201002 Information Builders Kennzahlen im Gesundheitswesen

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Effizienzsteigerungen im Gesundheitswesen

Management nach Kennzahlen

Die ständig steigenden Kosten im Gesundheitswesen zählen seit Jahren zu den Dauerthemen in der öffentlichen Diskussion. Es gibt jedoch Bereiche, in denen erste Effizienzsteigerungen zu verzeichnen sind. Ein Beispiel dafür sind Krankenhäuser. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, haben sie begonnen, ein kennzahlenorientiertes Management einzuführen und nutzen dazu BI-Lösungen.

K

ostentreiber im Gesundheitswesen gibt es viele: Da sind zunächst einmal die Patienten. Hierzulande gehen die Menschen weit häufiger zum Arzt als in anderen europäischen Ländern. Aber auch die rund 250 verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen verursachen jede für sich hohe Verwaltungskosten. Mit Recht wird ferner darauf verwiesen, dass die Ärzte zu viele und häufig zu teure Medikamente verschreiben. Und last but not least sind die Krankenhäuser als wesentliche Kostenverursacher zu nennen. Sie machen einen der größten Kostenblöcke im Gesundheitswesen aus.

Nahezu ein Drittel der Ausgaben gesetzlicher Krankenversicherungen entfiel 2008 auf Behandlungen in den rund 2.100 deutschen Krankenhäusern. In diesem Sektor des Gesundheitswesens ist in den letzten Jahren vieles in Bewegung geraten. 1991 gab es noch 2.400 Krankenhäuser und die durchschnittliche Verweildauer der Patienten betrug 14 Tage, im Jahr 2007 waren es nur noch 8,3 Tage. Während die einen den Trend als »Kliniksterben« bezeichnen, sehen andere darin eher eine Entwicklung zu mehr Effizienz. Tatsächlich geschlossen wurden in den letzten zehn Jahren aber nur wenige Einrichtungen. Häufiger haben Gemeinden, Landkreise und einzelne Bundesländer (zuständig beispielsweise für Universitätskliniken) Krankenhäuser in wirtschaftlich kritischer Situation an private Betreiber verkauft.

Kommt es zu keinen grundlegenden Reformen, werden die bisherigen Anstrengungen nicht ausreichen, meinte die Unternehmensberatung McKinsey in einer Studie zur deutschen Krankenhauslandschaft. Jede dritte Einrichtung sei von Zusammenlegung oder Schließung bedroht. Allerdings gibt es auch Lichtblicke. Im internationalen Vergleich stehen die deutschen Kliniken nach der Studie inzwischen überraschend gut da. »Sie erweisen sich als überdurchschnittlich effizient und stehen für hohe Versorgungsqualität«, berichtete McKinsey.

Produktivität im Krankenhaus

Produktivitätsfortschritte sind laut McKinsey auf einigen Gebieten zu verzeichnen. Den Beratern zufolge wirtschaften kleine Häuser oft erfolgreicher als große Kliniken. In gut geführten Kliniken kommen rein rechnerisch auf jeden Angestellten 80 Patienten. Am anderen Ende des Spektrums liegt das Verhältnis bei 1 zu 21. Als beispielhaft für effizienteres Arbeiten hat McKinsey an der Uniklinik Freiburg einen Lean-Management-Ansatz implementiert. Statt eines starren Abteilungsdenkens gibt es patientenzentrierte Abläufe mit der Folge transparenter Prozesse. Die Unternehmensberater erwarten sich davon kürzere Verweildauern, eine bessere Planung der Arbeitsabläufe auf den Stationen und den Wegfall unnötiger Leistungen.

Projekte dieser Art, wie sie in einigen Kliniken bereits in Angriff genommen werden, sehen das Krankenhaus als Dienstleistungsunternehmen und weniger als medizinische Einrichtung, was sie dennoch primär ist. Wer in diesem Markt langfristig bestehen will, muss jedoch noch mehr tun als bislang. Als Serviceorganisationen müssen sich Krankenhäuser einer Leistungs-, Kosten- und Erfolgskontrolle unterziehen. Das geht nur, wenn sie sich Methoden bedienen wie sie in der Privatwirtschaft seit langem üblich sind, nämlich eines kennzahlenorientierten Managements. Die betriebswirtschaftlichen Daten bilden dabei nur die eine Seite der Medaille. Komplett wird das kennzahlengesteuerte Management erst durch die Zusammenführung mit den medizinischen Informationen.

Insbesondere dort, wo Informationen in heterogenen Systemlandschaften zusammengeführt werden müssen, bietet eine Business-Intelligence (BI)-Plattform wie WebFOCUS von Information Builders ein wichtiges Instrument. Damit lassen sich Daten über Applikationsgrenzen hinweg zusammenführen, strukturieren und in zuverlässige Informationen als Basis für geschäftliche Entscheidungen umwandeln. Durch die Einbindung aller Unternehmensdaten und Akteure – vom Management über die operative Ebene bis hin zu medizinischen Instrumenten, Lieferanten, Kunden und Partnern – werden Kosten transparent.

