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Interview mit Michael Moritz, Vorstandsvorsitzeder, MIK AG

 

»Die nächsten Jahre werden die Anbieter von BI-Software damit verbringen, mit Produkten und Beratung die gigantischen Datenmengen wieder auf das Wesentliche zu reduzieren.«

 

Seit vielen Jahren boomt die Nachfrage nach Business-Intelligence-Software (BI). Warum?

Dies resultiert aus den Erfahrungen zahlreicher Unternehmen, die durch den Einsatz von BI-Systemen viel Erfolg hatten. Hinzu kommt die Globalisierung, die die Unternehmen zwingt, in immer kürzeren Abständen immer mehr Entscheidungen zu treffen. Diesen Herausforderungen kann man sich nicht mehr mit Excel-Blättern stellen. Das ist viel zu aufwendig und fehleranfällig.

Inwiefern haben Unternehmen mit BI-Software höhere Erfolgschancen als ihre Konkurrenten, die auf BI verzichten?

Erstens: die Kosten. Oft wird nicht klar, wo die Kosten anfallen und welche Struktur sie haben. Wenn ein Vorstand Kosten sparen will, muss er aber wissen, an welcher Stelle man am besten einspart und wie man den größten Effekt erzielt. Dafür braucht er BI-Software. Zweitens: Umsatz und Ertrag. Um die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist Wissen die Voraussetzung. Und das entsteht aus Informationen, und die kann BI liefern und strukturieren. Der dritte Vorteil ist mehr Transparenz.

… was viele nicht ganz unproblematisch finden.

Stimmt. Manche Führungskräfte haben Angst, dass sie kontrolliert werden und dass die Kollegen wissen, wie gut oder wie schlecht ihre Leistung ist. Das gleiche gilt für die Mitarbeiter. In den Belegschaften gibt es oft Vorbehalte gegen ein Mehr an Transparenz.

Was kann man dagegen tun?

Die Akzeptanz eines BI-Projekts steht und fällt mit der Einbindung der einzelnen Bereiche. Man muss die Mitarbeiter mit einbeziehen. Einfach nur einen Vorstandsbeschluss zu fällen, führt meist zu Konflikten.

Eine potenzielle Gefahr für den BI-Boom?

Nein, das glaube ich nicht. Es gibt neue Trends, die die Nachfrage nach BI-Software hoch halten werden. Früher hatten die Unternehmen das Problem mangelnder Informationen. Dann kamen Business Intelligence und Data Mining, und all die in den Firmen versteckten Informationen wurden aufgedeckt. Heute stehen den Unternehmen aber oft fast schon zu viele komplexe Informationen zur Verfügung. Da wird es für Führungskräfte immer schwieriger zu erkennen, was denn passiert, wenn sie an dieser oder an jener Stellschraube drehen. Die nächsten Jahre werden die Anbieter von BI-Software damit verbringen, mit Produkten und Beratung diese gigantischen Datenmengen wieder auf das Wesentliche zu reduzieren. Das wird der Schlüssel sein, um intelligentere BI-Systeme anbieten zu können.

Stehen diese modernen BI-Systeme nicht zum Teil in Konkurrenz mit traditioneller Unternehmenssoftware wie zum Beispiel den Verkaufsschlagern R/3 oder Netweaver aus dem Hause SAP?

Nein, beide Welten ergänzen sich. BI-Software baut auf Systemen wie R/3 auf, R/3 wiederum kann keine BI-Software ersetzen, da sie völlig andere Funktionen erfüllt. R/3 sammelt die Informationen, BI-Software strukturiert das Ganze dann. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

Welche Unternehmen brauchen BI-Software?

Unternehmen von 50 bis 100 Millionen Euro Umsatz aufwärts. Es gibt aber auch eine signifikante Zahl kleinerer Unternehmen, die BI benötigen, weil ihr Geschäft sehr komplex aufgestellt ist. Sobald ein Unternehmen mit mehr als zehn Produkte und 100 Kunden umgehen muss, wird es problematisch, nur mit Excel zu arbeiten.

Wie beginnt ein typisches BI-Projekt?

