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ECM und SOA

Content als Enterprise Service

Serviceorientierte Architekturen (SOA) gelten als Modell für die zukünftige Ausgestaltung der IT-Landschaften in Unternehmen. Damit gewinnen auch Portal-Lösungen an Bedeutung, mit denen die Mitarbeiter SOA »aufschließen« und bedarfsgerecht nutzen können. Zum Beispiel, um mit einem Content-Management-System unstrukturierte Daten in wertvolles Wissen zu verwandeln. Entsprechend geht der Trend unter den Anbietern von Systemen für das Enterprise Content Management (ECM) dahin, ihre Lösungen SOA-tauglich zu machen. Damit können gleichzeitig die bislang hohen Aufwendungen für die Integration von Portalen tendenziell sinken.

 

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ast jeder, der in seinem Unternehmen schon einmal auf Informationssuche gegangen ist, kennt das Problem: Nur rund 20 Prozent dessen, was an Inhalten im Betriebsalltag anfällt, ist an zentraler Stelle hinterlegt und in strukturierter, organisierter Form zugänglich, hauptsächlich in Warenwirtschaft und Buchhaltung. Der große Rest steckt in E-Mails, Texten, Präsentationen oder Bildern und verteilt sich über diverse Anwendungen, Festplatten, Standorte und nicht zuletzt einzelne Nutzer. Ohne ein zentrales System oder Werkzeug ist unter diesen Bedingungen eine gezielte, übergreifende Suche schlichtweg unmöglich. Damit einher geht unvermeidlich die Gefahr des Wissensverlustes.

Zentrale IT-Perspektive durch Portale

Dagegen helfen Portale, indem sie eine zentrale Sicht auf die Unternehmens-IT und jedem Nutzer einen auf seine betrieblichen Bedürfnisse zugeschnittenen Zugang bieten. Integrations- und Schnittstellenprobleme haben bislang allerdings häufig verhindert, dass durchgängige Gesamtlösungen aus Portalen und ECM eingerichtet wurden. Zu teuer und zu aufwändig, befanden die Verantwortlichen.

An dieser Stelle setzt das Prinzip der serviceorientierten Architektur an, um den Austausch zwischen Softwareprogrammen und ihre Integration in Portale zu erleichtern. SOA funktioniert nach dem Baukastenprinzip und bietet den Unternehmen anstelle eines starren Softwareblocks eine in mehrere kleinere Module aufgeteilte Lösung. Aus diesen, auch Web Services genannten Bausteinen, stellen sie ihre Anwendungslandschaften individuell zusammen. Standardsprachen wie XML oder das SOAP-Protokoll sorgen dafür, dass die Module störungsfrei interagieren.

SAP Netweaver: Mittler zwischen den Welten

SAP ist mit seiner Integrationsplattform »Netweaver« nun den entscheidenden Schritt in Richtung SOA – beziehungsweise Enterprise Services Architecture (ESA) – gegangen. Auf dieser Middleware-Basis können Unternehmen SAP wie Non-SAP-Anwendungen und Web Services betreiben. Außerdem hebt diese Lösung, die auch das SAP Netweaver Portal beinhaltet, die Trennung zwischen Enterprise Resource Planning (ERP) und anderen IT-Management-Disziplinen wie ECM auf. Das ebenfalls integrierte Modul SAP KM (Knowledge Management) bietet bereits grundlegende redaktionelle Funktionen für den Umgang mit unstrukturierten Daten; wichtiger noch ist jedoch seine »Anschlussfähigkeit« für ECM-Speziallösungen.

Der Vorteil solcher Lösungen für die Anwender ist offensichtlich. Denn wenn ein ECM-System direkt im Netweaver-Stack integriert ist, nutzt es gemeinsam mit allen anderen Programmen denselben SAP Netweaver Application Server. Der normalerweise übliche Rechenzentrumsaufwand für eine eigenständige ECM-Installation entfällt somit.

Betriebskosten senken, mit schlanker IT arbeiten

Portale in einer serviceorientierten Architektur können jedoch nicht nur langfristig mit sinkenden Betriebskosten punkten. Da die einzelnen Anwendungen Querschnittfunktionen gemeinsam verwenden, beansprucht das Portal insgesamt deutlich weniger Volumen als eine Ansammlung von kompletten, via Schnittstellen verbundenen Einzelsystemen. Eine zentrale User Management Engine (UME) koordiniert in Netweaver die Benutzerverwaltungen aller Anwendungen, so dass Nutzer, die etwa Texte im Portal einstellen oder redigieren, sich nicht extra im ECM-System registrieren müssen. Sie sind bereits per »Single Sign On« angemeldet.