Der Kernpunkt bei solchen Projekten zur effizienteren Unternehmenssteuerung ist die Festlegung von Kennzahlen für das Performance Management. Einen guten Startpunkt bieten die vier klassischen W-Fragen (wer, wie, wann, wo?). Antworten auf diese Fragen schaffen die Basis, um die notwendigen Kennzahlen zu Flexibilität, Menge, Kosten, Qualität, Zeit und Zuverlässigkeit beispielsweise aus den Bereichen Ambulanz, Aufnahme, Diagnostik, OP, Pflege, Personalbedarf, medizinischer Bedarf und Verwaltungsaufwand zu erarbeiten.

Soll-Ist-Vergleiche mit KPIs

Im nächsten Schritt gilt es, sogenannte Key Performance Indicator (KPIs) für diese Bereiche zu definieren. Im Idealfall gibt es auf der strategischen Ebene für alle Einsatzgebiete eine Planung mit Zielwerten, beispielsweise Kosten oder Mengen. Im operativen Alltagsgeschäft erfolgt eine laufende Erfassung der Ist-Kosten. Diese werden mit den Soll-Werten abgeglichen, um bei Bedarf zeitnah steuernd eingreifen zu können. Als recht nützlich erweisen sich Abweichungsanalysen auf Basis eines Vergleichs der Monats-Ist-Werte mit den Monats-Soll-Werten, da sich daraus gute Hinweise für die Prozessoptimierung ergeben.

Eine der Herausforderungen besteht in der vorhandenen Datenqualität, da vor allem die medizinischen Systeme (beispielsweise Labor-Informationssystem, Krankenhaus- und Radiologie-Informationssysteme) heterogene Daten erfassen und die Zusammenführung der Daten in einem Performance-Management-System aufgrund unterschiedlicher Schnittstellen oft sehr schwierig ist. Notwendig an der Stelle sind Integrationslösungen wie sie etwa iWay, die Tochtergesellschaft von Information Builders, zur Verfügung stellt. Das Bausteinkonzept eines derartigen Ansatzes mit vorgefertigten und vorkonfigurierten Komponenten für eine komfortable Zusammenführung von Daten aus den unterschiedlichsten Quellen und Formaten, individuell erstellten Anwendungen und Standard-Applikationen reduzieren den Aufwand massiv. Aufwendige Programmierung und teure Systemanpassungen entfallen weitgehend.

In einer Vorstufe zu einem umfassenden Performance-Management, das administrative und medizinische Information integriert, bedienen sich Krankenhausverwaltung und Medizincontrolling oft noch rein buchhalterischen Instrumenten und Methoden, die keine Aussagen über den Prozess und die Qualität der Versorgung zulassen. Über die Verwendung von Kennzahlen zur Analyse der Vergangenheit, in Form des Reportings, und der Gegenwart, in Form von Soll-Ist-Vergleichen, hinaus, haben Vorreiter unter den Kliniken mit der Etablierung klinischer Behandlungspfade begonnen, um eine vorausschauende Versorgungssteuerung aufzubauen. Ein wichtiges Ziel dabei: Die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Bekanntermaßen sind die Krankenhäuser als Leistungserbringer von den Krankenkassen als Leistungsträger abhängig. Beispielsweise dort, wo Kliniken die ersten Schritte in Richtung eines kennzahlenorientierten Managements gehen, prüft und diskutiert man bereits den nächsten Schritt. Um die Ausgaben besser in den Griff zu bekommen, fordern die Krankenkassen beispielsweise seit langem, dass sie mit den Krankenhäusern Einzelverträge schließen können – um besser kontrollieren zu können, wer was wann getan hat.

Abschließend macht BI auch vor den Krankenkassen und deren Abrechnungsstellen nicht Halt. Ein Beispiel dafür ist das Abrechnungszentrum Emmendingen, aktiv im Abrechnungs- und Dokumentenmanagement der Betriebskrankenkassen. Das Portfolio des in der Nähe von Freiburg ansässigen Unternehmens umfasst vielfältige Dienstleistungen – von A wie Arzneimittel bis Z wie Zahnärztliche Leistungen. Bundesweit gehören mehr als 110 Betriebs- und vier Innungskrankenkassen zu den Kunden. Jährlich werden 46 Millionen Verordnungen von mehr als sechs Millionen Mitgliedern bearbeitet und mit knapp zehn Prozent aller gesetzlich Krankenversicherten wird ein Gesamtvolumen von über 3,7 Milliarden Euro abgewickelt. Das Abrechnungszentrum erweitert seine Kommunikations- und Abrechnungsplattform onlinePlus um ein BI-Serviceportal mit einer Lösung von Information Builders. Über onlinePlus steht das Abrechnungszentrum Emmendingen in engem Kontakt mit seinen Kunden. Die Krankenkassen haben über onlinePlus direkten Zugriff auf umfangreiches Datenmaterial. Das Ergebnis: Der gesamte Prozess der Rechnungsprüfung, unter anderem bei der Abrechnung mit Kliniken, lässt sich deutlich beschleunigen und wird damit effizienter. Und damit schließt sich der Kreis von den Krankenhäusern als Leistungserbringer zu den Kassen als Leistungsträger. An vielen Stellen in diesem Prozess lassen sich BI-Lösungen einsetzen und sorgen für mehr Transparenz und Effektivität in den Workflows.

Klaus Hofmann zur Linden

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Klaus Hofmann zur Linden ist Technical Manager Germany bei Information Builders in Eschborn.

 


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