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Business Intelligence – gestern, heute und morgen

Informationsdemokratie

Um die zukünftigen Entwicklungen einer Branche absehen und verstehen zu können, ist es manchmal hilfreich, einen Blick auf deren Ursprünge zu werfen. Unternehmen können mit BI-Lösungen große Erfolge erzielen, wenn sie über eine klare Business-Intelligence- und Business-Performance-Management-Vision verfügen. Sie werden ein immer größeres Bewusstsein für BI- und BPM-Belange entwickeln und diese vielmehr im Kontext strategischer Geschäftsinitiativen anstelle bloßer IT-Maßnahmen sehen.

 

Wie alles begann

Vor 20 Jahren war Business Intelligence (BI) noch unter dem Begriff »Decision Support Systems« (DSS) bekannt und auf große Unternehmen sowie eine begrenzte Gruppe hoch qualifizierter Anwender beschränkt. Die angebotenen Lösungen bestanden entweder aus teuren und komplexen Produktpaketen für statistische Analysen oder standardisierte Reports (auf grün-weißem Tabellenpapier mit 132 Spalten). Die Verwendung von Spreadsheets (wie Lotus 1-2-3) wurde immer populärer, allerdings waren diese noch nicht mit den Unternehmensdaten verknüpft. Um die Daten schließlich analysieren zu können, musste der Anwender diese aus den gedruckten Reports manuell in die elektronischen Spreadsheets übertragen - ein sehr zeitaufwändiger und fehleranfälliger Prozess. Es war auch schon von »Executive Information Systems« (EIS) die Rede, welche so genannte »High-Touch»-Anwendungen für das Management ermöglichen sollten.

Seit jener Zeit, als »Cut and Paste« noch als innovativer Prozess galt, hat es große Fortschritte beim Business Intelligence gegeben. Das sollte man sich immer dann vor Augen führen, wenn die langsame Umsetzung von technologischen Neuerungen bemängelt wird. Oder will vielleicht jemand auf den Stand der Business-Intelligence-Technologie von 1985 zurückkehren?

Neue Tools und Technologien

Der Durchschnittsanwender von heute besitzt mehr BI-Kenntnisse als je zuvor. Die Tools und Technologien sind einfacher zu handhaben und bieten mehr Funktionen, eine leichtere Integration sowie eine höhere Skalierbarkeit. Die Standardisierung von Web-Schnittstellen und Datenmanipulationssprachen (Data Manipulation Languages, kurz DML) hat die Implementierung und Anwendung zusätzlich vereinfacht.

Data Warehouses

Vor 20 Jahren gab es noch keine Data Warehouses. Diese sind heute weit verbreitet und werden bereits in mehr als der Hälfte aller großen Unternehmen eingesetzt. Allerdings ist seit damals das Volumen der zu analysierenden Daten von einigen hundert Megabytes auf mehrere Terabytes angewachsen. Qualifizierte Ressourcen sind auf dem Arbeitsmarkt oder über Systemintegratoren leicht zu finden. Außerdem haben die Unternehmensspitzen mittlerweile den Wert und das Potenzial zeitnaher, relevanter und unternehmenskritischer Informationen erkannt. Kurz gesagt, Business Intelligence und Performance Management sind heutzutage gängige Begriffe. Die meisten modernen Manager sind mit Themen wie Balanced Scorecards, Dashboards oder OLAP bestens vertraut – vor 20 Jahren wäre dies noch unvorstellbar gewesen.

Die Vision der Information Democracy

Wir nähern uns allmählich der Vision der »Informationsdemokratie« (Information Democracy). Das bedeutet, dass alle Anwendergruppen Zugang zu aktuellen und relevanten Informationen haben, die ihnen beim Management ihrer Performance und der gezielteren Ausrichtung auf die Unternehmensziele helfen. Trotzdem haben bislang nur vergleichsweise wenig Anwender Zugang zu entsprechenden Systemen. Selbst in fortschrittlichen Märkten wie Nordamerika und Westeuropa nutzen weniger als ein Viertel aller Anwender automatisierte BI-Lösungen (einschließlich Business Performance Management). Woran liegt das und wie lässt sich dies ändern? Die Ursachen sind unter anderem zu komplexe Systeme, mangelndes Know-how und sehr hohe Kosten. Der Hauptgrund jedoch liegt in dem fehlenden Bewusstsein dafür, von welchem Wert solche Lösungen für Unternehmen sein können.