Meist stellen die Unternehmen von allein fest, dass sie Business Intelligence brauchen. Dann kommen sie zu uns oder einem unserer Mitbewerber, und gemeinsam analysiert man dann die Situation im jeweiligen Unternehmen. Im BI-Bereich gibt es kaum Standardlösungen, alles ist maßgeschneidert. Der Softwareanbieter und der Kunde überlegen gemeinsam, wie man die Software optimal in die Unternehmenslandschaft einpasst. 

Diese Maßschneiderei macht es aber extrem schwer, die Software zu wechseln, wenn ich sie einmal implementiert habe.

Das ist definitiv so. Im Prinzip ist ein Wechsel natürlich schon möglich, aber jeder Anbieter hat andere Benutzeroberflächen und Schnittstellen. Je komplexer eine Firma ist und je komplexer ein BI-Projekt, umso schwieriger kommt man wieder heraus. Im Ritt die Pferde zu wechseln, kann sehr langwierig und teuer sein. BI-Projekte mit einem langen Zeithorizont zu planen, ist von daher sicher nicht das Schlechteste.

Können sich Unternehmen vor der Anschaffung von BI-Software eigentlich einen Return on Investment ausrechnen?

Das ist sehr schwierig, außer wenn konkret Mitarbeiter eingespart werden können, die bislang nichts anderes getan haben als Excel-Sheets zu füttern und durch die neue Software überflüssig werden. Aber das ist nur ein Nebeneffekt. Der Hauptnutzen liegt darin, dass Unternehmen mit BI-Systemen bessere Entscheidungen treffen können. Sie können schneller reagieren, und machen weniger Fehler. Diesen Nutzen kann man natürlich schwer quantifizieren. Aber unterm Strich fragen heute deutlich weniger Kunden nach einem ROI als früher.

Worin liegt der Schlüssel für eine erfolgreiche Implementierung eines BI-Systems?

Unser Ansatz geht dahin, die Fachabteilungen und das Controlling einzubeziehen. Das erhöht die Akzeptanz des Projekts im Unternehmen.

Gibt es eine Faustregel für den Kostenaufwand, mit dem ich als Unternehmer für ein BI-Projekt rechnen muss?

Ganz grob: Bei einem mittelkomplexen BI-Projekt kosten Software und Beratung bei den BI-Anbietern rund 50.000 bis 100.000 Euro. Danach wird eine jährliche Wartungsgebühr fällig, die bei uns 18 Prozent der Lizenzen beträgt.

Wie sieht die Zukunft von Business Intelligence aus?

Eine große Herausforderung wird es sein, die gigantische Komplexität der Datenmengen in den Griff zu bekommen. Und Unternehmer müssen in Zukunft wahrscheinlich noch schneller Entscheidungen treffen als jetzt, obwohl es angesichts der Fülle an vorliegenden Informationen immer schwieriger wird, richtig zu entscheiden. Hier muss die Weiterentwicklung von BI-Software ansetzen.

Wie viel Prozent der deutschen Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz nutzen heute schon BI-Software, und wie viel werden es in zehn Jahren sein?

Ungefähr 50 Prozent nutzen heute Business Intelligence. Aber eigentlich kann es sich niemand mehr leisten, ein größeres Unternehmen ohne Business Intelligence zu führen.

50 Prozent scheinen das im Moment ganz gut zu schaffen.

Sie schaffen es, aber der Druck wird immer größer, wenn immer mehr Mitbewerber BI-Software einsetzen und sich dadurch Wettbewerbsvorteile verschaffen. Außerdem nimmt auch bei kleineren Unternehmen die Komplexität weiter zu. Viele Mittelständler haben heute schon Produktionen in Tschechien oder in Polen, sie müssen sich international behaupten. Früher war das zumindest bei Mittelständlern nicht üblich. Wird ein Unternehmen komplexer, muss das auch in seinen Steuerungssystemen Niederschlag finden, sonst verliert es den Anschluss an den Wettbewerb. Wie das enden kann, ist bekannt.

 

Herr Moritz, vielen Dank für das Gespräch.  

 

Michael Moritz ist einer der wenigen deutschen Pioniere im Bereich Business Intelligence. Vor 20 Jahren gründete der Diplom-Informatiker das Softwareunternehmen MIK, das heute mit einem Umsatz von 20 Millionen Euro zu den fünf größten Anbietern von BI-Software in Deutschland zählt. Vom Firmensitz am Bodensee aus lenkt Moritz auch heute noch als Vorstandsvorsitzender die Geschicke seines Unternehmens.   

 

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