201002 Standpunkt zur elekronischen Gesundheitskarte

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Standpunkt

Eine neue Zeit der Aufklärung

Irgendwie erinnert die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) schon an einen dörflichen Stammtisch. Zu vorgerückter Stunde wissen die sach- und fachkundigen Teilnehmer um alle Probleme und haben nach schlagkräftigem Abtausch fundierter Expertenmeinungen jede Menge Lösungen. Das Schöne daran: Am Morgen ist alles vorbei. Man versteht sich, ist Gut Freund miteinander und vor allem: Trotz intensiver Bemühungen konnte alles beim alten bleiben. Indes: Auf der Strecke bleibt die Sache, im Falle der eGK eben der Patient.

 

Z

eigt der Verlauf des 113. Deutschen Ärztetages in Dresden doch die große Skepsis der Delegierten gegenüber der eGK. Im Interview mit IT Kompakt, einem Informationsdienst der Bundesärztekammer (BÄK), gibt BÄK-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe denn auch zu: »In der Vergangenheit wurden Fehler gemacht, innerhalb der Gematik, aber auch von der Politik …« Und Hoppe weiß: »Deshalb ist es ja so wichtig, dass der Ärztetag noch einmal klargestellt hat, um was es bei Telematik gehen muss, nämlich primär um die Stärkung der innerärztlichen Kommunikation und nur sekundär um Verwaltungstätigkeiten …« Da fragt man sich, wie es zu den emotionsgeladenen Debatten kommt. Die Heftigkeit der Auseinandersetzungen lässt nur einen Schluss zu: Der Wissensstand entspricht in keiner Weise dem Stand der Technik.

Folgt man beispielsweise den Diskussionen um die Datensicherheit fühlt man sich schnell in ein informationstechnologisches Neolithikum versetzt. BÄK-Vizepräsident Dr. Frank Ulrich Montgomery ist sich aber sicher: »Wir werden die guten Effekte von Telematik und Telemedizin nur umsetzen können, wenn wir die Kollegen davon überzeugen können, dass mit technischen Verfahren heute ein unüberwindbarer Schutz vor Datenklau und Datenmissbrauch möglich ist.« (Quelle: IT Kompakt) Es scheint also in der Tat Informationsdefizite zu geben. Dabei existieren reichlich seriöse Quellen, aus denen sich jeder – in Praxis, Klinik oder Forschung – über den aktuellen Stand der Informationstechnologie auf seinem Gebiet informieren kann. Internetforen, Messen und Kongresse sowie Printmedien klären ausgiebig auf.

So berichtete die Ärzte Zeitung online im August über eine neue Cochrane-Metaanalyse, die sich mit der telemedizinischen Überwachung und Betreuung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz befasst. Danach ergab die Analyse von Telemonitoring-Studien, in denen die erhobenen Vitalparameter automatisiert oder patientengesteuert den behandelnden Ärzten übermittelt wurden, eine signifikante Reduktion der Gesamtsterberate um 34 Prozent. Studien über eine strukturierte telefonische Betreuung ergaben einen Trend zur Abnahme der Gesamtmortalität um 12 Prozent. Mehrere Studien wiesen eine deutliche Kosteneffektivität nach.

Der VHitG (Verband der Hersteller von IT-Lösungen für das Gesundheitswesen e.V.) veröffentlichte gerade einen Innovationsreport zum Thema Interoperabilität, der die neuesten Lösungen zur interdisziplinären elektronischen Kommunikation in und zwischen den verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens zeigt. Datensicherheit inklusive. Und schließlich bietet die Telematik vielfältige Möglichkeiten zur Verbesserung der ärztlichen Arbeitsbedingungen. Alles in allem eigentlich eine typische Win-win-Situation, von der alle profitieren: Ärzte, Kostenträger und Verwaltungen und vor allem die Patienten. Aber das scheint keiner so recht zu wollen. Darum: Wir brauchen eine neue Aufklärung, die durch Wissen Unklarheiten beseitigt und Meinungen durch Fakten ersetzt.

Volker Vorburg

 


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