Fehlendes Bewusstsein für BI

Es kommt also vor allem darauf an, diesen hohen Business Value hervorzuheben und zu betonen, um so das langfristige Wachstum von Business Intelligence zu fördern. Das bedeutet, dass Projekt-Initiativen für Business-Intelligence- und Business-Performance-Management-Lösungen, die vom Business getrieben und von der IT unterstützt werden, höchste Priorität einzuräumen ist. Unternehmen können mit BI-Lösungen große Erfolge erzielen, wenn sie über eine klare Business-Intelligence- und Business-Performance-Management-Vision verfügen. In den meisten Fällen haben diese Unternehmen zusätzlich ein BI-Kompetenzzentrum zur Unterstützung dieser Vision eingerichtet (außerhalb des IT-Bereichs). Leider scheuen aber noch viele die damit verbundenen Investitionen und den Aufwand. Häufig wird BI nur in einzelnen Abteilungen und / oder nach mehr oder weniger taktischen Kriterien umgesetzt. Vielleicht ist die Entscheidung dafür von der IT getrieben worden - wie gut die Absichten oder die Vision dahinter auch sein mögen, das Business als den Treiber für solche Initiativen kann die IT niemals ersetzen.

Dies wird deutlich, wenn man die Investitionsgewohnheiten der IT-Abteilungen großer Unternehmen betrachtet, die sich vor allem auf Tools für Ad-hoc-Abfragen und Reporting konzentrieren. In diesem Zusammenhang fanden einige sehr große und unternehmensweite Investitionen statt. Dabei wird oft versucht, die Endanwender in eine Art Selbstbedienungssystem zu überführen, um so deren Bedarf für benutzerspezifische Reports zu decken, mit denen die IT-Abteilungen überfordert waren. Kurzfristig lassen sich damit oft tatsächlich die Kosten senken und der Anwendungsstau in der IT abbauen, und anfänglich steigt auch die Zahl der aktiven Anwender. Eine Verbesserung des Erkenntnisniveaus bzw. eine größere Transparenz der Performance des Geschäfts (Business Insight Quotient, kurz Business IQ) lässt sich damit jedoch nicht erreichen. Daher wird der Anstieg der Anwenderzahl sehr schnell durch einen allmählichen Rückgang des Nutzungsvolumens ausgeglichen werden, sobald diese Tools an ihre Grenzen stoßen.

BI und BPM als strategische Geschäftsentscheidung

Obwohl sich heute alles um Ad-hoc-Abfragen und -Reports dreht, wird der zukünftige Fokus auf BI in anderen Bereichen zu finden sein. Immer mehr Unternehmen sehen BI und BPM als eine vom Business getriebene Initiative, mit der Ursache und Wirkung in den Beziehungen zwischen langfristigen Unternehmenszielen und kurzfristigen Zielvorgaben, die Performance von Gruppen und von Einzelnen sowie die Maßstäbe und Metriken, mit denen Performance-Ziele abgebildet werden, verstanden werden. Auf diese Weise wird BI sinnvoll genutzt und aus gewonnenen Erkenntnissen lassen sich konkrete Aktivitäten ableiten. In diesem Zusammenhang eingesetzte Abfrage- und Reportinganwendungen können für umfassende, detaillierte Analysen, statt isoliert und ohne jeglichen Kontext genutzt werden.

Unternehmen werden ein immer größeres Bewusstsein für Business-Intelligence- und Business-Performance-Management-Belange entwickeln und diese vielmehr im Kontext strategischer Geschäftsinitiativen anstelle bloßer IT-Maßnahmen sehen. Mit der richtigen Unternehmenskultur, Managementkompetenz, Organisationsstruktur und Technologieausstattung können diese Unternehmen schon heute damit beginnen, die Informationsdemokratie von morgen umzusetzen.

Howard Dresner

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Howard Dresner, Chief Strategy Officer, Hyperion

 

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