Der Baustein »Integrationsinfrastruktur« ist für die Erfüllung mehrerer Aufgaben verantwortlich. Dazu zählen die Verwaltung der Services (Directory), das Steuern der Prozesse (Prozessmanagement), das Abbilden verschiedener Datenformate (Mapping) und die Transformation von Daten. Die Transformation wandelt das Datenformat einer Applikation in ein Datenformat einer Zielapplikation (Transformation) um. Serviceorientierte Architekturen basieren also auf Portalen und Integrationsinfrastrukturen als wesentlichen Bausteinen. Das Portal bildet das Frontend zu den verschiedenen Services (hier als Web Services – WS bezeichnet), die ihre Funktionalität aus verschiedenen Backend-Applikationen beziehen. Andererseits übernimmt die Integrationsinfrastruktur die Integration und Ablaufsteuerung der Web Services.

Strategie, Prozesse und Systeme im Einklang.

Prozessportale treiben die Umsetzung serviceorientierter Architekturen in Unternehmen. Bei ihrer Einführung sollten sich Unternehmen Fragen zur strategischen Ausrichtung der Architektur sowie zur Gestaltung der Prozesse und Systeme stellen. Den Ausgangspunkt der Gestaltung einer serviceorientierten Architektur sollte eine Analyse des zu integrierenden Geschäftsnetzwerks bilden (Ebene Strategie). So lassen sich die relevanten Applikationsdomänen (fachlich) aus den beteiligten Geschäftseinheiten ermitteln. Eine begleitende Potenzialanalyse bestimmt dabei den betriebswirtschaftlichen Nutzen. Die Kunden- und Benutzerprozessanalyse (Ebene Prozess) ermittelt die möglichen Services pro Applikationsdomäne ausgehend von einem benutzerorientierten Modell (welche Rolle nutzt welche Services für welche Prozesse). Als Ergebnis sind die übergreifenden Prozesse und damit die Applikationsdomänen übergreifenden Services identifiziert. Hier werden auch Fragen zur Qualität, Service Level, etc. berücksichtigt. Das Architekturdesign (Ebene Systeme) spezifiziert schließlich für einzelne Services deren Granularität, Fachfunktionalität und Schnittstellen. Außerdem legt es architekturübergreifende Prinzipien wie Sicherheit, Integration, Prozessmanagement und Prozessmonitoring fest.

Dr. Thomas Puschmann

 

 

Prozessportale und SOA

Quelle: IMG


 

Bausteine einer serviceorientierten Architektur.

 

WS = Web Service

GUI = Graphical User Interface

 


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