Das Ärgernis der doppelten Portalnavigation beseitigen

Zudem sorgt ein vollständig integriertes ECM-System dafür, dass die doppelte Pflege der Portalnavigation überflüssig wird. Im Redaktionssystem erstellter Content wie Portalseiten wird einfach per drag & drop mit der Maus in die Portalnavigation kopiert. Bislang war es in einem solchen typischen Anwendungsfall notwendig, die Seiten mitsamt hierarchischem Aufbau im Portal nachzubilden und anschließend die Inhalte von Hand einzugeben. Darüber hinaus lassen sich auch elementare Funktionen wie Workflow-Management in die Portallösung integrieren und somit beispielsweise Freigaberoutinen und Autorenrechte – mithilfe von übergeordneten Tools wie Aris – bearbeiten.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass eine serviceorientierte Portallösung auch einer ganz wesentlichen Anforderung des Unternehmensmanagements nachkommt: Geschäftsprozesse und Strategie sollen die IT bestimmen, nicht umgekehrt. Mit ihrem vereinheitlichten und umfassenden Management strukturierter und unstrukturierter Daten trägt eine solche Lösung entscheidend zu medienbruchfreier Informationsarbeit und durchgängigen Geschäftsprozessen bei.

Anwendungsfeld Compliance

Die zunehmende Zahl an gesetzlichen Regelungen und Anforderungen an die IT eröffnet ein weites Feld für die Integration von ECM-Lösungen in Netweaver. Regelwerke wie der Sarbanes-Oxley-Act oder Basel II verpflichten Unternehmen, ihre Geschäftsprozesse und Daten für spätere Wirtschaftsprüfungen exakt zu dokumentieren und vorzuhalten.

Doch verteilen sich die für die »Compliance«, also die Erfüllung der gesetzlichen Vorschriften, relevanten Informationen in der Regel auf unterschiedliche Unternehmensabteilungen, Mitarbeiter und IT-Systeme. Ein Beispiel aus dem Buchungswesen illustriert diese Aufgliederung: Die Abteilung Buchhaltung arbeitet mit dem Modul SAP FI, während die entsprechenden Buchungsrichtlinien gesondert in einzelnen Textdokumenten vorliegen. Da in der EU andere Bestimmungen gelten als etwa in den USA, muss jede Landesgesellschaft eigene Dokumentationen in der jeweiligen Landessprache pflegen. Dies erschwert ganz erheblich die in den Gesetzen geforderte einheitliche Corporate Governance.

Im »Verbundsystem« aus Portal und ECM sind nun Compliance-Dokumentationen und die betroffenen Geschäftsprozesse praktisch nicht mehr länger getrennt. Greift ein Buchhalter eines international aufgestellten Konzerns beispielsweise in seinem Büro in Berlin auf seinen Kontenplan zu, erhält er auch gleichzeitig Zugriff auf die geltenden Richtlinien. Denn das Portal erkennt, dass der Nutzer in Deutschland arbeitet und zeigt entsprechend die hierzulande geltenden Bestimmungen an. Dabei ist die Dokumentation nicht in SAP FI hinterlegt, sondern in einem ECM-System. Doch beide Applikationen laufen im Portal, in das der Anwender sich seinen Zugriffsrechten entsprechend eingeloggt hat, parallel nebeneinander, ohne dass er es überhaupt merken würde – oder müsste. Denn für den Fall, dass Änderungen an der Dokumentation durchzuführen sind, kann er sie gleich an Ort und Stelle vornehmen, ohne dafür eigens in das Redaktionssystem wechseln zu müssen. Dieses Anwendungsszenario steht beispielhaft für die Vorzüge der neuen portalgestützten Web-Service-Welt: Portale im Unternehmen konsolidieren verteilte und mehrfach vorhandene Inhalte auf einer Plattform und verknüpfen sie ohne Medienbrüche mit den zugehörigen Applikationen.

Ali Saffari

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Ali Saffari ist Leiter Application Development bei der PIRONET NDH AG

 


 


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